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Klassiker endet bitter

Der FC Red Bull Salzburg hätte am Donnerstag ein Stück österreichische Sportgeschichte schreiben können und in das erste Europacup-Finale mit heimischer Beteiligung seit 22 Jahren einziehen können. Doch am Ende war der 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Olympique Marseille nach dem 0:2 aus dem Hinspiel zu wenig. Umso bitterer, dass die Entscheidung nach einem Fehlpfiff der Schiedsrichter fiel.

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Amadou Haidara (53.) und Bouna Sarr (65.) nach einem Schuss von Xaver Schlager hatten Salzburg mit einer starken zweiten Halbzeit in die Verlängerung befördert. Dort war es der eingewechselte Portugiese Rolando (116.), der nach einem fälschlicherweise gegebenen Corner das entscheidende 1:2 erzielte. So trifft „OM“ am 16. Mai in Frankreich, in Lyon, im Finale auf Atletico Madrid.

Rolando (Marseille) schießt ein Tor gegen Salzburg

ORF.at/Dominique Hammer

In der 116. Minute zerstört Rolando Salzburgs Träume

Das Duell des heimischen Meisters mit der Traditionsmannschaft aus Südfrankreich war ein Europacup-Fight, wie aus jenen Zeiten, als österreichische Mannschaften in Europa noch mehr mitzureden hatten. Ein Spiel, das das Zeug zum Klassiker hat. Ein Duell, das über weite Strecken auf Augenhöhe ablief, bei dem Marseille kompakt verteidigte und stets aus Standards gefährlich war. Doch Salzburg durfte nach einer tollen Saison mit den gezeigten Leistungen mehr als stolz auf sich sein.

Lust auf Fußball trotz 0:2

„Schwierig, aber machbar“ lautete das Motto vor dem Spiel, dem sich der Großteil der fast 30.000 Fans im Stadion hoffnungsfroh anschloss. Die Hoffnung der „Bullen“ auf den ersten Finaleinzug in einem internationalen Bewerb einer Salzburger Mannschaft seit 1994 ruhte auf drei Säulen: der starken zweiten Hälfte beim Hinspiel in Marseille, der gefühlt besseren Fitness und dem Umstand, auch im Viertelfinal-Heimspiel gegen Lazio Rom ein 2:5 in kurzer Zeit in ein 6:5 verwandelt zu haben.

Salzburg im Halbfinale ausgeschieden

Red Bull Salzburg konnte den 0:2-Rückstand gegen Olympique Marseille in der regulären Spielzeit zwar aufholen, musste sich in der Verlängerung jedoch mit 1:2 geschlagen geben.

Die ausgegrabenen Statistiken beschäftigten die Elf von Marco Rose hingegen weniger. Weder jene, wonach man seit 27. November 2016 zu Hause ungeschlagen ist, noch, dass erst in 17 Prozent aller Europacup-Spiele eine Mannschaft einen 0:2-Rückstand aus einem Auswärtsspiel im eigenen Stadion in einen Aufstieg verwandeln konnte.

„We will rock you“

Schaffen sollte das „spezielle“ Spiel, Erfolgstrainer Rose vermeidet bewusst immer das Wort „Wunder“, eine gegenüber dem Match in Südfrankreich leicht veränderte Elf. Fredrik Gulbrandsen stürmte wie vermutet anstelle von Hwang Hee Chan. Der Südkoreaner war zuletzt nicht in Bestform. Außerdem übernahm Xaver Schlager wieder seine gewohnte Position im Mittelfeld von Hannes Wolf. Bei „OM“ stürmte Valere Germain statt des angeschlagenen Kostas Mitroglou.

Schon über eine Stunde vor Anpfiff griff der DJ im Stadion tief in die MP3-Lade mit den Klassikern der Einpeitscher-Songs, und so dröhnte „We will rock you“ von Queen über die Lautsprecher den erwartungsfrohen Zuschauern entgegen. „Wir haben noch lange nicht genug“ plakatierte auch der Salzburger Fanblock. Die Anhänger der Südfranzosen veranstalteten hingegen wieder ein Feuerwerk der unnötigen Art und nebelten das Stadion komplett ein, wodurch das Spiel mit kleiner Verspätung begann.

Marseille-Fans mit bengalischen Fackeln

ORF.at/Dominique Hammer

Zu Beginn brannte nur der Sektor der Marseille-Fans lichterloh, später spielerisch auch auf dem Feld

Kein Platz für Salzburg

Marseille eröffnete die Partie dann auch wieder mit der Rugbytaktik, schoss den Ball weit nach vorne ins Out, setzte sich dafür aber gleich in den ersten zwei Minuten in der Salzburger Hälfte fest. Es dauerte ein wenig, bis sich die „Bullen“ befreien konnten. Marseille suchte die Vorentscheidung durch einen Auswärtstreffer. Eine erste Chance vergab Adil Rami (3.).

Salzburg ließ sich nicht einschüchtern, versuchte seinerseits schnell in die Spitzen zu spielen. Zu selten gelang das auch. Marseilles zweikampfstarke Verteidiger waren immer gleich mit mehreren Spielern zur Stelle, gaben den „Bullen“ wenig Raum. Um jeden Millimeter Platz wurde mit vollstem Einsatz gelaufen, gesprungen, gegrätscht. Anstatt es sich im eigenen Wohnzimmer bequem machen zu können, mussten sich die Salzburger wie in einer Achtquadratmeterwohnung mit vier Mitbewohnern fühlen.

Ein Juwel von Haidara

Ein schönes Spiel konnte sich so auf beiden Seiten nicht entwickeln. Intensiv ja, mit Emotion aufgeladen ja, feine Klinge nein. Vehement wurde um jeden Ball gekämpft, die Partie war daher bis zur Pause zerfahren. Salzburg kam nicht dazu, sein Spiel aufzuziehen. Marseille nutzte hingegen jede Gelegenheit, ein paar Sekunden Spielzeit zu schinden.

Aus der Kabine kam der heimische Leader mit der Gewissheit, dass es ein Duell auf Augenhöhe war, was allerdings bei einem 0:2-Rückstand zu wenig war. Doch wenn man eine Lehre aus dem Lazio-Spiel gezogen hatte, dann jene, dass Salzburg nie zu früh abzuschreiben ist. Den ersten guten Angriff nach der Pause spielte jedoch Marseille, Germain verzog seinen Schuss in der 49. Minute aber knapp. Besser machte es kurz darauf Haidara.

Amadou Haidara (Salzburg) schießt ein Tor gegen Marseille

ORF.at/Dominique Hammer

Geschickt mit dem Außenrist schloss Haidara sein Solo zum 1:0 (53. Minute) ab

Der 20-jährige Malier schloss nach einem Energieanfall ein Solo, bei dem er sich durch die französische Hintermannschaft dribbelte, geschickt mit dem 1:0 (53.) ab. Es war das spielerische Glanzstück der Salzburger bis dahin. Andre Ramalho prüfte dann OM-Goalie Yohann Pele mit einem Weitschuss aus über 35 Meter - ein Zeichen für das wiedererwachte Spielgefühl der „Bullen“.

Der Vulkan bricht aus

Weitere Chancen folgten förmlich im Sekundentakt. Wenn im Abschluss auch etwas zu lässig, so hatten zu diesem Zeitpunkt alle in Salzburg endgültig Feuer gefangen. Der Vulkan „Salzburger Stadion“ eruptierte, als Bouna Sarr in der 65. Minute einen Schuss von Xaver Schlager zum 2:0 ins eigene Tor spitzelte. Einer Verlängerung stand somit nichts mehr im Weg.

Xaver Schlagers (Salzburg) schießt aufs Tor von Marseille

ORF.at/Dominique Hammer

Schlagers Schuss wurde noch zum 2:0 abgefälscht (65. Minute)

Rose wollte aber mehr. Unter tosendem Applaus holte er Gulbrandsen vom Feld und der schnelle Konterstürmer Hwang bekam seine Chance. Die erste hatte der Südkoreaner gleich in der 71. Minute, als Pele seinen Drehschuss gerade noch klären konnte. Auf der Gegenseite setzte Florian Thauvin, im Hinspiel noch Torschütze des 1:0, einen Kopfball an die Oberkante der Querlatte.

Packende Szenen

Marseille, angetrieben vom stets gefährlichen Dimitri Payet, versteckte sich nicht, die Partie stand auf des Messers Schneide. Olympique wusste, ein Auswärtstor würde die Finaltür weit öffnen. In der 84. Minute brachte Rose auch noch Takumi Minamino für Schlager. Rudi Garcia schickte bei Marseille den Torschützen vom Hinspiel, Clinton N’Jie, in die Partie.

Als wäre die Schlussphase nicht schon packend genug gewesen, stockte allen Salzburg-Fans in der 87. Minute der Atem, als der russische Spielleiter Sergej Karasew nicht auf Elfmeter entschied, als Duje Caleta-Car im Strafraum bei einem Schuss von Thauvin den Ball an den ausgestreckten Arm bekam. Karasew pfiff dann nach zweiminütiger Nachspielzeit zur Verlängerung. Zu diesem Zeitpunkt hatte es Atletico Madrid dank eines 1:0-Heimsieges über Arsenal bereits ins Finale geschafft.

Fehlentscheidung führt zu 1:2

Auch in der Verlängerung schenkten die Teams einander nichts. Andreas Ulmer musste nach 97 Minuten vom Platz, scheinbar ausgelaugt. Für ihn kam Marin Pongracic. Der Torschrei blieb den Salzburgern dann in der 99. Minute im Hals stecken, als Pele einen wuchtigen Kopfball von Caleta-Car mit einem Reflex auf der Linie klärte. Dabbur schoss in der 102. Minute am Tor vorbei, aber Salzburg hatte nun deutliche Vorteile.

Doch all das nutzte nichts, als der eingewechselte Rolando in der 116. Minute nach einem Corner mit dem 1:2 Marseille ins Endspiel nach Lyon schoss. Allerdings hätte der Eckball nie gegeben werden dürfen, war der vorangegangene Schuss von Andre Zambo Anguissa doch vom Knie von Lucas Ocampos ins Torout abgelenkt worden.

Die Krönung bleibt versagt

Wieder einmal wurde die Sinnhaftigkeit von Torrichtern in Frage gestellt und der Ruf nach dem Videobeweis laut. In der allgemeinen Aufgeregtheit in der Schlussphase wurde auch noch Haidara nach einem Handspiel mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Als die Marseille-Fans mit Böllern heißblütig ihre Mannschaft feierten, machte sich Referee Karasew und seine Crew unter wütenden Pfiffen der Salzburger Anhänger auf den Weg in die Kabinen.

Für Salzburgs Kicker blieb nur die Erkenntnis, eine tolle Saison nicht gekrönt zu haben. Da halfen auch die fairen Shakehands von Payet und Co. mit den Salzburgern nichts mehr - und auch nicht die Tatsache, seit 39 Spielen in Salzburg ungeschlagen zu sein.

Europa League, Halbfinal-Rückspiel

Donnerstag:

Salzburg - Marseille 2:1 n.V. (2:0 0:0)

Red Bull Arena, 29.520 Zuschauer, SR Sergej Karasew (RUS)

Torfolge:
1:0 Haidara (53.)
2:0 Sarr (65./Eigentor)
2:1 Rolando (116.)

Salzburg: Walke - Lainer, Ramalho, Caleta-Car, Ulmer (97./Pongracic) - Haidara, Samassekou, Schlager (84./Minamino), Berisha - Gulbrandsen (69./Hwang), Dabbur

Marseille: Pele - Sarr, Rami, Luiz Gustavo, Amavi - Sanson (101./Rolando), Lopez (66./Zambo Anguissa) - Thauvin, Payet, Ocampos - Germain (84./N’Jie)

Gelbe Karten: Rami, Lopez, Sarr, Germain, Amavi, Rolando, Pele bzw. Haidara, Caleta-Car, Dabbur, Ramalho

Gelb-Rot: Haidara (119.)

Hinspiel 0:2 - Marseille im Finale am 16. Mai in Lyon gegen Atletico Madrid

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