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Uruguay hofft auf Cavanis Genesung

Acht von 32 Teams sind bei der Fußball-WM in Russland noch im Rennen um die goldene Trophäe. Am Freitag und Samstag wird das Teilnehmerfeld in den Viertelfinal-Spielen erneut halbiert. Vor der Runde der besten acht müssen sich fast alle verbliebenen Mannschaften mit Personalfragen herumschlagen. Die wichtigste Personalie beschäftigt dabei Uruguay.

Seit 14. Juni läuft die 21. Endrunde einer Weltmeisterschaft in Russland. Die bisherigen Spiele - von den verbliebenen Teams hat jedes vor dem Viertelfinale vier in den Beinen - forderten wenig überraschend ihren Tribut. Nicht nur Blessuren, sondern auch Verwarnungen und damit verbundene Sperren bringen die Personalplanung der Teamchefs etwas durcheinander.

Alles schaut auf Cavanis Wade

Die Frage, die speziell Oscar Tabarez und sein Gegenüber Didier Deschamps vor dem Viertelfinal-Schlager Uruguay gegen Frankreich am Freitag (16.00 Uhr MESZ) in Nischni Nowgorod beschäftigt, ist, ob Edinson Cavani bei den „Urus“ spielen kann oder nicht. Der Torjäger, der Portugal mit zwei Treffern fast im Alleingang in den Urlaub beförderte, laboriert an einer Verletzung des Wadenmuskels. Der 31-Jährige konnte seit dem Achtelfinale nicht mehr trainieren. Sollte Cavani ausfallen, würde die Erwartungshaltung, ein Tor zu schießen, alleine auf den Schultern von Luis Suarez liegen.

Cristiano Ronaldo hilft Edinson Cavani

Reuters/Jorge Silva

Cavani (r.) musste nach seiner Verletzung sogar von Portugals Superstar Cristiano Ronaldo gestützt werden

Mit nur einem der beiden Superstars im Sturm gab es für Uruguay in der Vergangenheit kaum etwas zu holen. Im WM-Auftaktspiel 2010 - ausgerechnet gegen Frankreich saß Cavani auf der Bank, am Ende stand ein 0:0. Im Halbfinale fehlte Suarez gesperrt, Uruguay verlor mit 2:3 gegen die Niederlande. 2014 gegen Costa Rica und im Achtelfinale gegen Kolumbien war Suarez jeweils nicht dabei - einmal angeschlagen, einmal wegen seiner Beißattacke gesperrt. Beide Spiele gingen verloren. „Das uruguayische Dilemma“, titelte „El Observador“. „Wenn der eine fehlt, ist der andere verloren.“

„Es ist kompliziert“

Cavanis Sturmpartner Suarez ist sich der Situation bewusst. „Jeder weiß, welche Bedeutung er hat“, sagte der Barcelona-Star, machte sich aber über einen Einsatz Cavanis keine Illusionen: „Es ist kompliziert, weil es nicht einfach ist, eine Verletzung zu haben“, sagte Suarez über den Gesundheitszustand seines Sturmpartners. „Dass er nur wenige Tage Zeit hat, könnte die Genesung noch schwieriger machen. Der Wunsch und die Anstrengungen sind da, aber es hängt nicht nur von ihm ab“, so Suarez.

Frankreichs Teamchef Deschamps wird jedoch gut beraten sein, seine Equipe auf beide Sturmtanks einzustellen. Der Weltmeister von 1998 muss aber selbst einen wichtigen Spieler vorgeben, allerdings nicht aufgrund einer Verletzung, sondern wegen einer Sperre. Blaise Matuidi sah gegen Argentinien seine zweite Gelbe Karte im Turnier und gibt im Viertelfinale nur den Zuschauer. Dafür gab es bei Djibril Sidibe, der nach dem Training am Sonntag vom Platz gehumpelt war, Entwarnung. „Es ist nichts Ernstes“, sagte Assistenztrainer Guy Stephan.

Gelb-Sperren für Schlüsselspieler

Eine Gelb-Sperre zwingt auch Brasiliens Teamchef Tite vor dem Duell mit Belgien am Freitag in Kasan (20.00 Uhr MESZ) zu einer Umstellung. Casemiro, heuer mit Real Madrid Champions-League-Sieger, muss gegen die „Roten Teufel“ nach zwei Verwarnungen zusehen. Dafür hat Tite aber zwei andere Spieler wieder zur Verfügung. Linksverteidiger Marcelo (Hexenschuss) und Flügelstürmer Douglas Costa (Oberschenkel) stehen der „Selecao“ sehr wahrscheinlich wieder zur Verfügung.

Mikael Lustig erhält Gelbe Karte

Reuters/Damir Sagolj

Mikael Lustig (r.) wollte den Schweizer Xhaka provozieren und bekam dafür selbst die Rechnung präsentiert

Apropos Sperre: Eine solche fasste nach seiner Gelben Karte gegen die Schweiz auch Mikael Lustig für den Viertelfinal-Showdown mit England am Samstag (16.00 Uhr) in Samara aus. Der Rechtsverteidiger schoss sich mit der Verwarnung ein richtiges Eigentor. Lustig hatte vor dem Achtelfinale angekündigt, den als Hitzkopf bekannten Schweizer Granit Xhaka bis zum Platzverweis zu provozieren. Der Plan ging jedoch schief. Lustig wird im Viertelfinale fehlen. Für seine ungeschickte Wortwahl entschuldigte er sich aber wenigstens nach der Partie bei Xhaka.

Kroatien bangt um Kovacic

Kroatien bangt vor dem WM-Viertelfinale gegen Gastgeber Russland am Samstag in Sotschi (20.00 Uhr MESZ) um den Einsatz von Mateo Kovacic. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid musste sich nach der Partie gegen Dänemark (3:2 im Elfmeterschießen) einem MRT an seiner verletzten rechten Schulter unterziehen. „Seine Schulter tut sehr weh, und er verdient Respekt, weil er mit einer wirklich schweren Verletzung gespielt hat“, sagte Trainer Zlatko Dalic. Kovacic war in der 71. Minute gegen Dänemark eingewechselt worden und hatte sich die Blessur kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit zugezogen.

Auch bei den Russen ist ein routinierter Spieler angeschlagen. Alexander Samedow trainierte am Dienstag nur individuell und nicht mit der Mannschaft. Die Maßnahme sei nach Analyse des Fitnesstests erfolgt, hieß es vonseiten der „Sbornaja“. Ob mit oder ohne Samedow, die Russen, denen im Vorfeld niemand einen Platz im Viertelfinale zugetraut hatte, haben sich mit ihren bisherigen Leistungen Respekt erarbeitet. „Das wird ein heißes Spiel in Sotschi. Keiner wird uns dort mögen“, sagte der kroatische Teamchef Dalic. „Es wird ein großer Test für uns.“

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