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Eingewöhnungsphase ist vorbei

Zwei von sieben Spielen sind für Österreichs Nationalteam bei der WM in Dänemark abgehakt. Zwei Niederlagen gegen die Schweiz und Russland stehen zu Buche. Aber weil man sich gegen die Schweizer in die Verlängerung kämpfte, hat Rot-Weiß-Rot auch einen Punkt auf dem Konto. Das erste Fazit von Teamchef Roger Bader ist daher leicht positiv. Der Weg zum Klassenerhalt ist aber weiter steil.

Als krasser Außenseiter in beide Partien gestartet, muckten die Österreicher zu Beginn des Turniers mit der knappen 2:3-Niederlage in der Verlängerung gegen die Schweiz gehörig auf. Immerhin hatten Baders Mannen einen 0:2-Rückstand noch in einen Punktegewinn verwandelt. Am Sonntag wurden alle Träumer im österreichischen Lager, die das Team wegen des am Vortag eroberten Punktes bereits bei der WM 2019 in der Slowakei sahen, von Russland brutal mit einem 7:0 auf den Boden der Realität geholt.

Zweikampf

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Das Spiel gegen den Olympiasieger wurde für Clemens Unterweger (l.) und Co. zur befürchteten Lehrstunde

„Wir haben gegen zwei Nationen gespielt, die normalerweise klar vor uns stehen. Aber wir sind doch wenigstens mit einem Punkt rausgekommen“, sagte Teamchef Bader nach der Lehrstunde des Olympiasiegers in Kopenhagen in einer kleinen Zwischenbilanz. Vor allem mit dem Auftakt gegen seine Landsleute war der Schweizer zufrieden: „Gegen die Schweiz haben wir viele gute Momente gehabt, obwohl die Schweizer natürlich mehr Torchancen hatten. Aber diesen Punkt muss man zuerst holen.“

Schwieriger Gewöhnungseffekt

Russland hätte seinem Team noch mehr gezeigt, worauf es in der A-Gruppe ankommt, so der 53-Jährige. „Wir wurden gezwungen, mit ihrem Tempo mitzulaufen und schnelle Entscheidungen zu treffen“, sagte Bader. Dass die Übung - speziell gegen einen Gegner vom Kaliber der Russen - nicht immer gelingen kann, sei keine Überraschung: „Weil unsere Spieler das schlichtweg nicht gewohnt sind, gegen solche Mannschaften zu spielen.“ Ein Umstand, den man auch im Vorfeld, egal wie lange die Vorbereitung ist, nicht simulieren könne. „Wir bekommen als Nummer 16 der Weltrangliste keine Spiele gegen Topgegner“, so Bader.

Eisläuferisch, technisch und auch physisch wurden den Österreichern speziell von Russland die Grenzen aufgezeigt. Dazu wird vor dem Tor nicht lange gefackelt, so Goalie David Madlener, der gegen den Olympiasieger seine Feuertaufe bei einer A-WM erhielt. „Sie bekommen die Scheibe und schießen sofort. Das ist bei uns in der Liga anders. Da nehmen sich alle die Scheibe an, und der Goalie hat Zeit, sich herzurichten“, so der 26-jährige Vorarlberger mit einer gehörigen Portion Bewunderung für die „Sbornaja“.

Torszene

APA/AFP/Jonathan Nackstrand

Die Russen, hier Kirill Kaprisow, zeigten den Österreichern Eishockey auf höchstem Niveau vor

Die Weisheit, wonach Fehler auf A-Niveau schneller bestraft werden, bewahrheitete sich sowohl gegen die Schweiz, wo ein Schnitzer beim Wechsel die Niederlage in der Overtime einleitete, als auch gegen Russland. Dazu laufe man zu oft in Konter, sagte auch Stürmer Konstantin Komarek. „Wir waren einfach viel zu naiv, meiner Meinung nach“, so der 25-jährige Wiener, „wir müssen uns im Video anschauen, warum wir in die Konter laufen oder warum wir wechseln, wenn ein Konter läuft. So etwas müssen wir vermeiden.“

Positive Dinge mitnehmen

Am Montag haben die Österreicher spielfrei und damit Zeit, die Fehler der ersten beiden Partien aufzuarbeiten, aber auch Zeit, die positiven Dinge zu analysieren. „Wir müssen uns anpassen, damit wir von diesem höheren Tempo und der höheren Intensität in den nächsten Spielen profitieren können“, sagte Teamchef Bader. Auch für Komarek können die Erfahrungswerte der ersten beiden Partien speziell bei den entscheidenden Aufgaben Goldes wert sein: „Ein Turnier ist eine Lernphase, und zum Glück haben wir die wichtigsten Partien in den letzten drei Spielen. Wir müssen schauen, dass wir die positiven Sachen mitnehmen.“

Russland fertigt Österreich ab

Österreichs Nationalteam hat in seinem zweiten Spiel bei der WM in Dänemark wie befürchtet eine Lehrstunde des Olympiasiegers erhalten. Die Mannschaft kam in Kopenhagen gegen Russland mit 0:7 unter die Räder.

Ein Positivum war laut Komarek das Unterzahlspiel. Denn mit einem Mann weniger hat Österreich bisher noch kein Gegentor erhalten. „Das war sehr gut“, so der letztjährige Schweden-Legionär. Dass man gegen die Schweiz dreimal und gegen die Russen überhaupt nur einmal im Penalty Killing bestehen musste, spricht auch für die Disziplin der Mannschaft. Während Österreicher bei A-Weltmeisterschaften wegen akuter Überforderung mit dem Gegner Stammgäste auf der Strafbank waren, brachte man sich bisher in Kopenhagen noch nicht wirklich selbst in Bedrängnis.

Bevor es am kommenden Freitag und Samstag gegen Frankreich bzw. Weißrussland in die für Österreich entscheidenden Spiele gegen den Abstieg geht, warten am Dienstag und Mittwoch mit der Slowakei und Titelverteidiger Schweden die nächsten Kaliber auf Baders Burschen. Gegen die Slowaken wird erstmals auch Michael Raffl mit von der Partie sein. Der Stürmer der Philadelphia Flyers landete am Sonntagnachmittag in Kopenhagen. Probleme, sich auf die Intensität und das Tempo bei der WM einzustellen, wird der in der National Hockey League (NHL) gestählte Kärntner keine haben.

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