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Stars wollen Start erzwingen

Die Causa Startverbot für einige russische Sportler bei den am Freitag beginnenden Winterspielen in Pyeongchang ist für das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch nicht ausgestanden. 32 russische Athletinnen und Athleten wollen mit Klagen beim Schweizer Bundesgericht und dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) doch noch ihre Teilnahme an den Bewerben in Südkorea erzwingen.

Neben Shorttrack-Star Viktor Ahn und Biathlon-Ass Anton Schipulin wehren sich auch die Langläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow sowie Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa gegen den Olympiabann vonseiten des IOC. Die 32 Athleten waren auf Empfehlung der unabhängigen Prüfkommission unter Vorsitz der früheren französischen Sportministerin Valerie Fourneyron nicht nach Pyeongchang eingeladen worden. Hintergrund ist der Skandal um organisierte Dopingmanipulationen der Russen bei ihren Heimspielen 2014 in Sotschi.

Anton Shipulin

Reuters/TT News Agency/Robert Henriksson

Schipulin ist einer von 32 Sportlern, die einen Start erzwingen wollen

Aussichten auf Erfolg gering

Der CAS wird die Fälle mit seiner Ad-hoc-Kommission am Mittwoch verhandeln. Zuletzt hatte das höchste Sportgericht die lebenslangen Olympiasperren gegen 28 russische Sportler aus Mangel an Beweisen aufgehoben. In elf Fällen wurden die IOC-Sanktionen zumindest reduziert. 15 Russen aus dieser Gruppe wollten daraufhin ihre Teilnahme in Pyeongchang erwirken, das IOC lehnte das jedoch ab.

Zu den Winterspielen hatte das IOC aus einer Liste von ursprünglich 500 Russen nach Empfehlung der Prüfkommission 169 Athleten eingeladen, die unter neutraler Flagge und ohne eigene Hymne starten. Die Chancen der 32 Athleten auf ein Antreten in Südkorea sind jedoch gering. Sechs vom IOC für Pyeongchang abgelehnte Russen waren zuletzt vor dem Schweizer Bundesgericht mit einer Klage gegen ihren Olympiaausschluss gescheitert.

Russen unter Beobachtung

Das IOC hat inzwischen angekündigt, als Konsequenz aus dem russischen Dopingskandal die Regeln und das Rechtssystem im Anti-Doping-Kampf umfassend zu reformieren. „Die Herausforderung wird sein, wie wir die Integrität einer Organisation wie das IOC mit seinen 206 Mitgliedern managen und schützen können“, sagte Präsident Thomas Bach am Dienstag bei der IOC-Session in Pyeongchang. Dazu gehöre auch, wie man der „wachsenden Macht individueller Rechte“ begegnen könne, sagte der Deutsche.

Thomas Bach

APA/Hans Klaus Techt

Bach sucht weiter nach einem Ausweg aus der leidigen Misere

Diskutiert wird beim IOC auch eine Wiederaufnahme des von Pyeongchang ausgeschlossenen Russischen Olympischen Komitees. Eine entsprechende Empfehlung wird das Einladungskomitee unter der Leitung Nicole Hoevertsz an das IOC-Exekutivkomitee geben. Es wird während der Spiele beobachten, ob sich die russischen Athleten, aber auch die Fans oder die Medien entsprechend des olympischen Geistes verhalten. „Es ist unmöglich, jeden einzelnen russischen Teilnehmer und jeden Vorfall zu beobachten“, sagte Hoevertsz. Jeder russische Starter musste einen umfassenden Verhaltenskodex akzeptieren und unterschreiben.

„Ich stimme zu, dass wir Russland zurück in die olympische Familie bringen müssen, aber zu unseren Bedingungen, nicht zu seinen Bedingungen der Leugnung und des Angriffs“, sagte IOC-Mitglied Richard Pound während der langen Debatte bei der Session und kritisierte auch das Verhalten des IOC in der Causa Russland: „Ein großer Teil der Welt glaubt, dass das IOC versagt hat und die Athleten sauber gemacht hat.“ Bisher habe man im IOC mehr geredet als bewegt. „Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir tun, aber nicht, was wir sagen“, meinte der frühere Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

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