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Die „Großen“ laufen hinterher

Vor der Abreise der ÖFB-Teamspieler Jakob Jantscher, Franz Schiemer, Roman Wallner und Christoph Leitgeb hat es für die Salzburg-Profis eine Standpauke gegeben. Huub Stevens wusch den in Mattersburg vom Schlusslicht auf die Hörner genommenen „Bullen“ den Kopf, ein schwacher Trost waren die Ausrutscher der anderen Titelkandidaten.

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Rapid und Austria ging es am Sonntag nämlich nicht besser als dem Meister am Samstag. Während die Grün-Weißen beim LASK an ihrer schlechten Chancenauswertung scheiterten, wurden die Violetten vor eigenem Publikum von Aufsteiger Innsbruck auseinandergenommen. Froh über die Länderspielpause ist daher nicht nur Salzburgs zweiter Sportdirektor Thomas Linke („Man kann wieder Kraft tanken und sich neu aufrichten“), auch bei den Wiener Großclubs ist nach den Englischen Wochen Durchschnaufen angesagt.

Ried und Innsbruck sorgen für Furore

Ganz anders die Situation beim sensationellen Tabellenführer Ried und den zweitplatzierten Tirolern: Die Underdogs haben die Bundesliga in den ersten sechs Runden mit einem im positiven Sinne verrückten Start auf den Kopf gestellt. Während Titelverteidiger Salzburg in nur vier Spielen schon zwei Niederlagen einstecken musste, thront Trainer Paul Gludovatz mit den Innviertlern dank fünf Siegen in sechs Partien zumindest zwei weitere Wochen an der Spitze. Innsbruck ist als einziger Club überhaupt noch ungeschlagen.

„Ich habe Spieler gesehen, die mächtig enttäuscht sind“, gewährte Linke einen Einblick in die geschundenen Salzburger Seelen. Trainer Huub Stevens und seine Mannschaft hatten dagegen nichts zu sagen, am Wochenende herrschte laut Presseaussendung das „Schweigen der Bullen“.

Nikola Pokrivac (Red Bull Salzburg)

GEPA/Mario Kneisl

Salzburgs Nikola Pokrivac trauert den Punkten gegen Mattersburg nach.

Deutlicher wurde Austria-Trainer Karl Daxbacher nach dem 0:3 gegen Wacker und dem sechsten Pflichtspiel ohne Sieg. „Wir gehen am Krückstock“, verwies er auf das Fehlen der verletzten Kreativspieler Zlatko Junuzovic und Milenko Acimovic sowie die Erkrankung von Julian Baumgartlinger.

Nichts läuft bei ersatzgeschwächter Austria

Das Europa-League-Aus gegen Saloniki sowie enttäuschende Auftritte gegen die vermeintlichen „Kleinen“ Wr. Neustadt, Kapfenberg, Ried und Innsbruck ließen den August zu einem schwarzen Monat der Violetten werden. Zwei Wochen hat die Austria nun Zeit, um für das Derby am 12. September im Hanappi-Stadion gegen Rapid wieder zu Kräften zu kommen. „Es ist eine schwierige Situation. Wir hoffen, dass wir die Spieler bis dahin fit bekommen“, so Daxbacher.

Marko Stankovic (Austria)

GEPA/Christian Ort

Marko Stankovic ging wie die Austria zu Boden.

„Nach dem Europacup-Out haben wir uns vorgenommen, in der Meisterschaft für Furore zu sorgen. Zurzeit läuft es aber einfach nicht bei uns“, war auch Goalie Heinz Lindner ratlos. Bei den „Veilchen“ krankt es derzeit aber vor allem im Spiel nach vorne, auch die Abschlussschwäche ist offensichtlich. „Wenn du kein Tor machst, ist immer die Gefahr da, eines zu bekommen“, weiß Daxbacher. „Innsbruck hat uns ausgekontert. Nach dem 0:1 ist die Mannschaft verfallen.“

Qual der Wahl in Innsbrucker Offensive

Obwohl es nach dem Derby mit dem Heimspiel gegen Salzburg und der Auswärtspartie bei Sturm Graz weitergeht, hofft der Austria-Coach auf Besserung: „Die Meisterschaft zeigt, dass die Gegner, die wir bisher hatten, nicht unbedingt die schwächeren sein müssen.“ Das haben nicht zuletzt die Innsbrucker bewiesen. „13 Punkte nach fünf Runden sind gewaltig. Es passt in der Mannschaft, die Stimmung ist hervorragend“, jubelte Boris Prokopic. Die Rapid-Leihgabe hatte für das 3:0 gesorgt, nachdem schon Bundesliga-Toptorschütze Marcel Schreter und „Joker“ Julius Perstaller getroffen hatten.

Die Auswahl an torgefährlichen „Wackeranern“ ist neben der stabilen Defensive rund um den Spanier Inaki Bea der Trumpf des Aufsteigers. „Wir können in der Offensive immer reagieren“, sagte Kogler. Zum Auftakt der siebenten Runde kommt es nun am 11. September am Tivoli zum überraschenden Topspiel gegen Ried. „Das ist das Interessante am Fußball, wir werden ziemlich sicher ein ausverkauftes Haus haben“, freute sich Kogler ebenso wie Schreter: „Die breite Brust ist da.“

Pacult sauer: „Sind kein Klingl-Klangl-Verein“

Die nach dem Triumph gegen Aston Villa nahezu unendlich breite Brust der Rapidler ist durch das 0:1 in Linz ein wenig geschrumpft. Drei Tage nach der Sensation von Birmingham gab es ein böses Erwachen. Der bis dahin punktelose LASK feierte dank eines Aufhauser-Treffers nach einer Stunde den ersten Erfolg. Peter Pacult stieß die schwache Chancenauswertung gewaltig auf. „Gegen einen Gegner, der bis zur 60. Minute nicht auf das Tor geschossen hat!“, betonte der Rapid-Trainer sauer.

„Wenn du das auslässt, dann hast du es auch nicht verdient, zu gewinnen“, so Pacult. „Da müssen sich einige an der Nase fassen. Wir sind kein Klingl-Klangl-Verein, sondern spielen um die Meisterschaft und international. Da kann man nicht immer fahrlässig mit den Chancen umgehen.“ Doch Abhilfe steht ante portas. Jan Vennegoor of Hesselink soll die Lücke schließen, die der Abgang von Nikica Jelavic gerissen hat.

Neue Hoffnung in Linz

Der LASK darf nach der Befreiung wieder hoffen. „Durch den Sieg von Mattersburg gegen Salzburg ist der Druck noch größer geworden“, berichtete Aufhauser, und Trainer Helmut Kraft fiel ein Stein vom Herzen: „Der Lohn für harte Arbeit. In den nächsten zwei Wochen können wir gelöster trainieren. Trotz aller Freude muss man aber festhalten, dass wir mit drei Punkten trotzdem noch weit hinter dem sind, wo wir hinwollen.“

Der einzige Sieger der vier Topclubs der vergangenen Jahre war am Wochenende Sturm Graz. Die Steirer besiegten Wr. Neustadt nach zweimaligem Rückstand mit 4:2 und sind gegen die Niederösterreicher auch im sechsten Duell inklusive Cup ungeschlagen geblieben. Die erste Zwischenbilanz fällt trotz des personellen Aderlasses im Sommer daher positiv aus. „Wir haben zehn Punkte, und das ist nach den Umstrukturierungen im Sommer ganz wichtig“, meinte Trainer Franco Foda.

Wr. Neustadt ist dagegen nach einem optimalen Start mit zwei Siegen auf Rang sieben zurückgefallen. Den August beendete die Mannschaft von Peter Schöttel mit einem einzigen Punkt aus vier Matches und dem Abschied in der ersten Cuprunde gegen Dornbirn. „Es ist schwierig, aber wir müssen da raus“, so Schöttel. „Es bleibt, dass wir attraktiv gespielt haben.“

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