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Extremisten in allen Vereinen

Die Begegnungen in der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation zwischen Rapid und Slovan Bratislava gelten als Hochrisikospiele. Die slowakischen Behörden teilten den Grün-Weißen bereits mit, dass Ansammlungen von Rapid-Fans am Donnerstag (21.05 Uhr, live in ORF eins) in der Innenstadt von Bratislava nicht geduldet werden. Doch warum wirft gerade dieses Spiel gewalttätige Schatten voraus?

Im Juli 2007 war es im Zuge des UI-Cup-Hinspiels der zweiten Runde in Wien zu Ausschreitungen von Anhängern der Slowaken gekommen. 2.000 Slovan-Fans waren zum Match ins damalige Hanappi-Stadion angereist. Auf dem Weg zum Spiel kam es in Wien immer wieder Vandalenakten, auch unmittelbar vor dem Spiel wüteten Slovan-Hooligans in Hütteldorf.

Im Stadion musste die Polizei dann in der 23. Minute den Sektor der Gästefans stürmen, weil diese versucht hatten, den Absperrzaun zur Nordtribüne niederzureißen. Beim Rückspiel eine Woche später blieben zwar vor dem Spiel und während der Begegnung gröbere Zwischenfälle aus. Dennoch hatten Slovan-Ultras zeitweise einen Teil der Haupttribüne besetzt, und die Polizei war im Finish im Sektor der rund 700 Rapid-Fans zu sehen.

Verbotener Austria-Fanclub in Slowakei aktiv

Elf Jahre später erhält die Partie jedoch auch dadurch Brisanz, dass rechtsextreme Anhänger der Wiener Austria mit den Slovan-Fans eng verbunden sind. Der Journalist Michael Bonvalot untersuchte in den vergangenen Jahren die Verbindungen des mittlerweile wegen seiner Nähe zum Neonazismus aus dem Austria-Stadion verbannten Fanclubs „Unsterblich“ (Ust) zum Anhang von Slovan Bratislava und stellte fest, dass weiterhin Verbindungen bestehen - mehr dazu in fm4.orf.at.

"Fans" im Stadion

GEPA/Christian Ort

Im eigenen Stadion hat der Fanclub Hausverbot, in anderen Stadien, wie hier 2016 in Rom, ist der Banner jedoch zu sehen

Ust-Mitglieder würden verstärkt auf Spiele von Slovan ausweichen und dort ihre Gesinnung deutlich machen. So hing etwa ein „Unsterblich“-Banner im Stile der Reichskriegsflagge, die ein eindeutiger Code für neonazistische Gesinnung ist, im April 2017 im Fanblock von Slovan beim Auswärtsmatch gegen Dunajska Streda. Bei der Partie kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Slovan-Block und der Polizei. Zuletzt tauchte die Fahne mit Foto belegt im Mai 2018 beim Spiel Slovan gegen Trnava auf.

„Verbrüderungstransparente“ mit Slovan tauchen aber auch bei Heimspielen der Austria auf. Bonvalot machte im Gespräch mit der APA darauf aufmerksam, dass Slovan auch enge Verbindungen zu den „Fanatics“, derzeit der führende Fanklub auf der Osttribüne der Generali Arena, unterhält. Laut Bonvalot sind auch im umgebauten Austria-Stadion nach wie vor auf der Osttribüne einschlägige rechtsradikale Symbole zu finden.

Gruppen international verbündet oder verfeindet

Doch der Brisanz nicht genug, die Rapid-Fans wiederum pflegen eine enge Freundschaft mit dem ebenfalls in Sachen Rechtsextremismus bekannten Anhang von Ferencvaros Budapest. Auch bei Rapid gibt es Bonvalot zufolge rechtsextreme Schlägertrupps. „In der Rapid-Kurve läuft es versteckter, codiert. Die zeigen die Gesinnung eben nicht.“

"Fans" im Stadion

AP/CTK/Jan Koller

2014 gerieten Hooligans von Sparta Prag und Slovan in Bratislava gewaltsam aneinander

Dieser Tage fand sich zudem in der Nähe der Generali Arena auf einem Bretterzaun in hellblauer Schrift die aufgesprayte Aufschrift „Jude Slovan“. Die antisemitische Aktion wird von Fankreisen der Austria wieder der „Wien-Sektion“ von Sparta Prag zugeschrieben. Den Anhang der Tschechen verbindet eine langjährige, gewaltsame Rivalität mit jenem von Slovan Bratislava. 2014 kam es im Europacup im Pasienky-Stadion von Bratislava zu schweren Auseinandersetzungen.

Klärung des Führungsanspruchs?

In allen diesen Fällen sind nicht unbedingt politische Differenzen ausschlaggebend. Vielmehr könnte es in Bratislava und eine Woche später in Wien darum gehen, sich auszumachen, wer unter den mitteleuropäischen rechtsextremen Fans einen Führungsanspruch stellen darf, wie Bonvalot sagte.

Die Rapid-Anhänger werden jedenfalls am Donnerstag in einem Buskonvoi von Österreich kommend direkt zum Auswärtssektor des Pasienky-Stadions gebracht und nach Spielende wieder zurück nach Wien chauffiert.

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