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„Der Beste der Welt“

Marcel Hirscher hat am Sonntag einem Wochenende reich an erfolgreichen Comebacks, etwa von Cornelia Hütter und Aksel Lund Svindal, die Krone aufgesetzt. 108 Tage nach seinem im Training erlittenen Knöchelbruch gewann der Salzburger den Riesentorlauf von Beaver Creek. „So unerwartet wie dieser Sieg war davor noch keiner“, sagte Hirscher nach dem laut eigener Aussage größten Sieg seiner Karriere.

Mitte August zog sich der sechsfache Weltcup-Gesamtsieger im Training auf dem Mölltaler Gletscher einen Bruch des Außenknöchels zu - und das ausgerechnet vor einer Olympiasaison. Pessimisten befürchteten bereits, Hirscher würde seine erfolgreiche Karriere ohne Olympiagold beenden müssen. Doch der 28-Jährige bewies mit seinem Blitzcomeback, warum er eine Ausnahmeerscheinung im Skizirkus ist. „Marcel ist der Beste der Welt“, sagte der am Sonntag zweitplatzierte Norweger Henrik Kristoffersen.

„Es ist kaum zu fassen“

Mit seinem 23. Sieg in einem Riesentorlauf zog Hirscher mit dem Schweizer Michael von Grünigen gleich und ist nun Dritter der Rangliste. Auf die Nummer zwei Ted Ligety aus den USA, der bei seinem Comeback nach einem Kreuzbandriss am Sonntag Rang neun belegte, fehlt dem Salzburger nur noch ein Erfolg. Nur die schwedische Legende Ingemar Stenmark hat mit 46 doppelt so viele wie der Österreicher. Mit seinem insgesamt 46. Weltcup-Sieg holte Hirscher Renate Götschl und Marc Girardelli in der ewigen Bestenliste ein und ist Siebenter.

Riesentorlauf: Hirscher triumphiert in Beaver Creek

Nur 108 Tage nach seinem Knöchelbruch ist Marcel Hirscher am Sonntag im Riesentorlauf von Beaver Creek wieder auf die oberste Stufe des Siegerpodests zurückgekehrt.

„Es ist schon unglaublich und kaum zu fassen“, sagte Hirscher, dessen Risiko, es schon bei den ersten Rennen der Saison wieder zu probieren, sich letztlich voll auszahlte. Hätte der Knöchel nachgegeben, wäre der Traum von Olympia in Pyeongchang im Februar wohl zerplatzt. „Wichtig war, einfach so viel möglich zu fahren. Ich habe mich Schwung für Schwung verbessert, und wir haben jeden Tag einige Zehntel herausgefunden“, so der Salzburger.

In den Hintern treten hilft

Vor drei Wochen beim Slalom in Levi musste Hirscher seinem Trainingsrückstand noch Tribut zollen. Nach Platz vier im ersten Durchgang fiel der Salzburger in der Entscheidung auf den 17. Platz zurück. Und auch wenige Tage vor dem Rennen in Beaver Creek fuhr Hirscher im Training weit hinterher. Zwei Sekunden Rückstand riss der Salzburger auf seine Teamkollegen auf.

Marcel Hirscher

GEPA/Christian Walgram

Drei Monate nach seinem Unfall war Hirscher wieder ganz der Alte

„Vier Monate verletzt zu sein war neu für uns alle“, sagte der Superstar. Dank seines Betreuerteams und auch der Teamkollegen holte Hirscher den Rückstand im Eiltempo auf. „Sie haben mir jeden Tag in den Hintern getreten. So konnte ich mich jeden Tag bei jedem Schwung verbessern. Aber dann gleich hier in Beaver auch zu gewinnen, das ist wieder etwas ganz anderes“, sagte der Superstar, der im zweiten Durchgang mit Laufbestzeit das Ergebnis noch zu seinen Gunsten umdrehte.

Schon im ersten Durchgang zeigte Hirscher mit Platz drei, dass er wieder voll da ist. Im zweiten Lauf griff der 28-Jährige sogar zu einem neuen Ski, der extra angefertigt worden war. „Ich bin vollstes Risiko gegangen“, so Hirscher, „das hätte auch kräftig nach hinten losgehen können.“ Die Verletzung habe den Stress zum Saisonstart natürlich verringert. „Aber nur, solange ich mit Gips auf der Couch gelegen bin. Seit dem ersten Tag ohne Gips und Krücken war der Druck sofort wieder da. Und jetzt, wenn ich da sitze als Sieger, kann ich sagen, es ist schon wieder alles wie immer.“

„Einfach ein Rennpferd“

Spätestens seit dem Sieg in Beaver Creek muss sich Hirscher auch wie immer mit den Fragen nach dem siebenten Gesamtsieg im Weltcup in Folge auseinandersetzen. Der 28-Jährige gab sich aber auch wie immer vorsichtig und wehrte Fragen in diese Richtung ab: „Ich bin hier am Podest. Also ist es sicher möglich. Aber nur mathematisch. Die Chancen sind nicht die besten, aber ich werde wie immer in jedem Rennen das beste Ergebnis anstreben.“

Sein Rennchef Christian Höflehner zeigte sich erleichtert, dass Hirscher sich auch von der Radiusänderung der Ski im Riesentorlauf nicht zurückwerfen ließ. Er ist einfach ein Rennpferd", sagte Höflehner, „die Läufer haben über Jahre eingetrichtert bekommen, rund zu fahren. Marcel musste nun in kürzester Zeit lernen, wieder gerade auf die Tore zuzufahren und dann kurzen Druck zu machen.“ Indivualcoach Michael „Mike“ Pircher strahlte: „Für Marcel ist das ein besonderer Sieg, weil er echt eine schwere Zeit hinter sich hat. Dass er aber gleich wie eine Bombe einschlägt, hätten wir nicht erwartet“, sagte der Trainer.

Erfolgreiche Nordamerika-Bilanz

Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher zog nicht nur wegen Hirschers Sieg nach den Rennen in Nordamerika erfolgreich Bilanz. Vor allem im Speed-Bereich sah der Tiroler die Trendwende mit dem Sieg von Vincent Kriechmayr im Super-G von Beaver Creek und insgesamt fünf Podestplätzen in vier Rennen geschafft. „Wir haben viel und gut gearbeitet und den Anschluss an die Weltspitze geschafft“, sagte Puelacher. Die Truppe hätte sich „sehr gut weiterentwickelt und gute Leistungen gebracht“.

Wirklich daneben ging nur die Abfahrt in Beaver Creek auf der „Birds of Prey“, wo es Kriechmayr als Sechster als einziger Österreicher in die Top Ten schaffte. „Das muss man genau analysieren“, versprach Puelacher vor der Abreise. „Vor allem, warum wir speziell oben so viel Zeit auf die Spitzenleute verloren haben.“ Während es für Hirscher und die Techniker in einer Woche mit einem Riesentorlauf in Val d’Isere weitergeht, hat die Speed-Truppe eine Woche länger Zeit. Am 15. Dezember steht der Abfahrtsklassiker in Gröden auf dem Programm.

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