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Zeichen stehen derzeit nicht auf Abschied

Drei Tage nach dem Weltcup-Finale im schwedischen Aare hat sich Marcel Hirscher über seine Zukunftspläne bedeckt gehalten. Erst nach reiflicher Überlegung und vermutlich erst im Sommer wird er über seine sportliche Zukunft entscheiden. „Aber ehestmöglich“, sagte der 29-Jährige am Mittwoch bei einem Pressetermin seines Sponsors in der Raiffeisen-Zentrale in Wien.

Am vergangenen Wochenende war in Aare die bisher erfolgreichste Saison für Hirscher mit einer Absage des Slaloms zu Ende gegangen. Hirscher fiel damit um seinen möglicherweise 14. Saisonsieg um, der ihn in der Bestenliste zum alleinigen Rekordhalter vor ÖSV-Legende Hermann Maier und dem Schweden Ingemar Stenmark gemacht hätte. Beide hatten es einst auf je 13 Siege in einer Saison gebracht.

Marcel Hirscher

APA/Herbert Neubauer

Stolz präsentierte Hirscher in Wien seine Kristallkugeln und die Olylmpiagoldmedaillen von Pyeongchang 2018

Aber auch ohne diesen letzten Rekord durfte Hirscher zufrieden sein. Mit der insgesamt siebenten großen Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup hintereinander, den kleinen Kugeln in Slalom und Riesentorlauf sowie seinen Olympiagoldmedaillen in Riesentorlauf und Kombination von Pyeongchang 2018 blickte Hirscher auf seine bisher beste Saison zurück - obwohl er sich im Sommer den linken Knöchel gebrochen hatte und seine Ziele in die Ferne gerückt waren.

„Entscheidung ehestmöglich“

Nach der Verletzung habe er zu Beginn „hart kämpfen“ und sich in Geduld üben müssen, die späteren Erfolge entschädigten allerdings für die Anstrengungen, sagte Hirscher über die vergangene Saison, die „verrückt angefangen und genauso verrückt aufgehört hat“. Sein nächstes Ziel sei jetzt Kanada, wohin er sich für die nächsten Tage zum Heliskiing begeben wird. „Weil ich erst einmal in meinem Leben einen Skiurlaub gemacht habe. Ich will einfach stressfrei und, ohne in Hundertstel gemessen zu werden, das Skifahren genießen“, erklärte der Salzburger.

Weitere sportliche Ziele habe Hirscher noch nicht. Er weiß nicht einmal, ob oder wie er seine Karriere als Skisportler fortsetzen wird. „Ich werde die Entscheidung aber ehestmöglich treffen“, so Hirscher, „das schulde ich meinem Team und meinen Partnern. Deshalb werde ich mich bemühen, so rasch wie möglich eine Entscheidungsfindung herbeiführen zu können.“ Dass die Verhandlungen über den neuen Vertrag mit Atomic vor dem Abschluss stehen, könnte freilich als Indiz für zumindest eine weitere Skisaison mit Hirscher gewertet werden.

Achterbahnfahrt der Gefühle

Tendenziell stimmte der Salzburger dem zu. Die Zeichen würden auf eine Fortsetzung seiner Karriere deuten, wiewohl sich Hirschers Gefühlslage mit jedem Tag, wie er sagte, ändere. Irgendwie scheint alles möglich zu sein. Das gilt auch für seinen kolportierten Wechsel ins Lager der Abfahrer, den Hirscher zuletzt selbst zum Thema gemacht und kurz darauf wegen des Zeitaufwands wieder ausgeschlossen hatte. Er selbst wisse nicht, was seine Zukunft bringen werde. Die Gefühle und Bedürfnisse wechselten von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag.

Das betreffe auch seine weiteren Karrierepläne. „An einem Tag wie heute würde ich sagen, dass ich keine Zeit und keine Energie mehr dafür habe. Wenn ich morgen ausgeschlafen und voll im Saft bin, werde ich vielleicht sagen: ‚Gehen wir es an‘. Es ist gerade eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Es geht hin und her. Von echt Vollgas begeistert bis zu anstrengend“, sagte Hirscher, der aktuell wieder zum Weiterfahren tendiert - und zwar so wie bisher in Slalom und Riesentorlauf auf der Jagd nach seiner achten großen Kristallkugel.

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