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Sensation in Madrid

Dominic Thiem hat die Sensation geschafft und Rafael Nadal die erste Niederlage auf Sand seit einem Jahr zugefügt. Der 24-Jährige setzte sich am Freitag im Viertelfinale des Masters-1000-Turniers in Madrid überraschend klar mit 7:5 6:3 durch. Im Halbfinale am Samstag trifft Thiem auf Kevin Anderson. Der als Nummer sechs gesetzte Südafrikaner hatte den Serben Dusan Lajovic mit 7:6 (7/3) 3:6 6:3 in die Schranken gewiesen.

Thiem nahm damit auf beeindruckende Weise Revanche: Im Vorjahr hatte er sich Nadal im Madrid-Finale geschlagen geben müssen. Im direkten Duell verkürzte Thiem damit auf 3:6 für den Spanier, der Thiem zuletzt auch im Monaco-Viertelfinale mit 6:2 6:0 bezwungen hatte. Thiem war bis dato auch der Letzte gewesen, der Nadal auf Sand besiegen konnte. Im Mai 2017 behielt er gegen den Spanier im Viertelfinale von Rom mit 6:4 6:3 souverän die Oberhand. Seither hatte Nadal auf seinem Lieblingsbelag 50 Sätze in Folge gewonnen.

Thiem schlägt Nadal

Dominic Thiem hat in Madrid sensationell Rafael Nadal aus dem Turnier geworfen. Der Niederösterreicher besiegte den Spanier in zwei Sätzen und steht damit im Semifinale.

Umso größer war die Freude beim Niederösterreicher, der Nadal zudem vom Thron gestoßen hatte: Ab Montag ist der Schweizer Roger Federer wieder die Nummer eins der Welt. „Um gegen Nadal zu gewinnen, musste ich eine spezielle Leistung erbringen, da reicht es nicht, wenn ich mein normales Tennis spiele“, sagte Thiem im Siegerinterview. Was den Erfolg für ihn besonders speziell macht? „Dass ich den besten Sandplatzspieler aller Zeiten in seiner Heimat auf seinem Lieblingsbelag besiegt habe.“

Packender Schlagabtausch

Anders als in den beiden ersten Partien gegen Federico Delbonis (ARG) und Borna Coric (CRO), als er jeweils rasche Breaks kassierte, startete Thiem gegen Nadal stark. Mit zwei Breakbällen setzte er den Spanier gleich im ersten Game dank präziser Vorhand unter Druck. Nadal brachte seinen Aufschlag ins Trockene, war jedoch gewarnt. Thiem dagegen wirkte bei eigenem Service zunächst souverän und ließ Nadal nicht richtig ins Spiel kommen.

Mit Fortdauer der Partie fand Nadal seinen Rhythmus, die Sicherheit in seinen Schlägen kam zurück. Die Schneid konnte er Thiem aber nicht abkaufen. Das Match verlief im ersten Satz ausgeglichen und auf höchstem Niveau, beide schenkten einander nichts. Die Vorhand blieb Thiems gefährlichste Waffe, der die Rückhand aber um nichts nachstand. Nach 32 Minuten stand es erst 3:3.

Break und promptes Rebreak

Die Vorentscheidung im ersten Satz fiel unmittelbar danach, als Thiem seine insgesamt dritte Breakchance zum 4:3 eiskalt nützte. Thiem jubelte, Nadal wankte. Der große Favorit wirkte plötzlich nicht mehr unantastbar. Während Thiem fokussiert und bei seinen Aufschlaggames konzentriert blieb. Sogar Standing Ovations gab es nach einem packenden Ballwechsel zum 30:30 beim Stand von 5:4 aus der Sicht Thiems.

Für eine kalte Dusche sorgte der bis dahin zweite Doppelfehler, der Nadal plötzlich die Chance zum Rebreak bescherte, die er prompt nützte. Doch selbst davon ließ sich Thiem nicht unterkriegen, er breakte sofort zurück - zur Verwunderung der spanischen Nadal-Fans in Madrid. Diesmal ließ sich Thiem den Vorsprung nicht mehr aus der Hand nehmen. Mit seinem ersten Ass brachte er nach 1:06 Stunden den ersten Durchgang unter Dach und Fach. Für Nadal war es zugleich der erste Satzverlust nach davor 50 gewonnenen Sätzen auf Sand in Serie.

Thiem lässt nicht locker

Spannend ging die Partie weiter. Nadal kämpfte ums Comeback, Thiem um die Sensation, die mit jedem Winner näher rückte. Zu Beginn des zweiten Satzes brachten beide ihre Servicegames noch sicher durch. Zwei Doppelfehler Nadals beim Stand von 1:1 rüttelten aber an dessen Nerven und ermöglichten Thiem zwei Breakbälle. Nadal wehrte beide ab, doch der 31-Jährige wirkte angezählt und musste unmittelbar danach zwei weitere Breakbälle entschärfen. Beim fünften im dritten Game des zweiten Satzes war es um ihn geschehen. Thiem nahm Nadal den Aufschlag ab und stellte auf 2:1.

Rafael Nadal

APA/AFP/Oscar Del Pozo

Nadal fand gegen Thiem diesmal kein Rezept

Gestärkt durch den Vorsprung und wachsendes Selbstvertrauen agierte Thiem weiter auf höchstem Niveau. Selbst zwei Chancen aufs postwendende Rebreak brachten ihn nicht aus der Fassung, er glich aus und spielte das Game zum 3:1 locker nach Hause. Thiems Risiko wurde meist belohnt, aber nicht immer - im zweiten Anlauf schaffte Nadal das Rebreak und stellte auf 3:3. Mit einem Schlag waren der zweite Durchgang und damit auch die Partie wieder völlig offen.

Spannung auf Höhepunkt

Die Spannung war auf dem Siedepunkt. Jedes Games konnte für Thiem zum Schlüsselspiel für den Sieg werden. Tatsächlich packte er wie schon im Satz davor ein Break drauf. Mit einem fulminanten Rückhandschlag hatte er sich zwei Chancen darauf gesichert und dank eines Fehlers von Nadal die erste zum 4:3 verwertet. Zu null gewann er sogar das folgende Servicegame. Nadal wirkte schier hilflos - und gab ein letztes Mal seinen Aufschlag ab: Nach 1:56 Stunden und einem weiteren Vorhandkracher durfte Thiem nach dem zweiten Matchball jubeln.

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