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Die Routiniers als große Gejagte

Bei den Australian Open hat er vor einem Jahr begonnen, der tolle Comebacklauf sowohl von Roger Federer als auch von Rafael Nadal. Federer schrieb nach einer sechsmonatigen Verletzungspause ein australisches „Sommermärchen“, als er viereinhalb Jahre nach seinem bis dahin letzten Major-Titel (Wimbledon 2012) doch noch ein Grand-Slam-Turnier gewann. Es sollte nicht sein letztes gewesen sein.

Denn für Federer war Melbourne der Auftakt eines seiner besten Jahre, er holte in der Folge sechs weitere Titel, darunter auch den achten Triumph in Wimbledon. Der 36-jährige Schweizer, der 2017 im Endspiel von Melbourne Nadal in fünf Sätzen niedergerungen hat, geht ab Montag auf seinen schon 20. Major-Titel los. „Wenn man im letzten Jahr gewonnen hat, glaubt man, dass man es auch in diesem Jahr wieder schaffen kann“, geht der Schweizer voller Elan auf den fünften Titel in Melbourne nach 2004, 2006, 2007 und 2010 los.

Roger Federer

APA/AFP/Scott Barbour

Vor einem Jahr war Federer bei den Australian Open eine Macht

Federer verpasste allerdings letzte Saison die Rückkehr an die Weltranglistenspitze, ausgerechnet weil auch Nadal ein tolles Comeback nach längerer Pause hinlegte. Der 31-jährige Spanier gewann seinerseits seinen zehnten French-Open-Titel und entschied dann auch die US Open für sich. Ein derartiger Lauf war für beide Spieler kaum noch für möglich gehalten worden. Nadal kommt allerdings ohne Spielpraxis nach Melbourne. „Das ist eine neue Situation für mich. Aber ich fühle mich gut. Ich hoffe wirklich, dass ich bereit sein werde“, sagte der Weltranglistenerste.

Murray und Nishikori fehlen

Das Jahr 2018 und damit auch das erste, mit 55 Mio. australischen Dollar (36 Mio. Euro) dotierte Grand-Slam-Turnier beginnt mit der Frage: Können die Altstars Federer und Nadal ihre Vorherrschaft fortsetzen? Zumindest von einigen anderen Stars, die ihrerseits ihre Verletzungspausen verlängern mussten, droht ihnen keine Gefahr: Andy Murray musste ebenso wie Kei Nishikori nun auch den Trip nach „Down Under“ absagen, auch hinter der Leistungsfähigkeit des zurückkehrenden Stan Wawrinka steht ein großes Fragezeichen.

Mit Spannung erwartet wird das Comeback von Novak Djokovic. Der sechsfache Australian-Open-Sieger hat - ebenso wie Wawrinka - seit Wimbledon kein ATP-Event mehr gespielt. Holt er den Titel, dann ist der Serbe alleiniger Rekordsieger. „Ich kann es kaum erwarten, wieder zu spielen. Ich bin jetzt auf einem Level, mit dem ich wieder in den Wettkampf einsteigen kann. Es wird jeden Tag besser, und ich hoffe, dass ich zu Turnierbeginn bei 100 Prozent sein werde“, erklärte der Serbe, der in der Weltrangliste auf Rang 14 abgerutscht ist.

Neues Siegergesicht?

Durchaus möglich ist es aber auch, dass es erstmals seit 2005 ein neues Siegergesicht beim „Happy Slam“ gibt: Denn seit damals haben entweder Federer (4 Titel), Djokovic (6), Nadal (1) oder Wawrinka (1) gewonnen. „Eigentlich sollte nicht ein 36-Jähriger der Favorit auf den Turniersieg sein“, sagte Federer, der in der ersten Runde am Dienstag erstmals in seiner Karriere auf den Slowenen Aljaz Bedene (ATP-Nummer 51) trifft.

Ein Kandidat auf seinen ersten Major-Titel ist der 26-jährige Bulgare Grigor Dimitrow, der in seinem Auftaktspiel auf Dennis Novak trifft. Der Niederösterreicher steht nach überstandener Qualifikation erstmals im Hauptbewerb eines Grand-Slam-Turniers. Der Weltranglistendritte Dimitrow, der mit dem Triumph bei den ATP-Finals in London den wichtigsten Titel abseits der Grand Slams gewonnen hat, hat indes im Vorjahr erst im Halbfinale gegen Nadal knapp in fünf Sätzen verloren - und im Finish 2017 gezeigt, dass er endgültig in der absoluten Weltspitze angekommen ist.

Dimitrow mit Pokal

APA/AFP/Glyn Kirk

Dimitrow zählt wohl zu einem der wichtigsten Herausforderer

Vielleicht ist aber für den mit Abstand jüngsten Spieler in den Top Ten nun auch seine Zeit bei den Majors gekommen: Der 20-jährige Deutsche Alexander Zverev hat in bisher 13 Grand-Slam-Turnieren nur einmal (Wimbledon 2017) das Achtelfinale erreicht, auch er scheiterte bei den vergangenen Australian Open in fünf Sätzen an Nadal (in Runde drei). Beim Hopman Cup präsentierte sich Zverev noch nicht in Hochform. „Für mich war klar, dass ich dort noch nicht mein bestes Tennis spielen würde“, erklärte der Deutsche.

Thiem bei Favoriten „der zweiten Reihe“

Ein Fragezeichen stand auch hinter der Fitness von Dominic Thiem. Mittlerweile fühlt sich der als Nummer fünf gesetzte Österreicher aber bereit für sein 17. Grand-Slam-Turnier. Das Erreichen der zweiten Turnierwoche will Thiem mittlerweile nicht mehr als Ziel ausgeben. „Zweite Woche habe ich jetzt oft genug gespielt“, stellte Thiem klar.

Befragt, ob er sich sogar den Turniertitel in Melbourne zutraut, ist Thiem nicht scheu. „Auf jeden Fall. Federer ist der Topfavorit gemeinsam mit Nadal, dann sind da ein paar Fragezeichen und Sascha (Zverev, Anm.) und ich. Vielleicht noch Kyrgios und Dimitrow. Ich glaube, dass wir da die Favoriten aus der zweiten Reihe sind.“

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