Am Anfang eines „großartigen Weges“
Dass durch die österreichische Leichtathletik ein Ruck geht, hat sich bei den Europameisterschaften in Berlin in den Ergebnissen mit sechs Top-Ten-Ergebnissen niedergeschlagen. „Der Schwung im Team motiviert. Jeder kämpft, jeder ist begeistert, alle ziehen an einem Strang. Es ist ein großartiger Weg, den wir gerade verfolgen“, sagte Sonja Spendelhofer, die Präsidentin des Österreichischen Verbandes (ÖLV) in ihrer EM-Bilanz.
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„Das ist eine geschichtsträchtige EM für uns. Man hat wirklich gesehen, dass wir zusammenhalten und alle hart arbeiten. Das gilt es, bis zu den Olympischen Spielen in Tokio weiterzutragen. Es ist der Auftrag an uns, den gesamten Verband“, nahm sich Sportdirektor Gregor Högler stellvertretend für seine Funktionärskollegen in die Pflicht.
Bronzemedaillen durch Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger und das Marathon-Team mit Lemawork Ketema, Peter Herzog und Christian Steinhammer, Rang vier mit ÖLV-Rekord für Siebenkämpferin Ivona Dadic, Platz acht für deren Kollegin Verena Preiner und Ketema sowie zehn durch Herzog gingen in die Statistik ein. Dazu kam unter anderem ein 13. Platz durch Siebenkampf-Youngster Sarah Lagger.
Zielstrebigkeit wird belohnt
„Unsere drei Läufer haben sich großartig geschlagen, Lukas Weißhaidinger war ein Highlight. Großartig, dass sich die harte Arbeit, die er mit seinem Team um Gregor Högler leistet, bezahlt macht. Dass diese Zielstrebigkeit dann auch belohnt wird“, sagte Spendelhofer und strich auch den Rekord Dadics (6.552 Punkte) hervor. „Sie wird von Wettkampf zu Wettkampf besser. Mit dem vierten Platz hat sie natürlich eine kleine Träne im Auge.“
Einen persönlichen Punkterekord stellte auch Preiner (6.337) auf, Bestleistungen liefen über 3.000 m Hindernis Luca Sinn sowie im Marathon Ketema und Herzog. Beate Schrott erreichte souverän das Halbfinale über 100 m Hürden, für das Stephanie Bendrat vorqualifiziert gewesen war, dann aber enttäuschte. Die zweitbeste 5.000-m-Zeit seiner Karriere legte Andreas Vojta als 19. hin.
Bedingungen noch verbesserungsfähig
Man wisse, woran man arbeiten müsse, man müsse auch mit der Wirtschaft Kontakt aufnehmen, um den Athleten und Athletinnen noch bessere Bedingungen zu liefern, nimmt sich Spendelhofer vor. „Wir sind dabei, unsere Stützpunkte auszubauen, dass die Athleten finanzierte Trainer haben.“

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Lukas Weißhaidinger profitierte bei seinem Medaillengewinn von der neuen medizinischen Betreuung
Richtungsweisend bei der EM war die vom ÖLV aufgestellte medizintechnische Betreuung, bei der Högler mit seinem Engagement federführend ist. „Die Geräte wurden uns zur Verfügung gestellt, der Laser, Ultraschall, das sind Geräte im Wert von 50.000 bis 70.000 Euro, die wir noch nicht bezahlt haben“, zählte Högler auf und erklärte, dass die Firmen in Vorleistung gegangen waren. „Ohne den Laser wäre Lukas wegen der Fußverletzung nicht bei der EM gewesen“, machte der Trainer des Diskuswerfers klar, was es braucht, um konkurrenzfähig zu sein. Weißhaidinger merkte an, dass jedes der Geräte vielleicht fünf Zentimeter ausmache. „In Summe ist das dann ein Meter, der die Medaille bringt.“
Medaillen sollen sich finanziell auszahlen
Und ein besonderes Anliegen hatte der 26-Jährige auch noch. „Ich möchte für den gesamtösterreichischen Sport sprechen. Gebt den olympischen Sommersportlern ein Ziel, worauf sie hinarbeiten können. Gebt ihnen ein Ziel, dass sie was gewinnen können. Dann werden die Leute anders anreißen, sie werden kämpfen dafür, jeden Tag werden sie ins Training fahren und alles geben.“
Konkret ginge es um eine „Sportlerpension“ für - zumindest - die Medaillengewinner, wie es in vielen anderen Ländern bereits üblich ist. „Dabei muss jemand mithelfen. Es ist eine gute Zeit, das man alles in die Richtung bringt, dass wir wieder Medaillen bei den Sommerspielen machen. Das gilt für alle Sommersportler“, knüpfte Högler an. Man habe um eine Laufhalle in der Südstadt gekämpft, und im nächsten Jahr habe Dadic eine Medaille heimgebracht. Dann sei der Wurfplatz gekommen, und nun sei das Diskus-Edelmetall im Trockenen.
„Marathon-Helden“ sollen nach Tokio fahren
Im ÖLV will man alles daran setzen, dass die „Marathon-Helden“ von Berlin bei den Olympischen Spielen 2020 dabei sein werden. „Wir freuen uns alle wahnsinnig, es ist unglaublich, was die Burschen geleistet haben“, jubelte Högler. „Wir überlegen uns, wie wir diese Leute zu den Spielen bringen, wie sie entsprechende Unterstützung bekommen. Es ist der Auftrag von uns, dem Laufsport zu dienen, wir möchten vier in Tokio dabei haben“, sagte der Sportdirektor.

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Mit EM-Bronze überraschten Christian Steinhammer, Lemawork Ketema und Peter Herzog (v. l. n. r.) nicht nur sich selbst
Im ÖLV selbst habe man zwar ein Marathon-Projekt laufen, freilich sei man aber nun auf öffentliche Förderungen angewiesen. „Die Athleten erfüllen die Einzelförderung nicht. Es wäre schön, wenn es ein gefördertes Olympiaprojekt für Tokio 2020 gäbe“, sagte Högler und hoffte auf entsprechende Resonanz auf die EM-Medaille.
Kompaktes Team auch ohne Weltklasseläufer
„Man sieht, dass man mit einem ausgeglichenen, kompakten Team, wenn man es gut ins Ziel bringt, ganz weit vorne laufen kann. Man braucht keine Weltklasseathleten für eine Teamleistung“, bilanzierte ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber den EM-Marathon am Sonntag, strich aber auch die Einzelleistungen hervor. Ketema als Achter in 2:13:22 Stunden und Herzog als Zehnter in 2:15:29 hatten persönliche Bestleistungen aufgestellt. Zwei 16. Ränge 1954 und 1958 jeweils durch Adolf Gruber waren die zuvor besten österreichischen Leistungen in einem EM-Marathon gewesen.
„Lema ist es ganz, ganz forsch angelaufen, er ist auf eine Einzel-Medaille angelaufen. Er hat natürlich ein bisserl verloren, ist aber trotzdem als Achter ins Ziel gekommen. Für mich die positive Überraschung ist Peter. Er ist ganz defensiv in der zweiten Gruppe angelaufen und hat ein unglaubliches Finish hingelegt“, erklärte Gruber. Christian Steinhammer als 41. in 2:20:40 sei auf seinem Leistungslevel gelaufen. „Für ihn war klar, er muss durchlaufen, er muss kämpfen, er muss beißen. Er wusste, dass Valentin Pfeil aussteigt. Es war eine unglaubliche mentale Leistung.“ Für die Mannschaftswertung wurde die drei besten Zeiten addiert.
Außer dem Marathon-Olympiaprojekt kommen auf den ÖLV 2019 noch andere Herausforderungen zu. Das Limitsystem für Großereignisse wurde abgeschafft, zur WM in Doha geht es über eine Weltrangliste, für die man Leistungspunkte sammeln kann. Außerdem ist der Zeitpunkt der Weltmeisterschaften mit 27. September bis 6. Oktober sehr spät. Man werde sich jetzt mit den Athleten zusammensetzen und für jeden Einzelnen eine taktische Jahresplanung machen, kündigte Sportkoordinator Gruber an.
EM-Medaillen für Österreich
| Gold: |
| 1969 Athen |
Liese Prokop (Fünfkampf) |
| 1971 Helsinki |
Ilona Gusenbauer (Hochsprung) |
| Silber: |
| 1950 Brüssel |
Herma Bauma (Speerwurf) |
| Bronze: |
| 1938 Paris |
Karl Kotraschek (Dreisprung) * |
| 1969 Athen |
Maria Sykora (400 m) |
| 1990 Split |
Hermann Fehringer (Stabhochsprung) |
| 1998 Budapest |
Stephanie Graf (800 m) |
| 2012 Helsinki |
Beate Schrott (100 m Hürden) |
| 2016 Amsterdam |
Ivona Dadic (Siebenkampf) |
| 2018 Berlin |
Lukas Weißhaidinger (Diskuswurf) |
| 2018 Berlin |
Lemawork Ketema, Peter Herzog, Christian Steinhammer (Marathon Team) |
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