Themenüberblick

Neuer Trainer bringt frischen Schwung

Der Start in die Speed-Saison der Herren erfolgt diesmal unter besonderen Umständen. Knapp zwei Wochen nach dem tödlichen Trainingsunfall des Franzosen David Poisson wird am Samstag in Lake Louise der erste Abfahrtssieger der Olympiasaison ermittelt. Favoriten sind die Norweger, die acht der letzten neun Kanada-Rennen gewonnen haben. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) hofft beim Trainereinstand von Josef Brunner auf ein Podium.

Dafür soll in einer verjüngten Mannschaft einer der von Hannes Reichelt angeführten Routiniers sorgen. Während für den Salzburger die nicht so anspruchsvolle Piste in Kanada laut eigener Aussage nicht zu den Lieblingsabfahrten zählt und der 37-Jährige deshalb in beiden Rennen mit Top-Ten-Platzierungen zufrieden wäre, werden neben Max Franz und Vincent Kriechmayr vor allem Matthias Mayer gute Chancen zugebilligt.

„Wir sind ganz gut drauf“

Der Olympiasieger hatte im Vorbereitungstraining am meisten überzeugt. Mit zuletzt gleich drei zweiten Plätzen ist Mayer aber vor allem im Super-G am Sonntag ein Mitfavorit. „Wir sind ganz gut drauf“, bestätigte Mayer eine gute Saisonvorbereitung.

Matthias Mayer

GEPA/Mario Kneisl

Mayer (l.) ist eines der heißesten Eisen von Cheftrainer Puelacher

„Vielleicht werden einige Anfang der Saison wieder schneller sein als wir. Aber wir werden trotzdem alles geben“, versprach der 27-jährige Kärntner. Kriechmayr wurde deutlicher. „Die ganze Mannschaft hat einen Schritt nach vorne gemacht“, meinte der Oberösterreicher. „Wir sind auf jeden Fall stärker als vergangenes Jahr.“

Brunner setzt neue Impulse

Zu verdanken ist das auch dem neuen Trainer. Samstag steht erstmals Brunner am Abfahrtskommandostand der Österreicher. Er wurde anstelle von Florian Winkler als Abfahrtschef geholt. Unter dem in der Schweiz so erfolgreichen Steirer soll es wieder deutlich aufwärts gehen.

Zu den neuen Impulsen Brunners zählte in der Vorbereitung auch ein spezielles Starttraining unter ÖSV-Langlauf-Koordinator Trond Nystad. „Dort liegen wertvolle Zehntel, die wir nicht mehr liegen lassen wollen“, erklärte Reichelt.

Vorbereitung ohne Verletzungen

Für Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher zählt vor dem Start, „dass wir seit Langem wieder einmal eine Vorbereitung ohne Verletzungen hatten“. Auch die fast schon traditionellen Abstimmungsprobleme auf dem nordamerikanischen Schnee glaubt man nun in den Griff bekommen zu haben.

„Wenn du in eine Saison gehst, in der jeder Vertrauen hat, dann bist du bereit“, gab sich Puelacher daher zuversichtlich. „Außerdem waren wir beim Training in Copper Mountain mit allen Teams auf Tuchfühlung. Auch das stimmt mich positiv.“

Womöglich werde es zunächst noch nicht für den Sieg reichen. „Aber um das Podest können wir mitfahren“, ist der Tiroler überzeugt. Die Jungen hätten natürlich andere Ziele. „Sie sollen vor allem die Strecke kennenlernen. Weltcup-Punkte wären ein schöner Erfolg.“

Konkurrenz in Favoritenrolle

Favoriten sind am Samstag (20.15 Uhr MEZ, live in ORF eins) jedenfalls die anderen. Neben den Norwegern stellen die Italiener mit Dominik Paris und Kugel-Titelverteidiger Peter Fill ganz starke Fahrer. Hoch gehandelt werden trotz des Fehlens von Carlo Janka auch die Schweizer Abfahrer rund um Weltmeister Beat Feuz, die seit diesem Winter vom Österreicher Andreas Evers gecoacht werden. Dazu kommt Super-G-Weltmeister Erik Guay.

„Er ist aber hier traditionell noch sicher nicht in Überform und wird erst im Jänner richtig angreifen“, glaubt Kanada-Coach Burkhard Schaffer nicht an einen Heimsieg des nun bereits vierfachen Vaters aus Quebec.

„Unsere Bilanz belegt, dass uns der Hügel hier offensichtlich liegt“, sieht auch Trainer Christian Mitter seine Norweger in Lake Louise zumindest auf dem Papier als Favoriten. „Aber das ist Vergangenheit und die Situation ist diesmal anders. Praktisch jeder kommt von einer Verletzung zurück, und wer weiß, ob wir wegen des Wetters heuer nicht eher europäische Verhältnisse statt des aggressiven Nordamerika-Schnees hier haben“, gab sich Mitter vorsichtig.

Lieblingsstrecke von Svindal

Für Aksel Lund Svindal, der die vergangenen zwei Saisonen jeweils im Jänner beenden hatte müssen, ist Lake Louise eine seiner Lieblingsstrecken. Mit acht Siegen ist er in Kanada unerreicht. „Ich glaube schon“, antwortet der bald 35-Jährige auf die Frage, ob er trotz seiner langen Pausen wegen Knieverletzungen und OP gleich wieder gewinnen könne. „Im Vorjahr hatte ich deutlich weniger Training in den Beinen und bin beim Start in Val d’Isere trotzdem gleich wieder Dritter geworden.“

Die Konkurrenz kann sich also wieder warm anziehen. „Denn“, so Svindal, „nicht nur Kjetil Jansrud und Aleks Kilde sind sehr stark drauf. Auch unsere Jungen fahren superschnell und mit sechs Mann haben wir ein so großes Team wie noch nie hier“. Seine Nachfolger müssen sich aber noch gedulden. Trotz seiner 34 Jahre möchte Svindal noch länger weitermachen: „So zwei, drei oder vier Jahre möchte ich schon noch fahren.“

Links: