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„Das Feintuning folgt hoffentlich bald“

Landung bei 23 Grad in Denver, ein paar Stunden Schlaf und dann hellwach auf die Skipiste zum Training - was sich in Vail derzeit rund um Marcel Hirscher abspielt, ist durchaus vergleichbar mit Formel-1-Testfahrten. Ein halbes Dutzend Atomic-Serviceleute kümmert sich um Hirscher, der wegen seiner Knöchelverletzung enormen Aufholbedarf bei den neuen Riesentorlauf-Ski hat.

„Man sagt ja, Skifahren ist die Formel 1 des Winters“, fand Hirscher den Vergleich mit der Motorsport-Königsklasse durchaus passend. Nach einem Testlauf (Installationsrunde) auf dem Riesentorlauf-Hang kehrt der Serien-Weltcup-Sieger zurück an die „Box“, wo rund acht Paar Ski und auch einige Skischuhe zum Wechseln auf ihn warten.

Sechs bis sieben Läufe pro Einheit

Nach jeweils kurzen Beratungen mit der Servicecrew und den Coachs schnallt Hirscher wieder an, fährt mit dem Sessellift zum Start und absolviert einen weiteren Run. Insgesamt kommt er so im Schnitt auf sechs bis sieben Läufe pro Trainingseinheit.

Marcel Hirscher

APA/EXPA/Johann Groder

Hirscher testet bis zum Riesentorlauf am Sonntag auf Hochtouren

„Man nähert sich schrittweise“, erklärt Atomic-Rennsportchef Christian Höflehner das Prinzip der Testläufe. „Zuerst testet man die Ski. Wenn man da einen Schritt weitergekommen ist, wechselt man den Schuh.“

Noch viel Arbeit im Riesentorlauf

Der aktuelle Slalom- und Riesentorlauf-Weltmeister aus Annaberg hat wegen seiner Mitte August erlittenen Knöchelverletzung viel Training und vor allem Testmöglichkeiten verloren. Und das vor einem Winter, in dem im Riesentorlauf mit neuem Radius gefahren wird.

Spannung vor Hirschers Auftritt

Am Sonntag startet Marcel Hirscher in Beaver Creek in die RTL-Saison. Nach seinem Knöchelbruch ist er eifrig am Tüfteln, denn es gibt Aufholbedarf in allen Belangen.

Der Knöchel ist mittlerweile heil und schmerzt auch nicht mehr. Jetzt geht es für den Perfektionisten Hirscher darum, die beste Abstimmung zwischen den neuen Ski, dem Schuh und dem Fahrer herauszufinden. „Im Moment sind wir noch bei den Hardware-Einstellungen. Das Feintuning folgt hoffentlich bald“, sagte Hirscher, der darauf hinwies, dass speziell im Riesentorlauf noch viel Arbeit auf ihn warte.

„Ernüchternder“ Trainingsrückstand

„Marcel muss in wenigen Tagen oder Wochen aufholen, was die anderen seit dem Weltcup-Finale im März am Herausfinden sind“, erklärte Höflehner. Dass Hirscher anfangs in Colorado zweieinhalb Sekunden Rückstand auf die Bestzeit seines Teamkollegen Vizeweltmeister Roland Leitinger hatte, war sowohl dem Trainingsrückstand als auch dem Jetlag sowie dem amerikanischen Schnee geschuldet.

„Normalerweise sind zwei Sekunden eine Tragödie“, sagte Hirscher. Ihm sei aber bewusst, dass es dafür Gründe gebe. „Trotzdem ist das natürlich ernüchternd. Aber wo soll man auch stehen, wenn man noch keine zehn Riesentorlauf-Trainingstage hat?“ Diese zwei Sekunden heiße es nun im Laufe der nächsten Wochen und Monate zu dezimieren, betonte der Salzburger.

Kein Super-G-Start in Beaver Creek

Ansonsten droht dem Weltmeister im nahen Beaver Creek sogar das Out im ersten Lauf. In der 2.500 Meter hoch liegenden Luxusskistation findet zum Abschluss der üblichen drei Herren-Weltcup-Rennen auf der „Raubvogelpiste“ ein Riesentorlauf statt. Hirscher hat diesen vor zwei Jahren ebenso gewonnen wie sensationell mit dem Super-G auch sein erstes Speed-Rennen.

Den Plan, diesmal am Freitag trotz des Trainingsrückstandes auch schon im Super-G zu starten - da ist der Salzburger wegen der Absage im Vorjahr quasi „Titelverteidiger“ - , hat Österreichs vierfacher Sportler des Jahres wieder aufgegeben. „Keine Chance, es ist noch zu viel Material zu testen. Zu viel Arbeit steht auf dem Plan“, erklärte er.

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