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Sieg mit 0,97 Sekunden Vorsprung

Henrik Kristoffersen hat am Sonntag die Siegesserie von Marcel Hirscher beendet. Der 23-jährige Norweger verteidigte beim Slalom in Kitzbühel seine Zwischenführung souverän und holte nach zehn Podestplätzen seinen ersten Saisonsieg. Am Ende setzte sich Kristoffersen mit dem Vorsprung von 0,97 Sekunden auf den 28-jährigen Salzburger, der die letzten fünf Rennen gewonnen hatte, durch. Dritter wurde der Schweizer Daniel Yule (+1,35 Sek).

Herren-Slalom in Kitzbühel

  • 1. Henrik Kristoffersen (NOR)
  • 2. Marcel Hirscher (AUT)
  • 3. Daniel Yule (SUI)

Bitter endete indes der Klassiker auf dem Ganslernhang für Michael Matt. Der Tiroler, der nach dem ersten Durchgang 0,10 Sekunden hinter Kristoffersen auf Rang zwei gelegen war und 18 Jahre nach seinem Bruder Mario den Sieg in Reichweite hatte, schied in der Entscheidung auf dem Weg zur Zwischenführung aus. Zweitbester Österreicher wurde damit Manuel Feller. Der 25-jährige Tiroler verbesserte sich in der Entscheidung von Rang 13 noch auf fünf (2,22).

Für Hirscher endete eine Serie von fünf Slalom-Siegen ausgerechnet in Kitzbühel. „Natürlich will ich bei den Heimrennen gut performen und so fällt mir ein Stein vom Herzen, wenn ich hier auf dem Podium stehe. Ich bin mit 80 Punkten sehr zufrieden. Es hat sich schon im Training abgezeichnet, dass ich nicht so mithalten kann“, erklärte Hirscher im ORF-Interview. Die Chance auf seinen 54. Weltcup-Sieg, mit dem er Hermann Maier in der ewigen Bestenliste einholen würde, bietet sich schon am Dienstag beim Nightrace in Schladming.

Henrik Kristoffersen, Marcel Hirscher, Daniel Yule

APA/AP/Giovanni Auletta

Ein harter Tag für die Slalom-Asse

Für die Slalom-Asse wurde das Rennen auf dem Ganslernhang einmal mehr zur Herausforderung. Der erste Durchgang war sehr drehend und relativ langsam. Hirscher kam damit nicht wirklich zurecht und lag 1,05 Sekunden hinter Kristoffersen auf Rang drei. Matt klassierte sich eine Zehntelsekunde hinter dem Norweger. Der zweite Lauf war dann wesentlich schneller gesteckt, aber auch dieser Kurs hatte einige Tücken. Überdies setzte am Schluss noch starker Schneefall ein, der es den Läufern nicht unbedingt einfacher machte.

Hirscher, der im letzten Jahr von Rang neun noch zum Sieg fuhr und einen Rückstand von 1,02 Sekunden in einen Vorsprung von 0,76 Sekunden verwandeln konnte, setzte wieder zum Generalangriff an. Mit der zweitbesten Laufzeit konnte er Kristoffersen den Triumph aber nicht mehr streitig machen. Der Norweger, der im Slalom bisher immer seine Pausenführung in einen Sieg umwandeln konnte, schaffte das auch ein neuntes Mal und erzielte die dritte Laufzeit. „Henrik war heute eine Klasse für sich“, gratulierte Hirscher.

Marcel Hirscher (AUT)

Marcel Hirscher schaffte im zweiten Lauf den Sprung von Platz drei auf zwei. Erstmals nach zuletzt fünf Slalom-Siegen in Serie musste er sich wieder geschlagen geben.

Erleichterung bei Kristoffersen

Dem Norweger war indes die Erleichterung, Hirscher erstmals in dieser Saison besiegen zu können, ins Gesicht geschrieben. „Es ist wirklich cool, in Kitzbühel zu gewinnen. Es waren zwei sehr gute Läufe, wobei ich im zweiten am Limit war. Es war schwierig, aber wirklich, wirklich gut. Ich liebe Österreich. Es ist immer so gute Stimmung und deshalb freue ich mich, in Kitzbühel und Schladming zu fahren“, jubelte Kristoffersen über seinen zweiten Sieg auf dem Ganslernhang nach 2016.

Auch im Weltcup blieb der Norweger Hirschers Hauptkonkurrent. Im Kampf um die große Kristallkugel hält Kristoffersen bei 900 Punkten und hat einen Rückstand von 154 Zählern. In der Slalom-Wertung liegt der Österreicher bei noch drei ausstehenden Bewerben 99 Punkte vor dem nun 16-fachen Sieger eines Weltcup-Rennens. Dritter ist Matt, der aber schon einen Rückstand von 286 Punkten aufweist.

Henrik Kristoffersen (NOR)

Der Norweger feierte in Kitzbühel bei dichtem Schneetreiben in souveräner Manier seinen ersten Saisonsieg.

Matt über Blackout entsetzt

Der Rückstand von Matt könnte allerdings wesentlich geringer sein. Der 24-jährige Tiroler lieferte in Durchgang eins eine hervorragende Vorstellung ab. Ein Blackout in der Entscheidung verhinderte aber seinen zweiten Weltcup-Sieg nach Kranjska Gora. Matt war auf dem Weg zur klaren Zwischenführung, verfuhr sich aber in der Haarnadel und verfehlte ein Tor. Sein Bruder Mario, der im Zielraum mit seinem 14 Jahre jüngeren Bruder mitfieberte, konnte es nicht fassen.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. So etwas darf einfach nicht sein. Ich hatte den Kurs nicht mehr so vor mir. Ich wusste schon, dass ein langer Schwung kommt. Durch die Sicht habe ich mich rausbringen lassen, ich bin einfach meinen Rhythmus weitergefahren. Das ist katastrophal“, war Matt, der in dieser Saison bereits drei zweite Plätze geholt hat, über seinen Fehler entsetzt. „Für Michael war das sehr schade, er hätte mit Henrik mithalten können“, fühlte auch Hirscher mit seinem ÖSV-Teamkollegen mit.

Michael Matt

GEPA/Mario Buehner

Für Michael Matt endete der Kitzbühel-Slalom mit einer Enttäuschung

Während Matt haderte, verbuchte Feller mit Rang fünf sein bisher bestes Kitzbühel-Ergebnis. Dabei war der Tiroler nach dem ersten Durchgang noch alles andere als zufrieden mit seiner Leistung. „Der zweite Lauf ist mir mehr entgegengekommen. Da konnte ich attackieren. In Kitzbühel gibt es kein Taktieren, deshalb war im ersten Durchgang die Enttäuschung sehr groß. Der zweite hat mir dann wieder mehr Spaß gemacht“, bilanzierte Feller, der neben Hirscher und Matt sein Olympiaticket in der Tasche hat.

Viertes Olympiaticket weiter offen

Schwarz, der nach dem ersten Lauf noch auf Rang elf gelegen war, fiel auf Platz 16 (3,24) zurück und konnte sich nur bedingt für Pyeongchang empfehlen. Auch Marc Digruber verpasste als 19. (3,64) die Chance, sich doch noch ins Rennen um die Olympianominierung zu bringen. Christian Hirschbühl war zur Halbzeit nur 28. und fädelte im Finale ein. Vor Südkorea bleibt nun nur noch Schladming am Dienstag, wo er ein Topergebnis einfahren muss.

Pech hatte auch Dominik Raschner. Der 23-jährige fuhr im ersten Durchgang mit Startnummer 62 auf den 21. Platz und qualifizierte sich im 16. Anlauf erstmals für eine Slalom-Entscheidung, wo er nach ein paar Toren eine Welle übersah und einfädelte. „Bei der Welle bin ich leider nicht mitgegangen. Dann hat es mich versetzt und schon war es vorbei. Es wäre gewaltig gewesen, wenn ich in die Punkte gekommen wäre. Aber ohne Risiko geht nichts, jetzt heißt es weiterarbeiten“, sagte Raschner, der sich vor einem Jahr auf dem Ganslernhang einen Bruch des Außenknöchels zugezogen hatte.

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