Themenüberblick

Nur noch geringe Aufstiegschancen

Sturm Graz hat am Donnerstag im Play-off-Hinspiel der Europa League eine bittere Niederlage kassiert. Die Steirer unterlagen Juventus zu Hause 1:2 (0:1) und haben damit vor dem Rückspiel in Turin nur noch geringe Chancen auf den Aufstieg. Der Siegestreffer für Juve fiel erst in Minute 91 durch Amauri.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Zuvor konnte Gordon Schildenfeld (82.) den Führungstreffer von Leonardo Bonucci (16.) ausgleichen. Trotz der Niederlage dürfen die Grazer mit ihrer Leistung in der mit 15.300 Zuschauern ausverkauften UPC-Arena mehr als zufrieden sein. In einigen Phasen der Partie war nicht zu erkennen, wer der österreichische Cupsieger und wer der italienische Rekordmeister, bei dem Goalie Alexander Manninger nur auf der Bank saß, war. Abgesehen von ein paar Leerläufen war aus Grazer Sicht an diesem Abend der Abschluss das große Manko.

Spielszene bei Sturm - Juventus

ORF.at/Wolfgang Rieder

Imre Szabics und Leonardo Bonucci

Juves große Namen nur Ersatz

Sturm musste verletzungsbedingt auf Kapitän Andreas Hölzl verzichten, für ihn warf Coach Franco Foda den erst 17-jährigen Florian Kainz ins kalte Wasser. Bei Juventus saßen klingende Namen wie Alessandro del Piero, David Trezeguet und Felipe Melo auf der Bank, trotzdem übernahmen die Gäste von Beginn an das Kommando. Trotz des Dauerdrucks hielt die Grazer Abwehr stand. Goalie Christian Gratzei musste sich erstmals bei einem Kopfball von Amauri (7.) strecken.

Sturm probierte es über schnelle Konter und kam durch einen Weitschuss von Kainz, der über die Latte streifte, nach einem Eckball zu einer ersten guten Gelegenheit (9.). Überhaupt agierte das Sturm-Eigengewächs äußerst selbstbewusst und unbekümmert. Bestes Beispiel dafür: Er schob Paolo de Ceglie im Strafraum frech den Ball durch die Beine, kam aber nur knapp nicht zum Abschluss.

Kalte Dusche durch Bonucci

Gerade in einer Phase, als sich Sturm langsam mehr zutraute, kam die kalte Dusche. Nach einem Eckball von Diego, setzte sich Bonucci im Kopfballduell gegen Ferdinand Feldhofer und Dominic Pürcher durch und köpfelte aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung ein (16.). Dass er nicht nur Tore schießen, sondern auch verhindern kann, bewies er nur Augenblicke später. In höchster Not klärte er mit einem Tackling gerade noch vor dem alleine auf Goalie Marco Storari zulaufenden Imre Szabics (18.).

Bukva trifft die Stange

Trotz des frühen Rückschlags steckten die Grazer den Kopf keineswegs in den Rasen der UPC-Arena und lieferten eine überaus engagierte Vorstellung ab, wodurch sich eine muntere Partie entwickelte. Ein Schuss von Joachim Standfest ging nur knapp am langen Eck vorbei (24.). Auf der Gegenseite war Gratzei gegen Amauri (22.) und Davide Lanzafame (28.) auf dem Posten.

Nicht auf dem Posten war danach Goalie Storari, zum Glück für Juve gibt es aber als Torbegrenzung einen Pfosten. Nach schöner Vorarbeit von Szabics, der sich über rechts durchtankte und flach in den Rückraum spielte, zog Haris Bukva von der Strafraumgrenze ab. Sein Versuch ging zum Pech der Grazer, die sich den Ausgleich vor der Pause durchaus verdient gehabt hätten, nur an die Außenstange (32.).

Sturm bot auch nach Pause Paroli

Auch nach Seitenwechsel war von der vor dem Match kolportierten klaren Rollenverteilung nicht viel zu sehen. Sturm bot Paroli und kam auch weiter zu Chancen. Nach einem Eckball verlängerte Schildenfeld per Kopf, doch Szabics rutschte haarscharf am Ball vorbei (50.). Danach ging ein Schuss des kroatischen Verteidigers wieder einmal knapp am Tor vorbei (55.). Juve schien indes ganz in italienischer Manier den Vorsprung verwalten zu wollen.

Und das gelang Juventus souverän. Sturm kam nur noch selten vor das gegnerische Tor. Einzig Bukva vergab einen Freistoß aus aussichtsreicher Distanz (65.). In Minute 72 war dann das Spiel für Kainz, der vom Publikum mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde, beendet. Für ihn kam Christian Klem. Nur wenig später betrat auch Juves großer Altstar Del Piero das Spielfeld. Sein Grazer Pendant, Mario Haas, folgte in Minute 75.

Juve-Coach wird nervös

Die letzte Viertelstunde wurde dann mit einem scharfen Weitschuss von Manuel Weber eingeläutet, dessen Versuch Goalie Storari mit Mühe und Glück zur Ecke klären konnten (77.). Spätestens zu diesem Zeitpunkt stand Juve-Coach Luigi del Neri ganz am Rand der Coaching-Zone und gab seinem Team wilde Anweisungen. Ein Indiz dafür, dass die Grazer bei der „Alten Dame“ vorstellig wurden.

Mitreißende Schlussphase

Richtig laut wurde es dann aber in Minute 82, denn Sturm gelang der frenetisch bejubelte Ausgleich. Bukva zirkelte einen Freistoß zur Mitte. Schildenfeld schraubte sich in die Höhe und köpfelte zum verdienten Ausgleich ein. Nur kurz darauf wären die Sturm-Fans fast völlig Kopf gestanden, denn Szabics vergab nach Maßflanke von Haas aus kurzer Distanz (83.).

Tor gegen Juventus

ORF.at/Wolfgang Rieder

Juve-Goalie Storari muss den Ball passieren lassen.

Auf der Gegenseite traf Del Piero mit einem Freistoß nur die Stange (86.). Für Sturm sollte es allerdings abermals nach einer Standardsituation noch bitterer kommen, und zwar in der ersten Minute der dreiminütigen Nachspielzeit. Nach einem Eckball des Routiniers war Amauri per Kopf zur Stelle und fixierte den glücklichen Sieg für die „Alte Dame“.

Christian Wagner, ORF.at aus Graz

Europa League, Play-off-Hinspiel

Donnerstag

Sturm Graz - Juventus Turin 1:2 (0:1)

Graz, UPC-Arena, 15.322 Zuschauer, SR Cakir (TUR)

Torfolge:
0:1 Bonucci (16.)
1:1 Schildenfeld (82.)
1:2 Amauri (91.)

Graz: Gratzei - Standfest, Feldhofer, Schildenfeld, Pürcher - Kainz (72./Klem), Kienzl (82./Muratovic), Weber, Bukva - Kienast (75./Haas), Szabics

Juventus: Storari - Motta, Bonucci, Chiellini, De Ceglie - Pepe, Sissoko, Marchisio (70./Melo), Lanzafame (55./Martinez) - Diego (73./Del Piero), Amauri

Gelbe Karten: keine bzw. Marchisio, Chiellini

Die Besten: Kainz, Schildenfeld bzw. Amauri, Sissoko

Links: