Themenüberblick

„Begeisterung reinbringen“

Nach der verpatzten Olympiasaison gibt es beim ÖSV im Lager der Nordischen mit Mario Stecher und Andreas Felder zwei neue Entscheidungsträger, die die Vorbereitung auf die Heim-WM in Seefeld (19.2. bis 3.3.2019) mit frischen Ideen in Angriff nehmen.

Der 40-jährige Stecher hat den amtsmüden Ernst Vettori als Sportlichen Leiter für Skispringen und Nordische Kombination beerbt, der 56-jährige Felder wechselte nach dem Rücktritt von Heinz Kuttin von den Skisprung-Damen im ÖSV als Cheftrainer zu den Herren.

„Ich glaube nicht, dass es wichtig ist, in die Funktionärsriege frischen Wind zu bringen, sondern den frischen Wind zu den Athleten zu bringen“, erklärte Stecher der APA. „Wir haben sehr viele arrivierte Athleten, besonders jene, die Andi in der Mannschaft hat“, so Stecher mit Blick auf den neuen Coach. „Da musst du es schaffen, dass du wieder Begeisterung reinbringst. Das Feuer und das Leuchten in den Augen wieder siehst. Wenn du das einmal hast und Athleten wieder gerne auf Kurse fahren und in der Gemeinschaft drinnen sind, dann können sie sich wieder gegenseitig motivieren und davon profitieren.“

„Das Umfeld hat sich extrem verändert“

Kuttin hatte bei seinem Abgang von einer Negativspirale gesprochen, die er selbst nicht mehr aufhalten konnte. Sein Nachfolger Felder, der selbst von 1995 bis 1997 schon einmal ÖSV-Herren-Chefcoach war, sieht über 20 Jahre später den Sport selbst nicht so verändert.

Mario Stecher

APA/Helmut Fohringer

Stecher und Felder haben sich für den WM-Winter und danach einiges vorgenommen

„Das Umfeld hat sich extrem verändert. Wenn man bedenkt, mit welchem Apparat die Sportler vergangenes Jahr durch die Gegend gefahren sind: Wir waren damals drei Leute. Kotrainer, Trainer und Masseur. Wir haben nicht einmal einen eigenen Wachsler gehabt. Die Sportart ist immer noch dieselbe. Selbst als ich noch gesprungen bin, da hat sich nicht viel verändert.“

„Es gibt nur Schwarz oder Weiß“

Was für Stecher neu ist, ist die Rolle, Entscheidungen nicht nur für sich selbst zu treffen. „Als Athlet in der Spitze hast du auch Entscheidungen treffen müssen. Da gibt es nur Schwarz oder Weiß - alles, was dazwischen drinnen ist, funktioniert eigentlich nicht. Genauso sehe ich es jetzt auch als Funktionär“, sagte Stecher.

In der Kombination kenne er sich „wirklich extrem gut aus“, schließlich war er mit allen Protagonisten noch selbst aktiv. Christoph Bieler und Co. gelang im Jänner nach schwachen Auftritten zuvor in der Ramsau die Wende. „Der Turnaround ist von Ramsau weg Richtung Olympia geschafft worden, wo wir mit zwei Medaillen sensationell gut waren.“

Teamgeist und ein Schritt zurück

Der gute Teamgeist der Kombinierer könne da durchaus beispielgebend sein. „Gar nicht einmal so aus Athletensicht gesehen, sondern weiter gesponnen auch Richtung Trainer, Serviceleute, Physiotherapeuten - es gehören alle dazu. Jeder ist in dem ganzen Radl gleich viel wert. Der Athlet kann nur gut sein, wenn auch der Physiotherapeut voll und ganz die Schiene mitfährt“, lautet Stechers Credo.

Einig ist sich Stecher mit Felder, dass man die Komplexität des Sports gerade bei den Skispringern wieder etwas vereinfacht, etwas spielerischer macht. „Neu ist, dass wir vielleicht in gewissen Dingen sogar wieder einen Schritt zurück machen. Dass man sich dem Skispringen vielleicht aus einer kindlichen Sichtweise annähert. Es ist nichts Neues, aber für diese Generation ist es sehr wohl etwas Neues“, glaubt der zweifache Familienvater.

Felder sieht es ähnlich. „Man muss immer mit der Zeit gehen, die modernen Sachen ausprobieren, aber alte erfolgreiche Sachen soll man, nur weil sie alt sind, nicht über Bord werfen. Die waren deswegen früher auch gut, weil sie Erfolg gebracht haben. Es ist im Grunde die gleiche Sportart geblieben. Man muss wegspringen und gut fliegen. Es ist vielleicht in den letzten Jahren alles ein bisserl extrem ausgereizt worden, speziell die ganze Materialabstimmung.“

Links: