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Überstunden für Ferrari und Mercedes

In Bahrain machen sich Sebastian Vettel und Lewis Hamilton auf die Suche nach dem verlorenen Vertrauen. Vettel fremdelt trotz seines Auftaktsieges noch mit seinem neuen Ferrari, Hamilton fährt nach dem Softwarefehler in Melbourne gegen die eigenen Zweifel. „Keine Ahnung, was uns in Bahrain erwartet“, sagte der Mercedes-Pilot vor dem zweiten Saisonlauf am Sonntag (17.10 Uhr MESZ, live in ORF eins).

Die ersten Runden der Saison haben bei beiden Titelanwärtern eine Reihe offener Fragen hinterlassen. „Ich bin noch nicht glücklich mit dem Auto, ich muss noch gegen zu viele Probleme fahren“, sagte Vettel nach seinem unerwarteten Erfolg in „Down Under“. Sein neuer Dienstwagen, dem er den Namen „Loria“ verpasste, fühlt sich für den vierfachen Ex-Weltmeister noch nicht titelreif an. „Da ist ein großes Potenzial, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns“, so der Deutsche.

Vettel, Hamilton

APA/AFP/William West

Ein Geniestreich im Melbourne ebnete Vettel den Sieg beim WM-Auftakt in Melbourne

Überstunden gab es zuletzt auch für die Mercedes-Ingenieure, ehe die Strategiepanne von Melbourne aufgeklärt war. Ein Programmierfehler hatte Hamilton den sicher geglaubten Sieg gekostet. „Wir haben sichergestellt, dass wir verstehen, was schiefgelaufen ist, und dass es sich in Zukunft nicht in einer ähnlichen Form wiederholen kann“, beteuerte Teamchef Toto Wolff. Vorerst dürfte Hamilton aber mehr denn je eher auf sein eigenes Fahrgefühl setzen als auf die Berechnungen an der Boxenmauer.

Standortbestimmung nach vier Rennen

„Was ich schon jetzt sagen kann: Es wird nicht leicht für uns“, sagte der 33-jährige Brite. Vier Rennen werde es dauern, ehe das tatsächliche Kräfteverhältnis augenscheinlich sei, fügte der Champion hinzu. Dann kommt die Formel 1 auf den Kernmarkt Europa zurück. Das Entwicklungsrennen bekommt dann wegen der geringeren Entfernungen zu den Rennfabriken einen neuen Schub. „Es ist noch zu früh für ein Urteil. Der Ferrari ist meiner Meinung nach besser, als es scheint“, sagte Hamilton.

Diese Einschätzung muss die „Scuderia“ aus Maranello erst noch beweisen. Unter normalen Umständen wirkte Hamiltons Mercedes bei den Tests und zum Saisonstart klar schneller als der Ferrari, vor allem in der oft vorentscheidenden Jagd nach der Poleposition. Auch deshalb dürfte die Erleichterung im roten Lager umso größer ausgefallen sein, verschaffte ihnen Vettels glücklicher Erfolg doch etwas Luft im Duell mit den seit vier Jahren dominierenden Silberpfeilen. Statt gleich zu Beginn in der WM hinterherzufahren, kommt Vorjahressieger Vettel als Spitzenreiter nach Bahrain.

Ferrari braucht „Demut und Entschlossenheit“

„Das Team hat wirklich harte sechs Monate hinter sich. Der Teamgeist ist großartig, das müssen wir uns erhalten“, sagte Vettel im Hochgefühl seines 48. Karrieresieges. Frisch sind noch die Erinnerungen an das vergangene Jahr, als der Deutsche ebenfalls in Australien gewann und bis zum Spätsommer die Gesamtwertung anführte, ehe Patzer und Pannen die Ferrari-Crew in die Sinnkrise stürzten.

„Wir müssen ruhig bleiben“, sagte daher auch Teamchef Maurizio Arrivabene und empfahl seinem Team „Demut und Entschlossenheit“ für den langen Weg zum Titel. Einen kühlen Kopf zu bewahren, das dürfte in der Hitze von Bahrain allerdings extra schwer fallen. Für Hamilton geht es auf dem 5,412 Kilometer langen Wüstenkurs auch um einen Königsklassenrekord: Sollte der Brite am Sonntag in den Punkten landen, würde er die Allzeitbestmarke von Kimi Räikkönen egalisieren: Der Finne hatte von 2012 bis 2013 in 27 WM-Läufen en suite Zähler geholt.

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