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Top 15 bei EM das Ziel

Zuerst keine Halle, dann zwischenzeitlich wegen Erkrankung auch keine Trainerin mehr: Nicol Ruprecht hat schwierige Monate hinter sich. In der Südstadt fand Österreichs beste Rhythmische Gymnastikerin eine neue Heimat. Trainerin Luchia Egermann ist ebenfalls genesen und steht ihr wieder zur Seite.

Bei der EM von Freitag bis Sonntag in Guadalajara (ESP) peilt die 25-jährige Tirolerin einen Top-15-Platz im Mehrkampf an. Im Herbst des vergangenen Jahres musste Österreichs Gymnastiknationalteam die Halle in den ehemaligen Filmstudios am Wiener Rosenhügel räumen, für den Österreichische Turnverband (ÖFT) war sie nach einer Erhöhung des Beitrages zu den Betriebskosten nicht mehr finanzierbar.

Trainingsbedingungen nicht ideal

Hallen-Ausweichmöglichkeiten gab es, aber freilich kaum mit Erfüllung der Kriterien mit zumindest 30 mal 15 Meter Größe, elf Meter Höhe und geeignetem Bodenbelag. Vier Monate im Dusika-Stadion auf Kunstturnteppich folgten, keine optimalen Bedingungen also. Die Südstadt ist eine deutliche Verbesserung, auch wenn der Unterboden und damit die Federung fehlen, was bei Sprüngen auf die Gelenke geht. Dazu ist die Zeit in der Halle knapp bemessen und bei Veranstaltungen oft tagelang kein Training möglich.

Die rhythmische Gymnastin Nicol Ruprecht

GEPA/Mario Kneisl

Nicol Ruprecht hat eine besonders schwierige Phase ihrer Karriere hinter sich und will bei der EM aufzeigen

„Die Halle ist ganz okay. Aber leider haben wir sie nur auf Stundenbasis. Das ist manchmal ein bisschen mühsam, denn je nach Tagesverfassung würde ich auch gerne mal sechs Stunden trainieren. Wenn ich dann nach vier rausmuss, habe ich innerlich ein schlechtes Gefühl. Da muss man jetzt halt viel mental aufarbeiten, und da bin ich jetzt dabei“, sagte Ruprecht zur APA.

Ein Unglück kommt selten allein

Die Olympia-20. hatte in den vergangenen zwölf Monaten wahrlich einiges zu bewältigen. 2017 blickte sie voll Vorfreude auf die WM im August in Pesaro. Nach einem beim Keulentraining erlittenen Fingerbruch musste sie jedoch mit dem Handicap eines geschienten linken Zeigefingers antreten, deutlich schwerer wog aber das Fehlen der erkrankten Egermann. Trotzdem erreichte sie das Mehrkampffinale und Rang 23.

Es folgten das Hallen-Dilemma und ein Bandscheibenvorfall zu Beginn des Jahres, der mit Therapie, Massagen und Glück ohne Operation ausgeheilt wurde, sowie über den gesamten Zeitraum bis März 2018 das Fehlen ihrer Trainerin. „Da musste ich viel Eigeninitiative zeigen. Aber nach jedem Down geht es dann irgendwann wieder rauf, ich bin ganz positiv.“

Manchmal stand ihr die frühere Topathletin Caroline Weber zur Seite. „Aber sie ist für mich wie eine Freundin, wir haben ewig lange gemeinsam trainiert. Das ist dann doch was anderes, als wenn meine Trainerin da sitzt und mich pusht.“ Trotz aller Begleitumstände ist Ruprecht „sehr zufrieden“ mit ihrer EM-Vorbereitung.

Mit neuem Schwung und flotter Musik

Beim Grand Prix von Israel stellte sie kürzlich mit dem Reifen persönliche Bestleistung auf (17,350 Punkte) und wurde Achte. „Die Reifenwertung war bombastisch. Es heißt jetzt bei der EM angreifen, ich will unter die Top 15.“ Die Choreografie zur Musik der „Carmina Burana“ und ihr Können sind ein Garant für hohe Bewertungen. Neu ist ihre Band-Kür, auch bei den anderen Geräten hat sie in den Übungen Elemente mit höherer Schwierigkeit eingebaut.

Ziel ist die Qualifikation für die Sommerspiele 2020 in Tokio. „Es kommt mir vor, als ob ich gerade vor zwei Wochen aus Rio heimgekommen wäre. Und nächstes Jahr ist bereits die erste Quali für Tokio.“ Bei der WM 2019 qualifizieren sich die Top 15 des Mehrkampfes für Japan, die Startplätze 16 bis 24 werden über Weltcups und die EM 2020 vergeben. Neben Ruprecht im Einzelmehrkampf ist Österreich in Guadalajara auch mit der Nationalgruppe und einem Juniorinnen-Team vertreten.

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