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Portugiese will Portugal wehtun

Glanzvoll war speziell der letzte Auftritt Portugals nicht. Das magere 1:0 gegen Marokko brachte dem Europameister bei der Fußball-WM in Russland zwar die ersten drei Punkte ein, zeigte allerdings auch die Abhängigkeit von Superstar Cristiano Ronaldo auf. Außenseiter Iran rechnet sich deshalb im entscheidenden Gruppenspiel am Montag (20.00 Uhr, live in ORF eins, im ORF.at-Liveticker und im Livestream) einiges aus.

„Die Wahrheit ist, dass wir vier Punkte haben“, betonte Ruben Dias. Zu verdanken haben der Verteidiger von Benfica Lissabon und seine Kollegen das allerdings in erster Linie ihrem Kapitän und Anführer. Ronaldo erzielte beim 3:3 gegen Spanien und beim mühsamen 1:0 gegen Marokko alle Tore. So richtig in Tritt kam beim Europameister außer Ronaldo bisher niemand.

Dias, Ronaldo

Reuters/Sergei Karpukhin

Gute Stimmung herrscht im Training bei Verteidiger Ruben Dias und Teamkollegen Cristiano Ronaldo

Natürlich spüren das auch die Spieler. „Es gibt diese latente Angst, weil wir als Europameister bei einer Weltmeisterschaft natürlich so weit wie möglich kommen wollen“, gestand Dias.

Mit Kritik mussten die Portugiesen schon beim EM-Triumph vor zwei Jahren leben. Damals gewannen sie auf dem Weg zum Titel nur ein Spiel in der regulären Spielzeit. In der Gruppenphase waren sie dreimal nicht über ein Remis hinausgekommen, darunter auch ein 0:0 gegen Österreich. Einzig im Halbfinale reichte es gegen Wales zu einem 2:0 nach 90 Minuten. Das Finale gegen Gastgeber Frankreich entschied Portugal nach Verlängerung mit 1:0 für sich.

Gruppe B, dritter Spieltag

Montag, 20.00 Uhr:

Live in ORF eins und im Livestream

Iran - Portugal

Saransk, Mordowia-Arena, SR Caceres (PAR)

Mögliche Aufstellungen:

Iran: Beiranvand - Resaeian, Pouraligandschi, Hosseini, Hadschsafi - Taremi, Ebrahimi, Essatolahi, Amiri - Dschahanbachsch, Asmun

Portugal: Rui Patricio - Cedric, Pepe, Fonte, Guerreiro - Andre Silva, W. Carvalho, Adrien Silva, J. Mario - Quaresma, Ronaldo

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Selbstvertrauen steigt

Deshalb seien seine Befürchtungen, so Dias, auch relativ. „Manchmal laufen die Dinge zu Beginn nicht wie erwünscht. Aber im Laufe des Bewerbs wird es besser und man gewinnt an Selbstvertrauen.“ Solange Portugal aber im Hochfahrmodus ist, ist das Team verwundbar.

Wer wüsste das besser, als Irans Teamchef Carlos Queiroz? Der in Mosambik geborene Portugiese führte sein Heimatland zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und will mit dem Iran Ronaldo und Co. „ärgern und sie da treffen, wo es wehtut“. Der impulsive 65-Jährige schoss sich bereits am Wochenende auf den Gegner ein.

„Portugal hat eine Nationalmannschaft namens Ronaldo und ein Grüppchen von Spielern, die ihm hinterherlaufen.“ Während den Portugiesen bereits ein Remis zum Aufstieg reichen würde, benötigt der Iran einen Sieg. Im Falle eines Unentschiedens wäre Schützenhilfe von Marokko im Parallelspiel gegen das bei vier Punkten haltende Spanien nötig.

Trainer Carlos Qeiroz mit Spielern

APA/AFP/Jack Guez

Irans Teamchef Carlos Queiroz kennt als Portugiese die Schwächen der Gegner

„Es wird nicht einfach“

„Einfach wird es sicherlich nicht, aber um es einfach zu haben, hätten wir auch alle zu Hause bleiben können“, sagte Queiroz. „Unsere Spieler sind alle fit, und wir werden mit der bestmöglichen Mannschaft ins Spiel gehen.“ Offensivspieler Karim Ansarifard sieht wiederum Queiroz als womöglich entscheidenden Faktor: „Er ist dort geboren, er hat dort gearbeitet, er kennt das Team besser als jeder andere.“

Queiroz, ein Weltenbummler, der bisher unter anderem in den USA, Japan, Südafrika, in England bei Manchester United und in Spanien bei Real Madrid sein Lager aufgeschlagen hat, könnte mit dem Iran Historisches schaffen: Noch nie überstanden die Perser die Gruppenphase bei einer WM. Der Trainer ist guter Dinge: „Bei dieser WM ist eins klar geworden: Es gibt keine unschlagbaren Mannschaften.“

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