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Niedergeschlagen und enttäuscht

Mit knappen Heimniederlagen hatte Sturm Graz bereits im Vorjahr unglückliche Bekanntschaft gemacht. In der Gruppenphase der Europa League 2009/2010 setzte es gegen Dinamo Bukarest und Panathinaikos Athen zweimal ein 0:1. Auch das 1:2 am Donnerstag gegen Juventus Turin war wieder einmal eine knappe Niederlage. Nur diesmal fällt das Resümee angesichts des großen Namens des Gegners noch bitterer aus.

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„Ich war nach einem Spiel selten so enttäuscht, denn diese Niederlage haben wir nicht verdient. Gegen Juventus haben wir unsere beste Leistung seit langem abgerufen“, erklärte Ersatzkapitän Mario Kienzl niedergeschlagen. Keine Spur besser ging es Torhüter Christian Gratzei. „Ich bin wirklich niedergeschlagen. Wir hätten gegen ein Weltklasseteam wie Juventus ganz sicher ein Remis verdient“, ist der ÖFB-Tormann überzeugt.

Foda kann stolz sein

Trotz der Tristesse an der Mur ist die gebotene Leistung gegen die „Alte Dame“ vielleicht ein kleines Trostpflaster. Angetrieben vom Publikum war vor allem in der zweiten Halbzeit kein Unterschied zwischen den Budgets der beiden Teams zu sehen. Im Gegenteil: Sturm dominierte das Geschehen. Dass es trotzdem nicht zumindest für ein Unentschieden reichte, empfand Coach Franco Foda „als sehr bitter. Das hat meine Mannschaft nicht verdient.“

Der Deutsche kann aber zu Recht stolz sein auf sein Team, was er auch in Worten zum Ausdruck brachte. „Mein Team hat toll gespielt, wir haben alles umgesetzt, was wir uns vor dem Spiel vorgenommen haben. Wir haben uns sehr viele Chancen erarbeitet, von denen wir leider nur eine nutzen konnten. Trotzdem bin ich mit der Mannschaft sehr zufrieden“, bilanzierte der 44-Jährige.

Kainz kann’s

Stolz kann aber auch Foda auf sich selbst sein. Nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Jakob Jantscher zu Salzburg und Daniel Beichler zu Hertha Berlin verstand es der Deutsche wieder einmal, eine international konkurrenzfähige Mannschaft zu formen. Das Reservoir an jungen Spielern scheint in Graz unerschöpflich zu sein. Ein Indiz, dass der Club seine Rolle als Ausbildungsclub gut erfüllt und dadurch auch belohnt wird.

Gegen Juventus war es diesmal der erst 17-jährige Florian Kainz, der eine Talentprobe ablieferte. Noch ohne eine einzige Einsatzminute in der laufenden Meisterschaft zeigte der Sturm-Jungstar als Ersatz für den im Abschlusstraining verletzten Kapitän Andreas Hölzl keinerlei Scheu oder Respekt vor den großen Namen und lieferte eine freche Vorstellung ab. „Er ist ein sehr, sehr guter Fußballer für sein Alter. Das wissen wir, denn er beweist es jeden Tag im Training“, erklärte Kienzl.

Spielszene bei Sturm - Juventus

ORF.at/Wolfgang Rieder

Angetrieben vom Publikum lieferte Sturm eine ansprechende Leistung

„Das ist typisch italienisch“

Trotz des erfreulichen Auftretens in der UPC-Arena gab es gegen Juventus sicher noch einen Unterschied, denn schließlich wurde das Spiel verloren. Der Unterschied bestand in der Kaltschnäuzigkeit des italienischen Rekordmeisters vor dem Tor und dem Verhalten bei Standardsituationen. „Das ist typisch italienisch, aus keiner Chance zwei Tore zu machen“, ärgerte sich Ferdinand Feldhofer. „Das ist eben Topniveau. Sie haben ihre Chancen eiskalt genutzt“, sagte Mario Haas.

„Diese Unaufmerksamkeiten bei Standardsituationen dürfen auf diesem Niveau einfach nicht passieren“, kritisierte auch Foda die Nachlässigkeiten nach Eckbällen und Freistößen. Stürmer Roman Kienast hofft daher, dass die Mannschaft „aus diesen Fehlern lernt. Die Spieler von Juventus gehen nach einer Ecke mit voller Wucht hinein. Da müssen wir dagegenhalten und abblocken, damit sie nicht so frei zum Kopfball kommen.“

Lob vom nervösen Juventus-Coach

Am Ende muss Sturm daher der Chance nachtrauern, eine internationale Sensation verpasst zu haben. Juventus, das im Vorjahr in der Meisterschaft nur Rang sieben belegt hatte, wäre in dieser Form zu packen gewesen. Bei der „Alten Dame“ läuft noch längst nicht alles rund, Abstimmungsprobleme waren offensichtlich.

„Wir haben den Ball zu oft in der Vorwärtsbewegung verloren. Das müssen wir unbedingt verbessern, aber wir stecken mitten in der Vorbereitung. Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir gegen eine sehr starke Mannschaft gespielt haben, die mit dem Publikum den zwölften Mann im Rücken hatte“, resümierte Juve-Coach Luigi del Neri, der vor allem in der Schlussphase sichtlich nervös in der Coachingzone auf und ab schritt und wild gestikulierend Anweisungen gab.

Der Glaube an die Chance

Obwohl der Aufstieg in die Gruppenphase nach der Niederlage in weite Ferne gerückt ist, werfen die Sturm-Spieler die Flinte noch längst nicht ins Korn. Die Leistung hat Selbstvertrauen gebracht und die Erkenntnis, dass auch namhafte Clubs in Reichweite sind. „Wir haben gesehen, dass wir mithalten können. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Ich glaube weiter fest an unsere Chance“, versprüht Kienzl Optimismus.

Wie das gelingen kann, weiß Coach Foda: „Wir müssen auch auswärts engagiert auftreten.“ Haas sieht vielleicht durch einen schnellen Treffer eine Chance: „Wenn uns ein frühes Tor gelingt, dann werden sie vielleicht nervös. Wir haben ja nichts zu verlieren, aber Juventus schon.“ Und Kienast baut auf eine alte Weisheit: „Im Fußball ist alles möglich.“

Christian Wagner, ORF.at

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