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„Zittern über 50 Runden“

Der Grand Prix von Monaco am Sonntag wird bei Red Bull als ein ganz besonderes Rennen in die Firmengeschichte eingehen. Denn die Art und Weise, wie Daniel Ricciardo trotz eklatanter Antriebs- und Bremsprobleme ausgerechnet beim 250. GP-Start der „Bullen“ erstmals das prestigeträchtige Rennen in Monte Carlo gewonnen hat, war bemerkenswert.

Vor allem weil man den Australier eigentlich schon aus dem Rennen nehmen wollte, wie Teamchef Christian Horner danach verriet. „Das Team sagte mir, dass wir das Auto in zwei Runden hereinholen und abstellen müssten. Aber wenn du in Monaco führst, gibst du nicht auf“, schilderte Horner die am Ende goldrichtige Entscheidung.

Box hätte Ricciardo-Sieg um Haar verhindert

Ausgelassene Feierstimmung herrschte bei Red Bull Racing nach dem Triumph im 250. Formel-1-Grand-Prix. Um ein Haar hätte die Box den Monaco-Sieg von Daniel Ricciardo wegen technischer Probleme verhindert.

Er lobte aber vor allem die Leistung Ricciardos: „Ich sage euch, wie er damit umgegangen ist, hätte er bei Apollo 13 dabei sein können.“ Horner spielte damit auf die US-Raumfahrtmission aus dem Jahr 1970 an, als nach technischen Problemen auf dem Flug zum Mond das beschädigte Raumfahrzeug sicher auf die Erde zurückgebracht werden konnte.

„Es fühlt sich supergut an“

„Es war das beste Wochenende meiner Karriere. Emotionaler geht es nicht“, sagte Ricciardo nach seinem Triumph und erklärte: „Ich hatte plötzlich weniger Power und konnte nur noch bis zum sechsten Gang schalten. Dass wir uns den Sieg mit diesem angeschlagenen Auto geholt haben, ist unglaublich. Denn wir hatten wegen der Probleme echt Zweifel, ob wir es schaffen. Aber dann haben wir am Funk viel gesprochen, und es ist sich ausgegangen. Es fühlt sich supergut an.“

Daniel Ricciardo

AP/Claude Paris

Nach seinem ersten Sieg im Fürstentum gönnte sich Ricciardo eine verdiente Abkühlung

Plötzlich deutlich weniger Leistung

Durch den Defekt des Energierückgewinnungsteils MGU-K fehlten dem Australier nach den Problemen ab der 28. von 78 Runden rund 160 PS und fast 30 km/h. Zudem stiegen am Wagen die Bremstemperaturen gefährlich an. Nicht nur das Motor-Mapping, auch Ricciardos Fahrstil mussten deshalb umgestellt werden. Mit so einem Auto noch zu gewinnen ist wohl nur in den engen Gassen Monacos, wo es kaum Überholmöglichkeiten gibt, möglich.

„Natürlich hat uns die Strecke in die Hände gespielt. Und man hat gesehen, dass unser Chassis selbst bei einem massiven PS-Verlust sensationell gut ist“, sagte der 28-jährige Australier. „Ich musste viel lupfen, um die Bremsen zu schonen. Jede einzelne Runde ohne weitere Probleme war wie ein kleiner Sieg“, gestand Ricciardo danach. „Ich muss Red Bull und Daniel gratulieren. Sie waren unschlagbar heute“, verbeugte sich selbst der drittplatzierte Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton vor der Leistung.

Verpasster Sieg von 2016 nachgeholt

„Es war Hochspannung und ein Zittern über 50 Runden“, gestand Motorsport-Berater Helmut Marko ein, nachdem man den „Favoritensieg“ an der Cote d’Azur doch noch eingefahren hatte. „Es war eine unglaubliche und reife Leistung von ihm, Ich bin überglücklich“, sagte Horner und fügte hinzu: „Das ist jedenfalls die Vergeltung für 2016.“ Damit erinnerte er daran, dass man bei Red Bull vor zwei Jahren einen sicher scheinenden Ricciardo-Sieg mit einem schlechten Boxenstopp vergeben hatte.

Ricciardo gewinnt GP in Monaco

Daniel Ricciardo hat den 250. Grand Prix seines Rennstalls Red Bull in Monaco gewonnen. Der Australier konnte die Konkurrenz, angeführt von Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, in Schach halten.

Red Bull brachte am Jubiläumswochenende in Monaco drei von vier Autos in die Punkteränge. Der vom letzten Platz gestartete Max Verstappen wurde letztlich Neunter, der starke Pierre Gasly im Toro Rosso Honda sogar Siebenter. Auch der Neuseeländer Brendon Hartley hätte wohl gepunktet, wäre er nicht im Finish von Sauber-Pilot Charles Leclerc abgeschossen worden.

Frustrierte Konkurrenz

Während bei Red Bull die Freude groß war, hielt sich bei der Konkurrenz die Begeisterung über das bis auf Ricciardos Probleme ereignisarme Rennen - die Top Sechs kamen nach der Startaufstellung ins Ziel - in Grenzen. So sprach der nach einem technischen Problem ausgeschiedene Fernando Alonso vom „langweiligsten Rennen überhaupt“.

Auch Hamilton erklärte, es seien seine „78 längsten Runden“ gewesen und schlug eine Änderung im Reglement vor. „Die Formel 1 muss hier eine andere Herangehensweise finden. Zum Beispiel sollte es kein Ein-Stopp-Rennen sein.“ Als TV-Zuschauer wäre er auf dem Sofa eingeschlafen, sagte der Brite. „Es war verrückt, wie wenig ich gepusht habe. Ich war zehn Sekunden hinten und in einer Zwickmühle. In meinem Herzen wollte ich das Rennen gewinnen, aber das Team hat gesagt, ich soll das Auto sicher ins Ziel bringen.“ Auch der zweitplatzierte Ferrari-Star Sebastian Vettel wirkte mürrisch: „Daniel war trotz aller Probleme schneller als wir.“

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