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Duell auf Augenhöhe - 600 Fans mitgereist

Wie vor vier Jahren beim bisher letzten EM-Turnier mit heimischer Beteiligung bestreitet das österreichische Handball-Nationalteam der Männer auch zum Auftakt der EM 2018 ein „Finale“. Im Jänner 2014 feierte die Mannschaft des damals neuen Cheftrainers Patrekur Johannesson in Herning (Dänemark) einen 30:20-Kantersieg über Tschechien und zog danach in die Hauptrunde ein. Am Freitag (18.15 Uhr, live in ORF Sport +) ist Weißrussland der Gegner auf Augenhöhe, den es im Kampf um die Top Drei in der Gruppe B unbedingt zu schlagen gilt.

Gegen Weltmeister Frankreich und Vizeweltmeister Norwegen würde die Auswahl des mittlerweile zum Langzeitteamchef gewordenen Isländers Johannesson jeweils ein sportliches Wunder brauchen, um zu punkten. Doch im Duell mit den Weißrussen hat sie ihre Chancen, auch wenn der Gegner eingespielt und turniererfahren ist, dazu mit Juri Schewzow eine wahre Handball-Legende auf der Kommandobrücke hat. Und wie 2014 die Tschechen kennen Johannesson und sein Kotrainer Erwin Gierlinger den Auftaktgegner nach monatelanger Vorbereitung in- und auswendig.

Teamchef Patrekur Johannesson

GEPA/Andreas Pranter

Johannesson weiß, worauf es zum Auftakt ankommt

„Ich glaube an meine Mannschaft und hoffe, dass sie beim ersten Spiel im Kopf befreit ist“, sagte der ÖHB-Teamchef, der am Donnerstagabend beim Abschlusstraining in der 3.500 Zuschauer fassenden EM-Halle in Porec wie seine Spieler sehr gelöst und zuversichtlich wirkte. Die letzten Testspielergebnisse hatten zwar für etwas Ernüchterung gesorgt. So setzte es gegen Tschechien, das ebenfalls bei der EM vertreten ist, mit 23:26 zu Hause und 21:35 auswärts zwei Niederlagen. Mut macht aber nicht zuletzt die Tatsache, dass 600 mitgereiste österreichische Fans im kroatischen Urlaubsort für Heimspielatmosphäre sorgen werden.

„Mentalitätsmonster“ ist wieder da

„Für unsere junge Truppe wird das sehr wichtig sein“, meinte Flügelspieler Robert Weber, der als gestandener Bundesliga-Legionär (Magdeburg) mit mehr als 150 Länderspielen ein Fels in der Brandung sein soll. Dazu kann die im Vergleich zum letzten Endrundenauftritt (WM 2015 in Katar) deutlich verjüngte Mannschaft auch wieder auf Vitas Ziuras, ein „Mentalitätsmonster“ in Reinkultur, vertrauen. Der 38-jährige Rückraumspieler von den Fivers Margareten gibt bei der EM bereits sein zweites Teamcomeback.

Fans mit Österreich-Fahnen

GEPA/Franz Pammer

Die Fans sollen den nötigen Rückhalt liefern

Ziura, der nach der geschafften Quali im Juni 2017 „endgültig“ zurückgetreten war, soll den Österreichern mit seiner Erfahrung und seinen enormen Kämpferqualitäten den nötigen Rückhalt verleihen. „Er gibt immer alles und ist ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Johannesson, den Ziura selbst als Freund bezeichnet und dem er laut eigenen Angaben unmöglich hatte absagen können, als der Anruf des Teamchefs kam. „Vitas kennt mein System, dadurch kann er kurzfristig einspringen. Er ist bereit, Österreich und mir zu helfen. Ich weiß, was ich an ihm habe, die Spieler auch“, so Johannesson.

Die Mannschaft ist der Star, der Trainer eine Legende

Die Weißrussen haben ihrerseits keine klingenden Namen, sind aber bereits zum sechsten Mal in Folge bei einem Großereignis dabei. Sieben Spieler des EM-Kaders sind bei Champions-League-Starter Meschkow Brest oder bei SKA Minsk unter Vertrag. Die Auswahl, die in der Quali vor Serbien Gruppenerster wurde, ist eingespielt und hat mit Schewzow einen Teamchef mit Legendenstatus. Als Spieler war er Weltmeister und Olympiasieger mit der Sowjetunion. Als Trainer holte er in Deutschland Meister- und Cuptitel. „Schewzow ist wirklich clever. Ich hatte das Glück, in Essen unter ihm zu spielen“, erinnert sich Johannesson an eines seiner großen Vorbilder.

Das letzte Duell Österreichs mit Weißrussland liegt fünf Jahre zurück. Anfang Jänner 2013 setzte sich Weißrussland beim Yellow Cup in Winterthur mit 33:22 durch. Der letzte Sieg Österreichs stammt aus 2011 in einem Freundschaftsspiel in Gdynia (Polen) mit 31:28. Aus insgesamt 17 Duellen ging man siebenmal als Sieger hervor, zehnmal musste man sich beugen. Sollte Österreich den Aufstieg in die Hauptrunde schaffen, würde man - unter Mitnahme der Resultate gegen die weiteren Aufsteiger - in Gruppe I und damit nach Zagreb übersiedeln. Die Gegner dort kommen aus dem Vorrundenpool A mit Kroatien, Schweden, Serbien und Island.

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