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Aus Angst in Österreich geblieben

Im Frühjahr 2013 verließ Lemawork Ketema Weldearegaye seine Heimat Äthiopien auf der Suche nach einem sicherem Leben. Nach seiner Ankunft in Traiskirchen wartete er als Flüchtling in Greifenstein an der Donau auf den positiven Asylbescheid. Im Dezember 2015 wurde die Einbürgerung durch den Ministerrat beschlossen. Zweieinhalb Jahre später gewann Ketema mit seinen Teamkollegen EM-Bronze im Marathon für Österreich.

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Platz acht in der Einzel-Wertung der Leichtathletik-EM in Berlin mit der persönlichen Bestzeit von 2:13:22 Stunden war die mit Abstand beste eines ÖLV-Athleten in einem Marathon-EM-Rennen überhaupt. Gemeinsam mit Peter Herzog und Christian Steinhammer bedeutete das für den 32-jährigen Ketema Team-Bronze.

Sportminister Strache gratuliert

Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) freute sich mit, er sieht „diese Leistungen als Hinweis für neue Impulse im Österreichischen Leichtathletikverband“. Es war die zweite Bronzemedaille in Berlin nach jener im Diskuswurf von Lukas Weißhaidinger. Sportlich gesehen war in beiden Fällen der Weg an die Spitze hart erarbeitet, menschlich betrachtet ist jener von Ketema besonders bemerkenswert. Bereits 2011 war er einmal für den Vienna City Marathon in Österreich gewesen, hatte einen ersten Eindruck vom Land gewonnen, das später seine neue Heimat werden sollte.

Seine nächste Reise nach Österreich wurde dann zum Ende einer Flucht. Im Mai 2013 wurde Ketema zunächst für den Salzburg-Marathon eingeladen. „Er kam dann aber Hals über Kopf nach Salzburg. Man hatte ihn vorher eingesperrt, weil er politisch verfolgt wurde. Er kaufte sich das Ticket selbst, kam, lief in Salzburg auf Platz drei und traute sich nicht mehr heim. In seiner Familie waren Leute umgekommen, auch Freunde waren verschwunden. In Äthiopien ist man da nicht zimperlich. Lemawork hatte Angst und blieb hier“, erzählte sein Trainer und Manager Harald Fritz der APA.

Wings for Life Run als sportlicher Durchbruch

Ketema sprang Fritz förmlich ins Auge. „Wenn in den Stockerauer Auen ein Schwarzer in dieser Geschwindigkeit durch den Wald hirscht, fällt er auf“, erinnerte sich Fritz an die erste Begegnung. Er sammelte Laufschuhe und Gewand für den Flüchtling aus Afrika und lud ihn in seine Trainingsgruppe ein. Er begleitete ihn durch das Asylverfahren. „Sein sportlicher Durchbruch war der Sieg beim Wings for Life World Run 2014“, erzählte Fritz. 78,58 Kilometer lief Ketema damals für die Rückenmarkforschung, bei seinem Wiederholungssieg 2015 waren es 79,90. 2017 wurde er mit 87,16 Kilometern nochmals Dritter in der weltweiten Wertung des Benefizlaufes.

Lemawork Ketema

GEPA/Christian Ort

Als mehrfacher Sieger des Wings for Life World Run wurde Lemawork Ketema erstmals als Läufer bekannt

Das alles brachte ein paar Sponsorengelder, denn als Ziel war längst die Olympiateilnahme 2016 in Rio de Janeiro formuliert. Das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) entschied sich entgegen dem ÖLV-Vorschlag nicht für eine Nominierung für die Sommerspiele in Brasilien, obwohl Ketema guter Halbmarathon-20. bei der EM in Amsterdam geworden war. Besonders bitter für den damaligen Neo-Österreicher: Mit seiner Marathon-Zeit von 2:16:19 Stunden hätte er im Flüchtlingsteam des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für Rio Aufnahme gefunden.

Keine Mindestsicherung in Anspruch genommen

Nach seiner Asylzeit nahm Ketema nie Mindestsicherung in Anspruch, erwähnte Fritz. „Er sagt immer, ich habe einen Job, ich bin Läufer. Er hat nie einen Euro aus dem Sozialtopf genommen. Er lebt von den mageren Förderungen. Und die sind heuer noch weniger geworden, weil er vergangenes Jahr verletzt war.“ 2017 betrug das Jahresbudget des mittlerweile gut Deutsch sprechenden Wahlwieners 20.000 Euro.

„Nach der Vorbereitung auf den Linz-Marathon im Frühjahr waren wir pleite. Wir haben uns überlegt, wie wir die Vorbereitung auf die EM schaffen können.“ Fritz stellte etwas Geld auf und fand für das fünfwöchige Höhentrainingslager in St. Moritz ein „unpackbar billiges Quartier“, das 23 Euro am Tag kostete. „Es war sehr schön dort, mein Training war gut“, war Ketema zufrieden. Für Physio und Massage war allerdings kein Geld mehr da. „Wir sind jetzt wieder pleite. Wie wir uns auf die WM im nächsten Jahr vorbereiten können, wissen wir noch nicht“, sagte Fritz und hofft, dass die EM-Leistung Interesse bei weiteren Sponsoren weckt.

Der ÖLV wird sich für ein finanziertes Olympiaprojekt für Österreichs Marathon-Team starkmachen. Denn nach der Katar-WM 2019 soll es auch für Ketema zu den Spielen 2020 nach Tokio gehen. Olympia ist der Traum, für den er lebt. „Er arbeitet akribisch, sehr fokussiert, er ist kein großer Feierer, hat es auch am Sonntag nicht getan“, sagte ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber. Ketema selbst hat nur ein Ziel: „Schnell laufen und meine Bestzeit verbessern.“

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