Elf Personen ausgeforscht
Rapid will sich die Verfehlungen einiger Anhänger endgültig nicht länger gefallen lassen. Nach den Vorfällen beim Wiener Derby gegen die Austria am Sonntag im Allianz Stadion kündigte Clubpräsident Michael Krammer am Montag ein rigoroses Vorgehen gegen die Feuerzeugwerfer an. Neben Stadionverboten sollen die Übeltäter auf den Rängen diesmal auch zur Kasse gebeten werden.
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„Die rote Linie wurde hier überschritten“, sagte Krammer auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Wien-Hütteldorf. Am Sonntag musste das 325. Wiener Derby gegen den violetten Erzrivalen in der ersten Hälfte erneut unterbrochen werden, nachdem speziell Raphael Holzhauser beim Versuch, einen Eckball zu treten, von Gegenständen aus der „Block West“ genannten Fantribüne von hinter dem Tor regelrecht bombardiert worden war.

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Holzhauser konnte bei Eckbällen mehr schlecht, als recht beschützt werden
„Wir verurteilen diese Vorkommnisse und das Werfen von Gegenständen auf das Allerschärfste“, wiederholte Krammer am Montag das bereits nach dem Spiel von Rapid ausgegebene offizielle Statement und kritisierte die Unruhestifter auf der Fantribüne: „Es gibt unter den 7.000 Personen im Block West offenbar neue Personen, die offensichtlich noch Probleme damit haben, die rote Linie einzuhalten.“
Erstmals Regressforderungen
Nach dem Spiel wurde laut Krammer eine intensive Auswertung des Materials der Überwachungskameras begonnen. Die Recherche zahlte sich aus: Elf Übeltäter seien ausgeforscht worden. Und den Randalierern drohen nun vonseiten des Vereins Konsequenzen. „Wir haben die Bilder, jetzt folgt die Identifizierung. Wenn wir die Personen identifiziert haben, werden sie mindestens zwei Jahre Stadionverbot bekommen“, sagte Krammer. Auch eine längere Sperre sei nicht ausgeschlossen, so der 57-Jährige, das hänge aber von den Urteilen der Bundesliga ab.
Wiener Derby mit Eklat und Remis
Das 1:1 zwischen Rapid Wien und Austria Wien stand wieder einmal im Zeichen verhaltensauffälliger Rapid-Fans, die Gegenstände auf Spieler warfen und den Platz stürmten.
Die Unruhestifter sollen aber nicht nur aus dem Stadion verbannt werden, sondern werden auch zur Kasse gebeten. „Wir werden erstmals, bei Strafen die wir von der Liga erhalten, gegen die Verursacher regressieren“, kündigte Krammer rechtliche Schritte gegen die Betroffenen an. Aus der deutschen Liga gebe es Präzedenzfälle, bei denen Vereine gegen Randalierer erfolgreich regressiert hätten, so der Rapid-Präsident.
Neues Fanprojekt angekündigt
Auch gegen jene beiden Flitzer, die kurz vor dem Spielende das Feld stürmten, werde man vorgehen, so Krammer. „Deren Identität ist festgestellt, und sie werden zwei Jahre Stadionverbot erhalten. Auch hier werden wir Regress fordern“, kündigte er an. Gleichzeitig wolle man bei Rapid auch die eigene Fanarbeit und den Zugang zu den Anhängern einmal mehr hinterfragen. „Haben wir alles richtig gemacht, ist alles so gelaufen, wie wir uns das vorgenommen haben?“, stellte Krammer in den Raum.
Mit einem neuen Fanprojekt und internationaler Beratung will man des Problems Herr werden. Damit solle ermöglicht werden, dass man „Emotionen und gute Stimmung ausleben, aber Dinge wie gestern möglichst hintanhalten“ könne, sagte der Rapid-Boss. Selbst wenn diese Vorhaben greifen sollten, seien Vorkommnisse wie am Sonntag nie zu 100 Prozent auszuschließen. „Dieser Illusion gebe ich mich nicht hin“, sagte Krammer. Auf echten Konfrontationskurs mit der aktiven Fanszene wird man weiterhin nicht gehen. „Die beiden Dinge - Sanktionierung und Fortsetzung des Dialogs - sind alternativlos“, so der Rapid-Präsident.

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Rapid-Boss Krammer hofft mit seinen Maßnahmen auf ein Umdenken der Fans
Krammer wehrte sich auch einmal mehr gegen eine Pauschalverurteilung der Fans. „90 Prozent sind interessiert, dass Rapid erfolgreich Fußball spielt und wir eine tolle Stimmung im Stadion haben“, sagte der Rapid-Chef. Auch die unglücklichen Aussagen etwa von Trainer Goran Djuricin, der die Fans zur „Selbstreinigung“ aufgerufen hatte, und von Spielern, die den Austria-Spielern eine gewisse Mitschuld - Stichwort Provokation - gaben, wollte Krammer nicht auf die Goldwaage legen: Emotional aufgepumpt würden selten „moralisch wertvolle“ Aussagen getätigt. Dejan Ljubicic hatte sich am Tag danach für entsprechende Sager auch entschuldigt.
Ligaentscheidung steht noch aus
Auf eine Entscheidung der Bundesliga muss man bei Rapid aber vorerst noch warten. Man sei dabei, weitere detaillierte Berichte einzuholen und zu evaluieren, hieß es vonseiten der Liga: „Die Vorkommnisse sind leider nicht als Einzelfall abzutun. Wenn in dieser Form Einfluss auf das Spiel genommen wird und Spieler Angst um ihre Gesundheit haben müssen, ist es allerhöchste Zeit, dass man zur Besinnung kommt. Die Spieler sind Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, und keine Zielscheiben für gewaltbereite Unruhestifter, die eine Verletzung bewusst in Kauf nehmen.“
Der zuständige Senat 1 wird sich voraussichtlich am kommenden Montag mit den Vorfällen beschäftigen. Von einer Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro bis zu einer Platzsperre oder Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist alles möglich. „Einerseits wird der Senat 1 Konsequenzen ziehen. Unabhängig von deren Art und Höhe werden wir andererseits auch bei einem gemeinsamen Termin mit dem SK Rapid über die clubinternen Konsequenzen und Lösungsansätze des Clubs sprechen“, so die Liga.
Kritisiert wurden aber nicht nur die vielen Würfe von Gegenständen auf das Feld, sondern auch die beiden Flitzer. „Es ist auch absolut inakzeptabel und gefährlich, dass zwei Flitzer während des Spiels auf das Spielfeld gelangen, sich dort komplett ungehindert bewegen, eine Unterbrechung notwendig machen und das Spielfeld auch ohne Eingreifen oder Begleitung des Ordnerdienstes wieder verlassen konnten“, wurde verlautet.
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