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Formanstieg dringend notwendig

Vier Wochen, zwei Masters-1000-Turniere in Madrid und Rom, dann Lyon sowie der Höhepunkt bei den French Open. Für Dominic Thiem geht es in die heiße Phase der Sandplatzsaison. Der Madrid-Vorjahresfinalist möchte in der spanischen Hauptstadt einen nötigen Formanstieg in Richtung Paris schaffen. Außerdem droht dem Weltranglistensiebenten der Fall aus den Top Ten.

1.660 Zähler, fast die Hälfte aller Punkte, die Thiem im ATP-Ranking stehen hat, stehen in den nächsten Wochen auf dem Spiel. 600 gab 2017 es für das Madrid-Finale, 360 für das Rom-Halbfinale und 720 für das Paris-Halbfinale. Bei schlechten vier Wochen ist also die Top-Ten-Position des 24-jährigen Niederösterreichers in großer Gefahr.

Bresnik hält nichts von Punktespekulationen

Thiems Coach Günter Bresnik lässt sich davon allerdings nicht beeindrucken. Vom „Punkteverteidigen“ hält der Langzeittrainer ohnehin nichts - im Gegenteil. „Der Gedankengang ist grundlegend falsch. Dem wird eine Bedeutung beigemessen, die es einfach nicht hat. Mir ist das völlig egal, wie viele Punkte er letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt gemacht hat! Dass jemand dran denkt, dass er gut spielt und gewinnen möchte, ist für mich der richtige Zugang“, sagte der 57-jährige Niederösterreicher im Gespräch mit der APA.

Trainer Günter Bresnik

GEPA/Matthias Hauer

Coach Günter Bresnik ist die Leistung wichtiger als die Weltranglistenposition

Die Ranglistenposition für ihn bedeutungslos. „Wenn ich schlecht spiele, dann bin ich halt nicht dort. Was bringt es mir, wenn ich in den Top Ten bin und jede Woche schlecht spiele?“, fragte Bresnik. „Ich bin lieber Nummer 200 und gewinne jedes Match. Das Ranking hat keine Wertigkeit. Das verstehen die Leute nicht, und er selbst mittlerweile auch nicht, weil er ständig darauf angesprochen wird.“

Es werde nicht schwieriger, wenn man etwa eine bessere Setzung verliert. Schließlich sei Thiem auch in die Top Ten gekommen. Wichtig sei es, gut zu spielen. „Um nichts anderes sollte sich ein Tennisspieler kümmern. Das gehört endlich einmal verstanden, am besten von allen, in erster Linie von Dominic.“

Trainer will „gutes Spiel sehen“

Und dieses „Gutspielen“ hat Bresnik von seinem Schützling heuer noch nicht oft gesehen. Am besten sei es noch zu Jahresbeginn in Doha gewesen, ehe eine Verkühlung unmittelbar vor den Australian Open Thiem zurückgeworfen hat. Dann kam die fünfwöchige Pause mit der Knöchelverletzung. Und in den vergangenen Wochen mit zwei Viertelfinale in Monte Carlo und Barcelona? „Er hat in Monte Carlo ein gutes Match gegen Novak Djokovic gespielt, wo er halbwegs das gezeigt hat, was man sich von ihm erwartet. Der Rest war schwach“, stellte Bresnik trocken fest.

Weder die Niederlagen gegen den spanischen Superstar Rafael Nadal noch gegen den aufstrebenden Griechen Stefanos Tsitsipas regen Bresnik auf. „Es geht darum, wie es zustande kommt. Da hat es einige Dinge gegeben, die einfach schwach sind oder waren hoffentlich. Das muss er so schnell wie möglich beseitigen.“

Bresnik mit Training zufrieden

Im Training hat Bresnik zuletzt Fortschritte bemerkt. „Das Training ist ganz gut jetzt, muss ich sagen. Man muss schauen, wie es beim Punktespielen ausschaut.“ Die Gewissheit, wo Thiem im Wettkampf steht, wird aber erst das Turnier in Madrid zeigen.

Bresnik verglich Thiem mit einem Formel-1-Wagen. „Den Boliden stellst du in die Garage. Der wird aufgemotzt, das Öl gewechselt, vollgetankt mit Benzin - jetzt muss er fahren. Wie du dann in der ersten Runde fährst, wenn das Auto wieder 30 PS mehr hat, das weißt du nicht.“ Bresnik lässt übrigens wie jedes Jahr Madrid aus und wird ab Rom wieder mit Thiem reisen. Zwischen Rom und Paris hat Thiem ja das Nizza-Nachfolgeturnier in Lyon eingeschoben.

Kein Losglück in Madrid

In Madrid hatte Thiem - wie schon in Monte Carlo - nicht gerade Losglück. Der als Nummer fünf gesetzte Österreicher könnte bereits im Viertelfinale auf Sandplatzkönig Nadal treffen, eine Wiederholung seines Finaleinzuges 2017 ist also extrem schwierig. Zum Auftakt geht es nach einem Freilos am Mittwoch gegen den argentinischen Qualifikanten Federico Delbonis, der sich am Montag gegen den Deutschen Mischa Zverev mit 6:1 2:6 7:6 (8/6) durchsetzte.

Das bisher einzige Duell mit dem 27-jährigen Delbonis, der Nummer 78 der Welt, hat Thiem 2015 in Gstaad 6:3 6:4 gewonnen. Am Montag schlug er sich im Doppel gemeinsam mit dem Argentinier Juan Martin del Potro ein, das Duo verlor aber gegen Pablo Cuevas/Marcel Granollers (URU/ESP) mit 3:6 6:7 (8/10). „Es hat Spaß gemacht und war eine gute Vorbereitung für das Einzel“, meinte Thiem.

Mischa Zverevs jüngerer Bruder Alexander, am Sonntag Turniersieger in München, ist hinter Nadal und vor dem Bulgaren Grigor Dimitrow sowie Del Potro die Nummer zwei des mit knapp 6,7 Millionen Euro dotierten Events. Von den Top Ten fehlen nur der die Sandsaison auslassende Schweizer Roger Federer (2) und Marin Cilic (4). Der Kroate, der kürzlich geheiratet hat, sagte wegen Knieproblemen ab.

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