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Marsaglia mit Nummer 54 Schnellster

Matteo Marsaglia hat am Donnerstag im zweiten Abfahrtstraining auf verkürzter Strecke der Streif in Kitzbühel mit Startnummer 54 überraschend die Bestzeit aufgestellt. Der Italiener lag 0,01 Sekunden vor dem Franzosen Brice Roger (Nummer 30) und 0,16 Sekunden vor Vincent Kriechmayr (Nummer 6).

Hinter dem Oberösterreicher folgten mit dem US-Amerikaner Jared Goldberg (+0,26) und dem Steirer Daniel Danklmaier (0,33) zwei weitere Außenseiter mit hohen Nummern. Hannes Reichelt hatte als Achter 0,39 Sekunden Rückstand, die übrigen Österreicher lagen - wie auch der Schweizer Wengen-Sieger Beat Feuz und der Südtiroler Dienstag-Trainingsschnellste Christof Innerhofer - weit zurück.

ÖSV-Fahrer mannschaftlich stark

Mannschaftlich stark haben sich die Österreicher in Kitzbühel beim verkürzten Abschlusstraining für die Hahnenkamm-Abfahrt am Samstag präsentiert.

Aufgrund wärmer werdender Temperaturen fuhren Läufer mit höheren Nummern noch schnelle Zeiten heraus, zeitweise lugte auch die Sonne durch die Wolken und sorgte für bessere Sicht. Somit wurde der lange führende Kriechmayr noch von Marsaglia und Roger abgefangen. Das Ergebnis ist also nur bedingt aussagekräftig.

Matteo Marsaglia

APA/Hns Klaus Techt

Mit Startnummer 54 stellte der Italiener Matteo Marsaglia das Trainingsergebnis noch auf den Kopf

Gefahren wurde nur bis zum Oberhausberg, weil man die Piste im unteren Streckenteil für den Super-G am Freitag und die Abfahrt am Samstag (jeweils 11.30 Uhr) schonen wollte. Am Sonntag (10.30 und 13.30 Uhr) folgt der Hahnenkamm-Slalom auf dem Ganslernhang. Alle Rennen sind live in ORF eins und im Livestream zu sehen.

Sprünge entschärft

Abgegraben waren gegenüber dem ersten Training am Dienstag die Sprünge in die Mausefalle und Alte Schneise. „Sie haben die Sprünge gut entschärft, die Piste ist auch in einem sehr guten Zustand“, sagte Reichelt, der nicht volles Risiko ging. „Das ist immer ein bisschen die Tagesverfassung“, sagte der Salzburger, 2014 letzter ÖSV-Sieger der Hahnenkamm-Abfahrt.

Abfahrtsstrecke in Kitzbühel

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Anders legte es Kriechmayr an. „Ich bin zufrieden, weil mir der obere Teil geglückt ist. Ich war sehr am Limit, aber das war mein Ziel im zweiten Training.“ Da wegen der Verkürzung aber die Hausbergkante und die Traverse fehlten, sei das Training „nur die halbe Miete“, weshalb er die Aussagekraft nicht sehr hoch ansah. „Ich weiß, dass die Konkurrenz noch geblufft hat. Aber es freut mich, dass ich das, was ich mir vorgenommen habe, jetzt geschafft habe.“

Danklmaier tankte Selbstvertrauen und hoffte auf einen Startplatz, er war einer aus dem ÖSV-Team, für den es um die Qualifikation ging. „Wenn du da vorne mitspielst, ist das sicher gut. Ich war im ersten Training unten gut dabei, heute oben. Wenn das am Samstag zusammenpasst, dann schauen wir mal, was rauskommt.“

Kriechmayr wäre „Überraschungssieger“

Im Gegensatz zum Super-G, wo er in Beaver Creek bereits einen Saisonsieg gefeiert hat, würde sich Kriechmayr in der Abfahrt im Erfolgsfall „Überraschungssieger“ nennen. Schließlich sei er im Weltcup in dieser Disziplin noch nie besser als Sechster gewesen. „Der Super-G ist für mich in Kitzbühel im Vergleich zur Abfahrt das kleinere Problem“, sagte der 26-Jährige aus Respekt vor der schwierigsten Abfahrtsstrecke im Weltcup-Kalender.

Wen die Streif einmal abgeworfen hat, der vergisst das nicht mehr, ist Kriechmayr, dem das Image des „wilden Hundes“ vorauseilt, überzeugt. Der Oberösterreicher klopfte gleich auf Holz, während er sagte: „Ich bin noch nie auf der Schnauze gelegen, hatte noch keine schwere Verletzung. Da ist es für mich leichter, hier runterzufahren als für Kollegen, die es im Rücken und Knie haben.“

Hoffnung auf unverkürzte Abfahrt

Vergangenes Jahr fuhr Kriechmayr in Kitzbühel das erste Mal von ganz oben und wurde Elfter, 2015 (28.) und 2016 (7.) war die Entscheidung wetterbedingt auf verkürzter Strecke gefallen. „Es macht Kitzbühel aus, wenn die Mausefalle dabei ist. Eine verkürzte Abfahrt ist nicht richtig die Streif. Ich hoffe, dass es Samstag wieder von oben geht, das kommt mir entgegen.“

„Blöd gesagt“, aber es solle schon so sein, dass hier nicht jeder runterkommt, meinte Kriechmayr. „Es verdient sich den Mythos.“ Natürlich sei Kitzbühel besonders. „Ich habe Video geschaut und hoffe, dass ich die Linie gefunden habe. Die Streif ist schwierig, da kannst du aber nicht auf der Linie rumgeiern, da musst du den Ski einfach kompromisslos runtertreten.“

ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher erklärte, dass seine Läufer bei der Mausefalle noch etwas probiert hätten, das sei bei einigen aufgegangen, bei anderen nicht. Man werde sich das im Video genau anschauen und besprechen. „Die Piste passt sehr gut, wenn sie noch die Reste des Neuschnees rausputzen, gibt das ein Spektakel am Samstag.“ Nicht am Start waren für Österreich Max Franz, der an einer Magen-Darm-Erkrankung laboriert, und Otmar Striedinger, der Probleme mit dem linken Unterschenkel hat. Johannes Kröll kam zu Sturz, fuhr aber selbst ins Ziel.

Herren-Abfahrt in Kitzbühel

Zweites Training am Donnerstag:
1. Matteo Marsaglia ITA 1:24,73
2. Brice Roger FRA + 0,01
3. Vincent Kriechmayr AUT 0,16
4. Jared Goldberg USA 0,26
5. Daniel Danklmaier AUT 0,33
6. Johan Clarey FRA 0,34
7. Manuel Osborne-Paradis CAN 0,36
8. Hannes Reichelt AUT 0,39
. Maxence Muzaton FRA 0,39
10. Aksel Lund Svindal NOR 0,52
. Andreas Sander GER 0,52
12. Benjamin Thomsen CAN 0,59
13. Dominik Paris ITA 0,62
14. Peter Fill ITA 0,78
15. Steven Nyman USA 0,81
16. Mattia Casse ITA 0,84
17. Wiley Maple USA 0,87
18. Werner Heel ITA 0,94
19. Felix Monsen SWE 0,97
20. Josef Ferstl GER 1,03
27. Kjetil Jansrud NOR 1,23
30. Christopher Neumayer AUT 1,28
31. Beat Feuz SUI 1,33
32. Matthias Mayer AUT 1,37
33. Patrick Schweiger AUT 1,39
43. Daniel Hemetsberger AUT 1,79
45. Christof Innerhofer ITA 1,81
52. Christian Walder AUT 2,39
54. Christoph Krenn AUT 2,79
58. Romed Baumann AUT 3,19
62. Johannes Kröll AUT 16,85
Nicht am Start: Max Franz (AUT), Otmar Striedinger (AUT)

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