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„Nicht zu viel links oder rechts schauen“

Österreichs Motorsporthoffnung Lucas Auer will 2018 trotz eines möglichen Testfahrerengagements beim Formel-1-Team Force India den vollen Fokus auf dem Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) belassen. Der 23-jährige Tiroler geht in seine vierte Saison für Mercedes. Im vergangenen Jahr war er nach drei Siegen lange um den Titel mitgefahren. Am Ende reichte es zu Rang sechs.

2018 soll der nächste Schritt nach vorne gelingen. Es ist das letzte Jahr von Mercedes in der DTM. Auer will sich für weitere Aufgaben empfehlen. Gedanken an die Königsklasse schiebt der Kufsteiner, der im Sommer seinen ersten Formel-1-Test bestritten hat, aber vorerst beiseite. „Wenn du zu viel links und rechts schaust, dann wirst du in der DTM aufgefressen“, sagte Auer jüngst bei einem Medientermin im Wiener Prater.

Lucas Auer

GEPA/Wolfgang Grebien

In der DTM zählt Auer bereits zu den Fixgrößen

Eine künftige Zusammenarbeit mit Force India ist möglich. Zuletzt fuhr aber der britische Mercedes-Junior George Russell (19 Jahre) für den Formel-1-Rennstall zwei Freie Trainings. Auers Fokus liegt derzeit anderswo - auch wenn er vom oberösterreichischen Force-India-Sponsor BWT unterstützt wird. „Die DTM ist das Wichtigste.“ Den Ausdruck „Schlüsseljahr“ hat er oft gehört. „Nächstes Jahr ist wieder wichtig, dass du ablieferst, damit so viele Türen wie möglich offen stehen. Dann kannst du entscheiden.“

„Abliefern“ und „Präsentieren“

Neben der Formel 1 könnte mittelfristig auch die Formel E, in der sich Mercedes ab 2019 statt der DTM engagieren will, ein Thema werden. Der Saisonstart in der voll elektrischen Serie erfolgt am Wochenende in Hongkong. „Ich schaue mir die Rennen ab und zu an“, sagte Auer. „Als junger Bursch musst du für alles offen sein.“ Im Winter hält sich der Neffe von Ex-Pilot Gerhard Berger vorerst mit Kartrennen und Gaststarts im GT-Bereich fit. „Da lernt man irrsinnig viel. Ich möchte mich mit allem, was vier Räder hat, präsentieren.“

In der Königsklasse hat er das im Sommer erstmals beim Young Drivers Test in Budapest getan - die „Erfüllung eines Kindheitstraums“, mittlerweile aber abgehakt. „Das Wichtigste ist, in der Serie abzuliefern, in der du aktuell bist.“ Alle anderen Einsätze - ob im GT, Kart oder bei Tests - absolviere er nur zu diesem Zweck. „Wenn es mir in der DTM schaden würde oder wenn es mich nicht eine Hundertstel schneller macht, dann mache ich es nicht.“

Einflussreiche und erfahrene Förderer

Als Schlüssel für die Weiterentwicklung sieht der Youngster eine „kompromisslose Analyse“ nach Saisonende. „Es geht darum, dass du dich an den ‚Ohrwaschln‘ packst und fragst: Was muss ich verändern? Wo muss ich etwas tun? Man braucht einen kompromisslosen Plan. Das ist Knochenarbeit.“ Einen Teil erledigte Auer vor Weihnachten bei seinem Team HWA in Stuttgart - die Jahresanalysen stehen an. Danach werden die Wintereinsätze fixiert.

Lucas Auer

APA/Herbert Neubauer

Den Medientermin im Prater hat Auer offensichtlich genossen

Rücksprache hält „Luggi“ mit Onkel und DTM-Chef Berger, aber auch mit Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, einem seiner wichtigsten Förderer. „Man kann sich Tipps holen, aber am Ende machst du dir einen eigenen Plan. Ich weiß mittlerweile, was mir guttut, wo meine Stärken und Schwächen sind, wo ich mich weiterentwickeln kann.“ Die erste Autodromfahrt im Prater war erfolgreich. Als Kind sei sich ein Besuch im Vergnügungspark in Wien nie ausgegangen. „Ich war immer auf irgendwelchen Kartstrecken.“

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