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Hockey-Hype in der Wüste Nevadas

Las Vegas ist erst seit dieser Saison auf der Landkarte der National Hockey League (NHL) zu finden. Als 31. Team nahmen die Golden Knights aus der Glücksspielmetropole in Nevada Anfang Oktober 2017 den Betrieb auf. Vier Monate später kennt das Hockey-Fieber in der Wüste keine Grenzen. Denn die Golden Knights eroberten die Liga im Sturm.

Der erst im vergangenen Jahr gegründete Club erwies sich von Beginn an als Gewinn. In der Nacht zum Mittwoch holten die Golden Knights, der erste Verein aus Las Vegas in einer der vier großen Profiligen, mit einem 4:2 bei den Calgary Flames ihren 33. Saisonsieg. Nur die Florida Panthers und die Anaheim Ducks schafften es in ihren Premierenspielzeiten auf insgesamt 33 Erfolge. Vegas hat jedoch noch 33 Spiele Zeit, die Bestmarke deutlich zu verbessern.

Vom Außenseiter zum Titelkandidaten

Mehr noch: Der Liganeuling mauserte sich binnen kürzester Zeit zu einem Titelkandidaten. Die Golden Knights sind in der Western Conference aktuell vor den Winnipeg Jets die Nummer eins. In der Pacific Division liegt Las Vegas mit elf Punkten Vorsprung vor den San Jose Sharks und dem zweifachen Stanley-Cup-Sieger Los Angeles Kings souverän an der Spitze. Ligaweit haben nur die Tampa Bay Lightning im Osten mit 71 Punkten einen Zähler mehr auf dem Konto.

Tor von Erik Haula (Vegas Golden Knights, 56) gegen die Calgary Flames

Reuters/USA Today Sports/Sergei Belski

Erik Haula (r.) und die Golden Knights spielen in ihrer ersten Saison groß auf

Im Oktober betrug die Quote für den Stanley-Cup-Sieg der Golden Knights noch 200:1. Jetzt, kurz nach der Hälfte der regulären Spielzeit, ist die Quote auf 7:1 gesunken. Kaum jemand zweifelt an der Play-off-Teilnahme - das schaffte noch kein neues Team in der ersten Saison. „Was für ein Team. Was für eine Saison“, schrieb der US-Sender NBC. „Wir haben die Ziele bereits jetzt schon weit übertroffen“, sagte Torhüter Marc-Andre Fleury.

Helden aus der zweiten Reihe

Am 21. Juli 2017, nur vier Monate vor Beginn der Saison, stellte der erfahrene General Manager George McPhee in einem Expansion-Draft die neue Mannschaft zusammen. Von jedem Ligakonkurrenten durfte McPhee einen Spieler auswählen. Allerdings nicht aus der ersten oder zweiten Kategorie, die wurden geblockt. Las Vegas bekam also meist Profis aus der zweiten Reihe.

Fleury steht stellvertretend für den rasanten Aufstieg. Bei Titelverteidiger Pittsburgh Penguins nicht mehr gebraucht, erlebt der dreifache Stanley-Cup-Sieger in Las Vegas einen zweiten Frühling. Fleury wurde sogar ins All-Star-Team gewählt. „Er spielt großartig. Die Mannschaft spielt großartig“, schwärmte Penguins-Superstar Sidney Crosby über seinen ehemaligen Teamkollegen und jetzigen Kontrahenten. Auch Alex Owetschkin, Torjäger der Washington Capitals, lobte das neue Team: „Sie sind sehr, sehr schwer zu bezwingen. Sie sind alle enorm schnell.“

Teamgeist und Heimmacht

Überragende Einzelkönner wie etwa Crosby und Owetschkin sind im Team von Trainer Gerard Gallant sowieso nicht zu finden. Nur Jonathan Marchessault ist bei den Scorern als 25. unter den Top 30. Das Erfolgsgeheimnis ist der Zusammenhalt im Team. „Wir sind die am härtesten arbeitende Mannschaft der NHL. Wir fighten vorne und hinten“, sagte der Schweizer Luca Sbisa.

Vor allem in der heimischen Arena sind die Golden Knights eine Macht. In 24 Partien gab es 19 Siege für die Knights. „Es ist dort eine unglaubliche Show, eine Party“, stellte Owetschkin fest. „Es ist wie in einem Nachtclub. Alle tanzen. Es ist wie: ‚Heiliger Jesus, spielen wir Eishockey, oder ist das eine Poolparty da draußen?‘“

Am Anfang stand eine Tragödie

Dabei begann das Abenteuer NHL für die Golden Knights mit einer Tragödie. Denn vor dem ersten NHL-Heimspiel am 10. Oktober 2017 war es in der T-Mobile Arena auf dem berühmten Las Vegas Strip mucksmäuschenstill. Neun Tage zuvor hatte ein 64-jähriger US-Amerikaner aus einem Hotelzimmer in Las Vegas auf ein Musikfestival gefeuert und dabei 58 Menschen getötet und knapp 850 Personen verletzt.

„Vegas strong“, rief damals der in Las Vegas geborene Deryk Engelland in einer bewegenden Ansprache vor dem ersten Heimspiel der Golden Knights den Fans in der Halle zu. Die Mannschaft wurde durch die Tragödie noch mehr zu einer Einheit. Nach der Engelland-Rede jubelten die Zuschauer. Der Hallensprecher rief: „Lasst uns Geschichte schreiben.“ Die Spieler folgten seinem Aufruf.

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