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Helferrolle mit Freiheiten

Radrennen sind ein Mannschaftssport, die Nummer eins im Team wäre ohne Unterstützung meist chancenlos. In einer dreiwöchigen Rundfahrt sind die Topfahrer mehr denn je auf Helfer angewiesen. So wird auch die Arbeit der Österreicher Michael Gogl, Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger für ihre Kapitäne bei der am Samstag startenden 105. Tour de France enorm geschätzt.

Der Oberösterreicher Gogl wird beim zweiten Frankreich-Einsatz im Trek-Trikot vor allem den Niederländer Bauke Mollema auf dessen Weg zu einem angepeilten Spitzenplatz unterstützen. Mühlberger und Pöstlberger sollen sich bei ihrem Debüt in der wichtigsten Rundfahrt der Welt im Bora-Team in den Dienst von Rafal Majka in den Bergen bzw. von Weltmeister Peter Sagan stellen. Doch alle drei könnten auf einzelnen Etappen auch selbst eine Chance bekommen.

Im Meistertrikot durch Frankreich

Der frisch gekürte österreichische Straßenmeister Pöstlberger war im Vorjahr mit einem sensationellen Etappensieg und dem Gewinn des Rosa Trikots in den 100. Giro d’Italia, seine erste dreiwöchige Rundfahrt, gestartet. Seine Vorfreude auf das Frankreich-Debüt ist groß. „Ich bin sicher, dass ich meine erste Tour niemals vergessen werde“, sagte der 26-jährige Oberösterreicher vor dem Auftakt der „Großen Schleife“ auf der Insel Noirmoutier in der Region Vendee.

Den heurigen Giro hatte er nach einer vorangegangenen Erkrankung verpasst, die Teilnahme an der 105. Tour ist aber mehr als eine Entschädigung. „Die Mythen um die Tour sind respekteinflößend, aber ich bin bereit, die letzten Wochen waren vielversprechend“, betonte Pöstlberger. Seine Qualitäten wird er bei den erwarteten Windkanten an den ersten Tagen an der Küste und auch auf dem Kopfsteinpflaster der neunten Etappe nach Roubaix zur Geltung bringen.

„Ich werde mein Bestes für das Team geben, egal auf welchem Terrain“, sagte der Schwanenstädter. Davon profitieren soll auch Superstar Sagan, der zum sechsten Mal das Punktetrikot erobern will und nach der Disqualifikation im Vorjahr seinem neunten Etappensieg nachjagt.

Tour-Debütant mit Erfahrung

Sein Teamkollege Mühlberger absolviert mit 24 Jahren schon seine dritte große Tour nach Vuelta 2016 und Giro 2017. „Ich habe mich gut weiterentwickelt, auch dank des Giro geht es ständig bergauf“, sagte der Niederösterreicher. Seine Karriere ist vorsichtig geplant, zwischen Renneinsätzen bleibt genügend Zeit für Training und Regeneration. Vor der Tour hat der ÖRV-Meister von 2017 in der Sierra Nevada und oberhalb von Lienz zwei Höhentrainingslager absolviert.

Die Erfahrungen der Vorjahre helfen beim Tour-Debüt. „Nicht schon beim Start in Hochform sein, damit man in der letzten Woche noch frischer ist“, nannte der Gewinner von Rund um Köln 2017 eine Voraussetzung. Bei der Tour werden seine Dienste für Majka ab der zehnten Etappe, der ersten in den Alpen, besonders gefragt sein. Majka soll einen Top-Fünf-Platz in der Gesamtwertung einfahren. „Ich hoffe, dass ich ihn gut unterstützen kann“, meinte Mühlberger, der seinen Vertrag beim deutschen Rennstall verlängern möchte. „Aber wenn es für ihn nicht so gut läuft, bekomme ich sicher auch eine Chance.“

„Letzte Tour war sehr speziell“

Gogl musste den Beinamen „Tour der Leiden“ bei seinem Debüt im Vorjahr am eigenen Leib verspüren. Trotz eines Bruchs des Sitzknochens bei einem Sturz auf der elften Etappe kämpfte er sich bis Paris, hatte großen Anteil am Etappensieg Mollemas (15. Teilstück) und arbeitete für Alberto Contador. „Die letzte Tour war sehr speziell“, erinnerte sich der Profi aus Wolfsegg.

Bei der jüngsten Tour de Suisse hat der Allrounder auch in den Bergen seine Stärke bewiesen. „Es ist mein Glück, dass ich auf jedem Terrain Stärken habe“, meinte Gogl selbstbewusst. Auch bei der Fahrerpräsentation von Trek wurde abseits der Helferrolle auf die mögliche Chance Gogls in einer Ausreißergruppe hingewiesen.

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