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Auf der Suche nach dem Olympiapunch

Teresa Stadlober will sich auch beim ersten Heimweltcup ihrer Karriere im Spitzenfeld klassieren, auf große Ansagen hat die Salzburgerin vor dem 10-km-Skating-Massenstart in Seefeld aber verzichtet. Die 24-Jährige wähnt sich wegen der Ruhepause nach der Tour de Ski noch nicht wieder in Topform. Ihr Trainingsfokus gilt längst vorrangig den Olympischen Spielen in zweieinhalb Wochen.

„Seefeld wird hart, weil alles auf Olympia ausgerichtet ist. Ziel sind trotzdem die Top Sechs“, meinte Stadlober vor dem ersten Langlauf-Weltcup in Österreich seit 2004 in Ramsau und dem ersten in Seefeld seit 1999. Ihre Spitzenplatzserie will sie bei der Olympiageneralprobe trotzdem prolongieren. „Ich hoffe, dass der letzte Punch, der mir in Planica gefehlt hat, wieder da ist. Im Massenstart kann sicher was möglich sein, diese Rennen liegen mir“, sagte die Radstädterin.

Wie bei der Tour und zuletzt in Planica werden auch in Tirol nicht alle Asse am Start sein. Einige wie Marit Björgen, Ingvild Flugstad Östberg, Heidi Weng (alle NOR) und Jessica Diggins (USA) aber sehr wohl. Ungeachtet der Konkurrenz blickt Stadlober dem Sprint am Samstag und dem Massenstart am Sonntag mit Vorfreude entgegen. „Das wird ein schönes Wochenende. Die Aufregung und Anspannung wird anders sein als sonst, und es werden viele Familienmitglieder und Freude da sein, das freut mich natürlich sehr.“

Aufholbedarf nach Erholungsphase

Mit der neuen Streckenführung am WM-Schauplatz von 2019 machte sie erstmals im Training am Donnerstag Bekanntschaft. In der Vorwoche in Planica war Stadlober bei ihrem ersten Rennen nach einer kurzen Erholungsphase über 10 km klassisch Vierte geworden. Die Platzierung in Slowenien sei zwar erfreulich gewesen, der Rückstand auf Siegerin Krista Pärmäkoski aber zu groß, so Stadlober selbstkritisch. „Das war ein gutes Rennen, aber nicht das Optimum. 40 Sekunden Rückstand ist schon viel“, meinte Stadlober.

Überraschend sei ihr Aufholbedarf aufgrund der zuletzt abgespulten großen Trainingsumfänge im Hinblick auf Olympia aber nicht, gab die Tour-de-Ski-Fünfte an. Mit ihrem bisherigen Saisonverlauf ist sie aber zufrieden. Überschwänglich wird sie trotz des ersten Weltcup-Podestplatzes als Dritte auf der vorletzten Tour-Etappe sowie etlichen Top-Sechs-Ergebnissen aber nicht. „Ich freue mich, dass ich wieder einen Schritt nach vorne gemacht habe. Ziel war schon, einmal aufs Podium zu laufen, das habe ich geschafft.“

In gewissen Bereichen müsse sie sich aber noch verbessern. „Meine Schwäche ist der Sprint, da bin ich im Hinblick auf die Tour und bei Bonussprints im Nachteil. Man kann überall noch was verbessern, ich bin ja noch keine Seriensiegerin“, meinte sie mit einem Lachen.

Trotz Trainingsdefizit gleich vorne dabei

Erfreulich sei ihre Etablierung im Spitzenfeld auch deshalb, weil sie im Herbst wegen einer Sprunggelenkverletzung viel Trainingszeit verloren hatte. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut geht, weil der Herbst nicht so leicht war. Im Oktober war nur ich nur dreimal am Gletscher. Ich habe viel weniger Umfang gemacht in der Zeit, aber viel mehr Krafttraining.“ Das erwies sich nicht als Nachteil, denn Stadlober mischte von Saisonbeginn weg vorne mit.

Das will sie natürlich auch bei ihren zweiten Winterspielen im Februar in Pyeongchang. Auf Medaillenspekulationen lässt sich die ÖSV-Hoffnungsträgerin aber nicht ein. „Das Ziel sind die Top Sechs. Da bin ich vorsichtig“, sagte Stadlober und nannte die Zeitverschiebung, die Verpflegung und ihr Fehlen bei der Generalprobe im Vorjahr als Unsicherheitsfaktoren.

ÖSV-Herren hoffen auf nötiges Glück

Österreichs Herren wollen sich in Seefeld möglichst teuer verkaufen, Spitzenplätze sind für Bernhard Tritscher, Dominik Baldauf, Max Hauke und Co. im Sprint und im 15-km-Bewerb aber wohl nur schwer möglich. „Es waren schon sehr gute Ergebnisse dabei. Sie haben das Vermögen, ganz vorne mitzulaufen. Das nötige Glück muss jetzt auch einmal kommen, dann können wir ganz vorne dabei sein“, meinte ÖSV-Herren-Cheftrainer Alexander Marent.

Pech habe man besonders in Oberstdorf gehabt, als Tritscher und Baldauf im Spitzenfeld liegend kurz vor dem Ziel zu Sturz gekommen waren. „Da könnte ich mich noch immer grün und blau ärgern, da wäre wirklich viel möglich gewesen.“ Sein Team komme zwar gut vorbereitet nach Tirol, wiewohl bei allen der Fokus bereits auf Olympia gerichtet ist, erklärte Marent.

Baldauf spekuliert mit Sprint-Halbfinale

Baldauf will nach zwei Top-20-Saisonergebnissen vor allem im Sprint aufzeigen. „Ich hoffe, dass ich das Viertelfinale überspringen kann. Endlich einmal das Halbfinale, das muss das Ziel sein“, sagte der Vorarlberger, der sich nach einer erstmals krankheitsfreien Saisonvorbereitung stabilisiert hat.

Dominik Baldauf (AUT)

GEPA/Matic Klansek

Zuletzt in Planica schied Dominik Baldauf im Sprint-Viertelfinale aus

Bisher nicht an seine Topleistungen anschließen konnte hingegen Tritscher. Der WM-Sechste von 2015 über 15 km ist nach einer völlig verpatzten Vorsaison erst wieder auf dem Weg zu alter Stärke. „Letztes Jahr wollte ich zu viel, da habe ich es im Training übertrieben. Ich habe versucht, mich vom Übertraining zu erholen, mittlerweile geht es schon wieder besser“, meinte der Salzburger. Der Sprint-Olympiasiebente von Sotschi sieht Seefeld als Vorbereitungswettkampf für das ganz große Saisonhighlight in Südkorea. „Eigentlich zählt nur Olympia. Im Teamsprint mit Dominik, da wollen wir Großes erreichen“, bekräftigte Tritscher.

Hauke tankte als 15. in Davos mit seinem besten Weltcup-Ergebnis Selbstvertrauen. In Seefeld will der Steirer im Massenstart Ähnliches schaffen. „Ich erwarte mir schon ein sehr gutes Ergebnis. Wenn alles perfekt passt, kann es in Richtung Top 20 gehen“, betonte Hauke. Die erneuerten Strecken in Seefeld kommen ihm entgegen. „Ich habe da immer sehr gute Rennen abliefern können, die Form dürfte auch sehr gut passen“, sagte er und gab sich optimistisch.

Gandler mit bisheriger Saison zufrieden

Für ÖSV-Langlauf-Chef Markus Gandler hat das Quartett Stadlober, Hauke, Tritscher und Baldauf die Erwartungen im bisherigen Saisonverlauf erfüllt. „Mit den vier Anwesenden, vor allem mit Teresa, sind wir sehr zufrieden. Wir sind froh, dass es mit Teresa nach vielen Jahren wieder eine gibt, die aufs Podest laufen kann“, sagte Gandler. Im Nachwuchs schaue es hingegen weniger erfreulich aus. „Um diese vier mache ich mir keine Sorgen, dahinter macht es uns nicht so ruhig, dass die Last immer auf den Gleichen liegt. Wir müssen schauen, dass hinten mehr nachdrängen“, so Gandler.

Der Staffel-Weltmeister von Ramsau 1999 hat die neuen Loipen in Seefeld mit geplant. „Dass es wieder einen Heimweltcup gibt, ist schön. Es braucht für das OK und die Sportler einen Härtetest, an der Strecke selber wird es nicht liegen. Es ist klar, dass der Fokus auf Olympia liegt, aber trotzdem wollen wir das Beste herausholen“, sagte Gandler, der auch einige Athleten aus dem Kontinentalcup an den Start schickt. Aus der Weltcup-Gruppe ist auch Luis Stadlober wieder dabei, der zuletzt mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte.

Langlauf-Weltcup in Seefeld

Programm:

  • Samstag: Skating-Sprint Damen und Herren, Qualifikation (11.15 Uhr) und Finale (13.45 Uhr)
  • Sonntag: Skating-Massenstart Herren 15 km (11.20 Uhr) und Damen 10 km (14.30 Uhr)

ÖSV-Aufgebot:

  • Damen: Jasmin Berchtold, Anna Seebacher, Teresa Stadlober, Lisa Unterweger
  • Herren: Dominik Baldauf, Clemens Blassnig, Michael Föttinger, Alexander Gotthalmseder, Tobias Habenicht, Max Hauke, Simon Kugler, Niklas Liederer, Tobias Moosmann, Luis Stadlober, Bernhard Tritscher

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