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Pole auf Kurs zur Titelverteidigung

Die Entscheidung über den Gesamtsieg bei der 66. Ausgabe der Vierschanzentournee scheint zur Halbzeit des traditionellen Bewerbes ein Fall für zwei zu werden. Kamil Stoch geht als Gewinner von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen als großer Gejagter in die Bewerbe von Innsbruck und Bischofshofen. Dem Polen sitzt jedoch der Deutsche Richard Freitag im Nacken.

Titelverteidiger Stoch und Weltcup-Spitzenreiter Freitag belegten bei den bisherigen beiden Springen jeweils die Plätze eins und zwei. Immer hatte dabei der Pole knapp die Nase vorne. Vor der am Mittwoch mit der Qualifikation in Innsbruck (14.00 Uhr, live in ORF eins) startenden zweiten Hälfte der Tournee hat der 30-jährige Pole nach seinen zwei Siegen 11,8 Punkte oder sechs Meter Vorsprung auf den vier Jahre jüngeren Deutschen. Stochs Landsmann Dawid Kubacki hat als Dritter bereits 32,3 Punkte Rückstand auf Platz eins.

Freitag mit guten Erinnerungen

Der dreifache Saisonsieger Freitag ist nach zwei zweiten Plätzen vom Gejagten zum Jäger geworden, doch er verzichtete zu Neujahr auf eine Kampfansage. „Dafür ist Kamil zu stark“, sagte der gebürtige Sachse. An die nächste Station hat Freitag aber besonders gute Erinnerungen. Der Deutsche reist als Sieger von 2015 zum Bergisel. Freitag setzt jedoch nicht nur auf die Erinnerungen, sondern auch auf seine Konstanz. „Es wird eng bleiben, hoffe ich“, meinte Freitag, der zuletzt in sieben Bewerben immer Erster oder Zweiter war.

Kamil Stoch

APA/AP/Matthias Schrader

An Stoch gab es bei der Tournee bisher zweimal kein Vorbeikommen

Der 26-Jährige trägt in Abwesenheit des rekonvaleszenten Severin Freund, der nach seinem zweiten Kreuzbandriss die Tournee vor dem TV-Gerät verfolgen muss, die Hoffnungen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2001/02 und dem ersten unter Bundestrainer Werner Schuster. Der Vorarlberger betonte jedoch die Klasse Stochs. „Kamil ist mit allen Wassern gewaschen und ein Ausnahmekönner, der schon alles gewonnen hat“, sagte Schuster, „es wird sehr schwierig, den Rückstand aufzuholen, aber ich gehe davon aus, dass es möglich ist.“

Stoch auf Hannawalds Spuren

Stoch, 2014 in Sotschi Doppelolympiasieger und in der gleichen Saison auch Weltcup-Gesamtsieger, hatte in Garmisch-Partenkirchen wie schon beim Auftakt in Oberstdorf mit Höchstweite im zweiten Durchgang ein großes Rufzeichen gesetzt. Das Niveau sei enorm hoch gewesen, sagte der Athlet aus der polnischen Springerhochburg Zakopane und fügte hinzu: „Meine Sprünge waren wirklich gut.“

Sein Rezept auf dem Weg zum neuerlichen Gesamtsieg ist das gleiche wie 2017. „Ich schaue nicht auf die Konkurrenz, sondern versuche, gute Sprünge zu machen und mich darüber zu freuen“, sagte Stoch. Gewinnt er als Vorjahresvierter auch am Donnerstag in Innsbruck (14.00 Uhr, live in ORF eins) fehlt dem 30-Jährigen nur noch der Sieg in Bischofshofen, um den Grand Slam, der bisher nur Hannawald vor 17 Jahren gelang, zu wiederholen. Mit einem Sieg auf dem Bergisel hätte Stoch aber saisonübergreifend auf allen vier Schanzen in Folge triumphiert.

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