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Formkurve zeigt nach oben

Der letzte österreichische Sieger auf der Streif heißt noch immer Hannes Reichelt. 2014 holte sich der Salzburger trotz eines Bandscheibenvorfalls die goldene Gams für den Abfahrtssieger. Heuer lief es für Reichelt zwar im Super-G besser, doch auch in der Abfahrt zeigte die Formkurve des 37-Jährigen zuletzt klar nach oben.

Im Super-G stand Reichelt heuer bereits zweimal als Dritter auf dem Podest. Aber auch in der Abfahrt näherte sich der Routinier den Top Drei an. Nach Platz fünf in Bormio raste der Salzburger vor einer Woche in Wengen auf den vierten Platz. Dass es jetzt mit Kitzbühel Schlag auf Schlag geht, ist Reichelt nur recht. „Einen alten Traktor stellst du auch nicht mehr ab, weil es dann schwerer ist, ihn wieder zu starten“, verwies Reichelt mit einem Augenzwinkern auf sein für einen Skifahrer fortgeschrittenes Alter.

„Bestmarke“ von Cuche in Gefahr

Der 37-Jährige könnte sich mit einer Wiederholung seine Triumphes von 2014 einen Eintrag in die Geschichtsbücher der Hahnenkammrennen sichern. In Kitzbühel hält den Rekord der Schweizer Didier Cuche, der 2012 bei seinem Sieg ebenfalls 37 Jahre alt war. Weil Cuche im August, Reichelt aber im Juli Geburtstag hat, könnte der Österreicher den Schweizer als ältesten Streif-Sieger ablösen. In Wengen hat Reichelt diesen Titel bereits. Bei seinem Sieg auf dem Lauberhorn 2015 war er 34 Jahre alt, älter war keiner.

Hannes Reichelt

GEPA

2014 genoss Reichelt die Siegerehrung in vollen Zügen

„Ich hoffe, ich sammle ein paar so Titel, die Chance habe ich dazu. Ich bin im fortgeschrittenen Alter, ich möchte einfach schauen, dass ich mit den Jungen mithalten kann. Wie gut das dann ist, wird sich weisen“, sagte Reichelt, der als Bormio-Fünfter nach Wengen gefahren und von dort mit Platz vier wieder abgereist war. Für Kitzbühel hofft er auf schönes Wetter und „feinere Sicht“ als speziell im ersten Training.

Rückenprobleme überwunden

Reichelt ist jedenfalls topfit, wie er am Samstag mit Rang vier auf der längsten Weltcup-Abfahrt in Wengen bewies. Mit der Streif wartet nun ein Kaliber anderer Charakteristik. „In Kitzbühel sind sehr enge Kurven und viel zum Überwinden. Der Grad zwischen Abflug und Runterkommen ist relativ schmal. In Wengen ist ein großer Faktor die Länge, in Kitzbühel ist es von der Anstrengung her einfach nicht so groß.“

Wengen hat auch gezeigt, dass Reichelt seinen in der Woche zuvor absolvierten schmerzhaften Ausflug zum Riesentorlauf-Training gut weggesteckt hat. „Nach einem Trainingstag in den Toren habe ich Rückenprobleme bekommen und pausieren und Therapien machen müssen. Vom Körperlichen her bin ich wieder so gut wie fit, aber die Trainingstage fehlen mir ein bisschen“, haderte er bereits vor der Lauberhornabfahrt. Riesentorlauf gehe zwar gut, aber wenn das danach eine Pause erzwinge, dann stehe es nicht dafür.

Kein Glück mit den Startnummern

Auch wenn sich die Ergebnisse auf dem Papier vom Beginn der Saison mit Rang 19 in Lake Louise, 22 in Beaver Creek und 24 in Gröden nicht so lesen, war Reichelt schon damals nicht unzufrieden. „Die Form hat ganz gut gepasst, aber die Startnummernregelung spielt mir im Moment gar nicht in die Karten“, haderte er mit dem Umstand, dass er bis Wengen auf Platz zehn der für die Startnummernvergabe maßgeblichen WCSL lag und als Letzter der Top Ten nur noch nehmen konnte, was an ungerader Zahl zwischen 1 und 19 blieb. Für Kitzbühel hat sich Reichelt auf Platz neun verbessert.

Hannes Reichelt

GEPA/Hans Osterauer

In Wengen fehlte Reichelt nicht viel auf das Podest der besten drei

Seine Leistungsstärke angezweifelt habe er im Saisonverlauf jedenfalls nicht. „Lake Louise liegt mir nicht, aber die anderen Abfahrten waren zu erklären. In Beaver Creek habe ich mich mit dem Material ein bisschen vertan. In Gröden warst du mit einer vorderer Nummer chancenlos. Ich habe sicher einen Fehler gemacht, aber so schlecht bin ich nicht gefahren, wie die Platzierung war“, sagte der Salzburger.

In Bormio sei keiner mit einer Nummer in seiner Gegend schneller gewesen, und die vier Zehntelsekunden auf den Sieg seien nicht die Welt, meinte Reichelt. „Da hätte ich auch auf dem Stockerl stehen können.“ Habe er im Super-G einen Vorteil bei der Startnummernvergabe, so sei es in der Abfahrt ein Nachteil - hausgemacht wohlgemerkt, aufgrund der vergangenen Saison. „Aber es wird sicher wieder Abfahrten geben, wo du das Glück auf deiner Seite hast.“

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