„Wir haben unsere Waffen“
Die Rollen scheinen vor dem Auftaktspiel der Gruppe D bei der Fußball-WM in Russland klar verteilt: Auf der einen Seite Großmacht Argentinien, Vizeweltmeister und Team von Superstar Lionel Messi, auf der anderen WM-Neuling Island. Doch die „Albiceleste“ stellt sich gegen die körperlich robusten Isländer auf ein mögliches Geduldsspiel ein. Die Turniervorbereitung lief bei beiden nicht nach Wunsch.
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„Sie verteidigen mit zwei Blöcken, stehen sehr eng, es wird sehr schwer, da durchzukommen“, prophezeite Torhüter Wilfredo Caballero, der mit 36 Jahren sein WM-Debüt geben dürfte. Die argentinische Mannschaft werde am Samstag (15.00 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) im Spartak-Stadion von Moskau alles aufbieten müssen, um die körperlich starken Isländer zu attackieren, meinte der Ersatzkeeper von Chelsea, versicherte aber auch: „Wir haben unsere Waffen.“
Messi soll Titelflaute beenden
Die Südamerikaner werden dabei auf ihre spielerischen Vorteile und ihre Wendigkeit zurückgreifen. Einer davon vollendet beides beinahe in Perfektion: Lionel Messi. Der Weltstar vom FC Barcelona soll das stolze Argentinien endlich zum dritten Weltmeistertitel (nach 1978 und 1986) in der Geschichte des Landes führen. Zusätzliche Hoffnung ruhen auf Sergio Aguero. Die Kniebeschwerden des Manchester-City-Stürmers, der als bester Freund von Messi im Kader gilt, sind abgeklungen.
Gruppe D, 1. Spieltag
Samstag, 15.00 Uhr:
Argentinien - Island
Moskau, Spartak-Stadion, SR Marciniak (POL)
Mögliche Aufstellungen:
Argentinien: Caballero - Salvio, Otamendi, Rojo, Tagliafico - Mascherano, Biglia - Meza, Messi, Di Maria - Aguero
Island: Halldorsson - Eyjolfsson, Arnason, R. Sigurdsson, Skulason - Gudmundsson, G. Sigurdsson, Hallfredsson, Bjarnason - Finnbogason, Sigurdarson
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Sollte Trainer Jorge Sampaoli, der bisher des Öfteren System und Spieler wechselte, auf den klein gewachsenen Aguero (1,72 Meter) setzen, ist für Mittelstürmer Gonzalo Higuain (1,86 m) gegen die Isländer, welche im gesamten Kader nur drei Spieler unter 1,80 m Körpergröße haben, voraussichtlich kein Platz in der Startaufstellung. Aguero kann zudem auf eine blendende Russland-Bilanz blicken, wie südamerikanische Medien beinahe euphorisch erinnerten: Fünf Partien auf russischem Boden endeten mit sieben Toren des 30-Jährigen.
Island will „bis zum Ende kämpfen“
Island wird sich mit voller Wucht und seinem ganzen kulturellen Erbe dagegen stemmen. „Sobald wir auf den Platz gehen, sind wir Wikinger und kämpfen bis zum Ende. Unsere Mentalität ist das Größte, was wir haben. Wir haben vor niemanden Angst“, sagte Ersatztorhüter Runar Alex Runarsson. Mit den Erinnerungen an den sensationellen Sieg gegen England im Achtelfinale bei der EM 2016 soll der nächste Favorit fallen. Runarsson, der Sohn von Islands Rekordnationalspieler Runar Kristinsson: „Auf dem Papier sind sie das bessere Team. Aber wir haben in Frankreich gezeigt, dass wir jeden schlagen können. Das werden wir wieder tun.“
Ein Patentrezept gegen den fünfmaligen Weltfußballer Messi fällt Islands Teamchef Heimir Hallgrimsson jedoch nicht ein. „Ich habe keine magische Formel gegen ihn. Jeder hat alles gegen ihn versucht. Er ist einer der besten Spieler der Welt. Wir werden es zusammen versuchen, als Team“, sagte der 51-Jährige, der dennoch nicht verstehen kann, warum sich alles um den Superstar des FC Barcelona dreht: „Das Team ist voller guter Spieler. Sie haben zu viele gute Spieler, um sie alle aufzuzählen.“
„Spiel des Lebens“ vielleicht nicht genug
Hallgrimsson sieht sein Team gegen den WM-Zweiten von 2014 als klaren Außenseiter. „Wir können das beste Spiel unseres Lebens haben - und trotzdem verlieren. Das ist die Realität von Island“, sagte Hallgrimsson. Kapitän Aron Gunnarsson betonte: „Es wird ein schwieriges Spiel morgen. Aber wir haben nichts zu verlieren." Gegen England und Portugal hatten die Isländer vor zwei Jahren bei der EM bewiesen, dass sie auch großen Fußballnationen Paroli bieten können.
Experten gehen davon aus, dass Argentinien im 4-2-3-1-System auflaufen wird. In den bisherigen elf Partien seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr wechselte Sampaoli immer wieder die taktische Ausrichtung und die Aufstellung. Es wird im Turnierverlauf auch am 58-Jährigen liegen, die mannschaftliche Abhängigkeit von Messi zu verringern. Lediglich 19 Tore gelangen dem Team in der Qualifikation, wobei Messi sieben davon erzielte. Von den neun Konkurrenten traf nur Bolivien (16) weniger oft.
Durchwachsene WM-Vorbereitung
Die finale Vorbereitung lief nicht wie geplant, die Generalprobe in Jerusalem gegen Israel wurde kurzfristig abgesagt. Doch auch bei Island, wo Schlüsselspieler Gylfi Sigurdsson im Frühjahr lange aufgrund einer Knieverletzung passen musste, stimmen die jüngsten Ergebnisse nicht: Die Mannschaft von Hallgrimsson ist seit vier Spielen sieglos. Gegen Mexiko, Peru und Norwegen setzte es jeweils eine Niederlage.
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