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Kulischnikow und Juskow fehlen

Nach der Ächtung zahlreicher Topstars werden Russlands Sportler bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) wohl weitgehend mit einem Team der Namenlosen unter neutraler Flagge starten. Wie andere russische Gold-Kandidaten dürfen auch die prominenten Eisschnelllaufstars Pawel Kulischnikow und Denis Juskow nicht in Südkorea starten.

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Wie der Vorsitzende des Russischen Eisschnelllauf-Verbandes Andrej Krawzow am Mittwoch bestätigte, gehören die beiden nicht zur Liste der für die Spiele eingeladenen russischen Sportler. Es stehen mit Sergej Trofimow, Angelina Golikowa, Natalia Woronina und Olga Graf nur vier Eisschnellläufer auf der Liste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der verbliebenen 389 russischen Wintersportler, die für den Start in Pyeongchang infrage kommen.

„Ich bin sauber. Ich war immer ehrlich“, empörte sich 1.500-m-Weltrekordler Juskow gegenüber dem niederländischen TV-Sender NOS über seinen Ausschluss. „Ich wurde Hunderte Male getestet. Ich bin sehr enttäuscht über diese Entscheidung“, fügte er hinzu. Er werde auch in den kommenden Wochen für die Spiele trainieren. „Die Information, dass ich ausgeschlossen bin, ist noch nicht offiziell, also bereite ich mich weiter auf die Spiele vor.“

Rekorde und Doping

Noch war am Mittwoch unklar, ob die Sportler gegen die Olympiaausladung vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen, wie es derzeit 42 vom IOC lebenslang gesperrte Russen tun. Kulischnikow hatte schon die Spiele in Sotschi 2014 wegen einer Dopingsperre nur aus der Ferne verfolgen dürfen. Nach Ablauf seiner Zweijahressperre gewann er die WM-Titel 2015 und 2016 über 500 m, dazu 2016 auch über 1.000 m und im Sprint-Vierkampf. Als erster Eisschnellläufer durchbrach er in 33,98 Sekunden die 34-Sekunden-Schallmauer über 500 m und hält den Weltrekord.

Pawel Kulischnikow

AP/Jens Meyer

Pawel Kulischnikow wird nicht in Pyeongchang um Medaillen laufen

Juskows Fall war nach den Belegen des unabhängigen WADA-Ermittlers Richard McLaren im Zusammenhang mit Manipulationen von Dopingproben in Sotschi 2014 überprüft worden. Laut IOC-Mittelung vom Dezember gehörte er aber zu den wenigen Athleten, die bei näherer Überprüfung vom Dopingvorwurf freigesprochen worden waren. Der Mittelstreckler gewann 2013, 2015 und 2016 den WM-Titel und verbesserte im Dezember bei seinem Weltcup-Sieg in Salt Lake City in 1:41,02 Minuten den Weltrekord über 1.500 m. Bis 2008 war er vom russischen Verband für vier Jahre gesperrt worden, weil er Marihuana konsumiert hatte.

Nur saubere Athleten bekommen Einladung

Das IOC hatte am Dienstag mitgeteilt, keine Begründungen für die Nichteinladung russischer Sportler zu geben. Auch der sechsfache Shorttrack-Olympiasieger Viktor Ahn, Biathlet-Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin, die Toplangläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow sowie Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa waren nicht eingeladen worden. Die endgültige Entscheidung will das IOC am Samstag kommunizieren. Das Nationale Olympische Komitee Russlands war wegen Erkenntnissen von WADA-Ermittler McLaren zum systematischen Staatsdoping von den Spielen ausgeschlossen worden. Nur nachweislich saubere Athleten dürfen auf Einladung des IOC in Südkorea unter neutraler Flagge starten.

Russland setzt auf Gespräche

Im Streit um den Ausschluss russischer Spitzensportler von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hat der Kreml indes einen Boykott abgelehnt und zum Dialog aufgerufen. „Wir müssen mit dem Internationalen Olympischen Komitee sprechen und auf unser Recht bestehen, soweit das möglich ist“, sagte Kremlsprecher Dimitri Peskow der Agentur TASS zufolge. Das Wichtigste sei, besonnen zu bleiben - „im Interesse unserer Sportler“, erklärte Peskow am Mittwoch in Moskau.

„Die Lage ist schwierig, aber das bedeutet nicht, dass wir das Gespräch einstellen. Jetzt ist es wichtig, solche Worte wie Boykott zu vermeiden“, betonte der Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das IOC hatte Anfang Dezember das Nationale Olympische Komitee Russlands wegen Hinweisen auf systematisches Doping von den Spielen in Südkorea ausgeschlossen.

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