Themenüberblick

Hartberger sind „überglücklich“

Die Präsidentin des TSV Hartberg hat sich am Mittwoch in einer Reaktion höchst erfreut über die letztlich positive Lizenzentscheidung für die tipico-Bundesliga gezeigt. „Wir sind überglücklich. Wir haben die letzten Monate sehr hart dafür gearbeitet, alle Anforderungen zu erfüllen“, sagte Brigitte Annerl. Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) sprach von einer „Ohrfeige“ für den Club aus seiner Stadt.

„Wir haben etwas Großartiges erreicht, was uns sehr stolz macht“, ergänzte Annerl. Die Clubchefin bedankte sich in einer Aussendung bei der Mannschaft, „dem Land Steiermark mit Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der Stadtgemeinde Hartberg, unseren Sponsoren und natürlich unseren treuen Fans“.

Kritik an Lizenz für Hartberg

Die Präsidentin des TSV Hartberg hat sich in einer Reaktion erfreut über die positive Lizenzentscheidung für die Bundesliga gezeigt. Wiener Neustadts Bürgermeister sprach von einer „Ohrfeige“ für den Club aus seiner Stadt.

Für die Clubverantwortlichen beginnt jetzt eine intensive Phase, steht das Team nach dem Abgang von Christian Ilzer doch ohne Trainer da. Auch einige Spieler dürften den Verein verlassen. Gearbeitet werde bereits am Stadion. Zu Wochenbeginn startete der Umbau sowie die Sanierung des Rasens, teilte der Verein mit.

„Entscheidung nicht nachvollziehbar“

Verständlicherweise gar nicht erfreut war man in Wiener Neustadt ob der Entscheidung des Ständigen Neutralen Schiedsgerichts. Bei Nichterteilung der Lizenz, und danach hatte es nach zwei Instanzen der Bundesliga-Gerichtsbarkeit zunächst ausgesehen, wäre der SC Wr. Neustadt der erste Profiteur gewesen und direkt aufgestiegen. So muss der Club in die Relegation gegen den Bundesliga-Letzten SKN St. Pölten.

Hamdi Salihi (Wiener Neustadt)

GEPA/Christian Ort

Wiener Neustadts Spieler müssen nun doch in der Relegation gegen St. Pölten um den Aufstieg kämpfen

„Die heute getroffene Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar und stellt eine Ohrfeige für den SC Wiener Neustadt sowie für die Anstrengungen der Stadt Wiener Neustadt dar, die Ligakriterien zu erfüllen“, verlautete Bürgermeister Schneeberger. „Insbesondere die Spieler und der engagierte Vereinsvorstand haben sich diese Vorgangsweise nicht verdient.“

„So wird Lizenzvergabe zur Farce“

Niederösterreichs Sportlandesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) äußerte sich ebenfalls kritisch zur Lizenzvergabe an Hartberg. Die Entscheidung stelle den gesamten Lizenzierungsprozess infrage. „Zuerst die Bedingungen nicht erfüllen und erst nach zwei negativen Entscheidungen seinen Verpflichtungen nachkommen - damit wird die Lizenzvergabe zu einer Farce“, wurde Bohuslav in einer Aussendung ihres Büros zitiert.

Leidtragende seien engagierte Funktionäre, Spieler und Fans jener Vereine, die sich an die Lizenzvorgaben der Bundesliga zeitgerecht halten und im Vorfeld hart dafür arbeiten würden, so Bohuslav. Auch der Zeitpunkt der Entscheidung sei äußerst problematisch: „Erst wenige Stunden vor den wichtigen Relegationsspielen Klarheit zu schaffen, ist bedenklich.“ Aus sportlicher Sicht und aus Sicht der Fans könne man nur hoffen, dass die Bundesliga und die zuständigen Gremien aus der Geschichte lernen.

An der Grenze zur Posse

„Man muss Hartberg gratulieren. Sie steigen verdient in die Bundesliga auf. Der Weg, den sie gegangen sind, hat sich gelohnt“, gratulierte Wiener-Neustadt-Sportdirektor Andreas Schicker fair. „Der dritte Platz steht für Relegation. Das ist einfach so. So wie es passiert ist, dass die Entscheidung nicht vor dem letzten Spiel festgestanden ist, darüber muss man sich schon Gedanken machen. Das muss man schon hinterfragen“, ergänzte er. Über etwaige rechtliche Schritte werde man im Verein eventuell später beraten. „Wir haben den Fokus ganz klar auf die zwei Spiele.“

Beim Gegner St. Pölten fand man deutlichere Worte. „Was jetzt passiert ist, hat uns an die Grenze einer Posse geführt. Das ist für alle beteiligten Vereine natürlich eine Katastrophe“, sagte Interimspräsident Helmut Schwarzl am Mittwoch bei einem Medientermin. „Die Bundesliga hat uns gesagt, die Chance liegt bei circa zehn Prozent, dass Hartberg die Lizenz kriegt.“

General Manager Andreas Blumauer stieß nach. „Wir haben schon die Zeichen bekommen, dass wir die Relegation nicht spielen müssen. Natürlich ist die Relegation sportlich gerechtfertigt, aber wirtschaftlich ist es schwierig, ein so kurzfristig angesetztes Spiel zu vermarkten“, führte er aus.

Auch Bundesliga überrascht

Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits zeigte sich auch überrascht, „dass das Ständige Neutrale Schiedsgericht entgegen bisherigen vergleichbaren Fällen auch durch die Berücksichtigung zusätzlicher Erklärungen durch den Club anders als die bundesligainternen Gremien entschieden hat. Wir warten die genauen Inhalte des schriftlichen Urteils ab und werden dann mit den Clubs notwendige Bestimmungsänderungen evaluieren“, sagte Herovits.

Das Schiedsgericht hatte den Fristverzug von Hartberg hinsichtlich der Ausgliederung des Spielbetriebs bis 15. März 2018 – anders als der Senat 5 und das Protestkomitee - als „verbesserungsfähiges Kriterium“ gewertet. Aus Sicht des Schiedsgerichts war die rückwirkende Ausgliederung zum 15. März 2018 in eine Kapitalgesellschaft als ausreichend erachtet worden.

Sportliche Entscheidung am Sonntag

Die Relegation zwischen Bundesliga-Schlusslicht SKN St. Pölten und dem Erste-Liga-Dritten Wiener Neustadt findet am Donnerstag (18.30 Uhr in Wiener Neustadt) und Sonntag (15.30 Uhr in St. Pölten) statt. Der Austragungsmodus der Relegation erfolgt analog zu K.-o.-Duellen im Europacup. Haben beide Mannschaften nach Hin- und Rückspiel gleich viele Tore erzielt, zählt die Auswärtstorregel. Gibt es diesbezüglich keinen Vorteil, wird eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten und, sofern notwendig, auch ein Elfmeterschießen ausgetragen.

Links: