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Rijeka zu Gast in Wien

Für Alexander Gorgon wird es ein nicht alltägliches Gefühl sein. Läuft der 28-Jährige am Donnerstag (21.05 Uhr) im Ernst-Happel-Stadion ein, wird das erstmals gegen „seine“ Austria sein. Mit HNK Rijeka peilt der Wiener ebenso wie sein Ex-Club den ersten Sieg in der Europa-League-Gruppenphase an.

Gorgon schaffte rechtzeitig vor der Partie das Comeback. Eine Verletzung des Wadenbeinköpfchens setzte den Mittelfeldmann wochenlang außer Gefecht. Befürchtet wurde bereits eine längere Pause. Bei der 0:1-Niederlage im Istrien-Derby gegen Nachzügler Istra Pula stand Gorgon am Samstag aber wieder auf dem Platz. Rijeka liegt als regierender Meister in der kroatischen Liga aktuell auf Rang zwei, auf Spitzenreiter Dinamo Zagreb fehlen fünf Punkte.

„Möchte zeigen, dass ich mich verbessert habe“

Gorgon verließ die Austria im Sommer des Vorjahres im Hoch. 19-mal traf er für die Austria, seinen Vertrag verlängerte der „Erzviolette“ aber nicht. Der seit 1995 - erst im Nachwuchs, dann für die Profis - bei den Violetten tätige Offensivmann wollte „einmal etwas Neues sehen“. Auf der Suche nach einer Herausforderung im Ausland tat sich wochenlang wenig. Als Gorgon, wie er selbst zugab, „aus der Not“ für Rijeka unterschrieb, gab es auch kritische Stimmen.

Alexander Gorgon

GEPA/Philipp Brem

Von 1995 bis 2016 trug Alexander Gorgon das violette Austria-Trikot

Nun kehrt Gorgon als Meister zurück und will seine Entwicklung auch zur Schau stellen. „Ich möchte in diesem Spiel zeigen - und das will wohl jeder, wenn es gegen den Ex-Club geht -, dass ich mich verbessert habe“, sagte er gegenüber Laola1. „Es wird sehr interessant sein, einmal gegen die Austria zu spielen. Dieses Gefühl kenne ich ja nicht.“ Sollte er im Prater treffen, würde der Torjubel allerdings aus Respekt ausbleiben.

Pfiffe wären für Gorgon Überraschung

Gorgon erwartet sich ein warmes Wiedersehen. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich überrascht wäre, wenn es Pfiffe geben würde.“ Für die Austria gab er schließlich viel. Als Nachwuchskicker war Gorgon Absolvent der Frank-Stronach-Akademie, danach bremste ihn eine zweijährige Verletzungspause aus. Im Oktober 2010 gab er mit fast 22 Jahren schließlich sein Bundesliga-Debüt und war danach fester Bestandteil der Mannschaft. Die Krönung war der Meistertitel 2013.

Die Austria hat Gorgon weiter im Blickfeld. So war auch nach der Auslosung die Freude dementsprechend. Mit vielen ehemaligen Mitspielern steht Gorgon noch in Kontakt. Am Donnerstag in Wien und zwei Wochen später in Rijeka wird die Freundschaft aber ruhend gestellt. Mit zwei Siegen hätte das derzeit noch punktelose Rijeka wieder Chancen auf den Aufstieg. Das gilt auch für die bei einem Zähler haltende Austria. Gorgon sprach von „Finalspielen“.

Salzburg in CL-Qualifikation bezwungen

Rijeka traf in dieser Europacup-Saison bereits einmal auf einen ÖFB-Vertreter. Red Bull Salzburg biss sich in der Champions-League-Qualifikation die Zähne aus. Nach einem 1:1 in Salzburg schied Österreichs Meister mit einem 0:0 in Kroatien aus. Rijeka scheiterte im Play-off zur Teilnahme an der Königsklasse an Olympiakos Piräus.

Unterschätzen wird die Austria den Gegner nicht. Schon NK Osijek forderte die Wiener im EL-Play-off voll, Rijekas nationaler Konkurrent steht in der Meisterschaft derzeit auf Rang vier. Die „Bijeli“ von der Adria haben außerdem auch dem AC Milan am zweiten Spieltag der Gruppe D fast ein Remis abgerungen. Beim 2:3 in Mailand - Gorgon fehlte verletzt - fiel das entscheidende Tor erst in der 94. Minute.

Trainer Kek als Erfolgsfaktor

Erfolgsfaktor bei Rijeka ist Trainer Matjaz Kek. Der Slowene mit langjähriger Österreich-Vergangenheit (Spittal/Drau, GAK) übernahm den Club 2013 und entwickelte die Mannschaft konstant weiter. Nach Vizemeistertiteln 2014 bis 2016 folgte heuer mit dem Double-Gewinn der große Coup. Rijeka durchbrach damit die jahrelange Dominanz von Dinamo Zagreb. „Spielerisch betont, aber geradlinig“ lässt Kek agieren, berichtete Gorgon schon vor dem Duell mit Salzburg.

Kek hat sich durch seinen Erfolg inzwischen interessant gemacht. Wie die Austria mit Thorsten Fink beschäftigt auch Rijeka diese Tage der Verbleib des Trainers. Wie der 55-Jährige bestätigte, sei Sloweniens Verbandschef an ihn herangetreten. Sein Heimatland ist aktuell auf der Suche nach einem neuen Teamchef. „Das Nationalteam ist etwas Spezielles für mich. Aber derzeit denke ich nur an Rijeka“, sagte Kek. Gleichzeitig bestätigte er, dass in seinem Vertrag Klauseln für einen vorzeitigen Ausstieg vorhanden seien.

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