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Zweite Medaille für Österreich bei EM

Österreich hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin im Marathon sensationell seine zweite Medaille gewonnen. Lemawork Ketema in der persönlichen Bestzeit von 2:13:22 Stunden als Achter und Peter Herzog ebenfalls mit Karrierebestleistung von 2:15:29 als Zehnter schlugen sich überraschend gut. Gemeinsam mit Christian Steinhammer (41./2:20:40) bedeutete das Bronze in der Team-Wertung.

Der als vierter österreichische Starter angetretene Valentin Pfeil musste aufgeben. Nur die Zeiten der besten drei Läufer werden für die Mannschaftswertung herangezogen. Diese gewann Italien in 6:40:48 Stunden vor Spanien (6:42:43) und Österreich (6:49:29), das die Schweiz (6:51:58) auf Distanz hielt.

ÖLV-Trio holt Bronze im Marathon

Am letzten Tag der Leichtathletik-EM in Berlin haben Österreichs Marathonläufer eine Sensation abgeliefert. In der neu geschaffenen Teamwertung holte das ÖLV-Trio Bronze.

Zunächst herrschte am Sonntag noch noch Verwirrung darüber, ob die Marathon-Team-Bewerbe wie bisher nur zum Europacup zählen oder doch zur EM. Dass es erstmals Medaillen für die Mannschaftswertung gibt, überraschte auch den Österreichischen Verband (ÖLV).

Bronze ist nach Verwirrung amtlich

Sportkoordinator Hannes Gruber hatte für seine Läufer noch bedauert, dass ihre Leistung nur als Europacup zählt. Der ÖLV hatte zuvor keine Kenntnis darüber, und auch von den Verantwortlichen bekam man selbst nach Rennende noch keine eindeutige Auskunft. Später wurde es aber amtlich: Der Europaverband (EAA) listete Bronze für Österreich auf.

Zuvor hatte Lukas Weißhaidinger Bronze im Diskuswurf gewonnen. Es war die elfte EM-Medaille für Österreich in der EM-Geschichte. Zwei Medaillen bei einer EM hatte Österreich zuletzt 1969 in Athen gewonnen, durch Liese Prokop Gold im Fünfkampf und durch Maria Sykora Bronze über 400 m.

„Eines der geilsten Erlebnisse meines Lebens“

Der seit 2015 eingebürgerte gebürtige Äthiopier Ketema war bis 27 Kilometer in der absoluten Spitze, erst danach schlichen sich beim Rennen über vier Schleifen zu je zehn Kilometern plus den restlichen notwendigen 2.195 Metern ein paar Sekunden Abstand ein. „Das Tempo war hoch, aber es ist gut gegangen. Ich bin es so angegangen, wie ich es wollte. Es ging von der Hitze her, ich habe mir immer Wasser drübergeschüttet“, sagte der 32-Jährige.

Lemawork Ketema, Peter Herzog und Christian Steinhammer (AUT)

GEPA/Mario Kneisl

Lemawork Ketema, Peter Herzog und Christian Steinhammer überraschten mit der Bronzemedaille im Team-Bewerb

Glücklich war auch Herzog. „Unglaublich! Ich habe relativ zügig angefangen, ich habe mich bombenmäßig gefühlt. In der letzten Runde habe ich extrem gebüßt, aber die Stimmung war grenzwertig pervers. Das hat so gepusht. Eines der geilsten Erlebnisse meines Lebens. Ich habe mich top darauf vorbereitet, mir ist alles aufgegangen. Ich bin megaglücklich. Und die Teamleistung mit den Kollegen ist das Schönste, das es gibt“, sprudelte es aus dem 31-Jährigen nur so heraus.

Eissprays und Löcher im Trikot

Es sei bei der Hitze eine Materialschlacht gewesen. „Ich hatte Kälteverbände herum, die waren sensationell. Ich hatte einen Eisspray mit, den habe ich mit anderen Athleten geteilt“, erklärte Herzog, der auch Löcher in sein Trikot geschnitten hatte. Die Österreicher wurden an den Verpflegungsstellen nicht nur mit ihren Getränken und Gels versorgt, sondern auch mit Netzkäppchen, die mit Kühlpads präpariert waren.

Steinhammer „happy“, Pfeil freut sich mit

Steinhammer sicherte mit seinem guten Durchkommen der Mannschaft das Edelmetall. „Meine Saison war nicht so leicht. Der Wien-Marathon war mein Höhepunkt und dann der Tiefpunkt. Für mein Selbstvertrauen ist es ganz wichtig, dass ich bei diesem Marathon gefinisht habe“, meinte der 29-Jährige, der in Wien bei Kilometer 35 von Hitze und Krämpfen geplagt hatte aussteigen müssen.

Er sei einfach sein Rennen gelaufen. „Ich habe dann gesehen, Valentin steigt aus, dann wusste ich, ich muss Durchkommen. Sonst hätte ich die Leistungen der anderen zunichtegemacht. Platz drei ist sensationell, das hätten wir uns nicht erträumt. Ich bin einfach nur happy.“ Für Pfeil kam das Rennen nach seinem Achillessehnenriss im Dezember zu früh. „Ich bin sehr enttäuscht, aber ich freue mich mit den anderen drei. Das Rennen war für mich zu früh und zu hart, um Land zu sehen.“

Einzelsiege für Naert und Masuronak

Der Sieg bei den Männern ging mit EM-Rekord von 2:09:51 Stunden an den Belgier Koen Naert vor dem Schweizer Tadesse Abraham (2:11:24) und dem Italiener Yassine Rachik (2:12:09). Bei den Frauen setzte sich die Weißrussin Wolha Masuronak in 2:26:22 vor der Französin Clemence Calvin (2:26:28) und der Tschechin Eva Vrabcova Nyvltova (2:26:31) durch. Team-Europameister wurde Weißrussland (7:21:54) vor Italien (7:32:46) und Spanien (7:44:06).

Leichtathletik-EM in Berlin

Marathon Herren-Team:
1. Italien (Rachik, Faniel, La Rosa) 6:40:48
2. Spanien (Guerra, Espana, Santiago) 6:42:43
3. Österreich (Ketema, Herzog, Steinhammer) 6:49:29
4. Schweiz 6:51:58
5. Polen 6:52:31
6. Irland 6:53:55
7. Deutschland 6:54:50
8. Ukraine 6:55:04
9. Litauen 6:57:29
10. Frankreich 6:59:13
Marathon Herren-Einzel:
1. Koen Naert BEL 2:09:51
2. Tadesse Abraham SUI 2:11:24
3. Yassine Rachik ITA 2:12:09
4. Javier Guerra ESP 2:12:22
5. Eyob Ghebrehiwet Faniel ITA 2:12:43
6. Jesus Espana ESP 2:12:58
7. Maru Teferi ISR 2:13:00
8. Lemawork Ketema AUT 2:13:22 *
9. Tiidrek Nurme EST 2:15:16
10. Peter Herzog AUT 2:15:29 *
41. Christian Steinhammer AUT 2:20:40

Ausgeschieden: Valentin Pfeil (AUT)

* Persönliche Bestzeit

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