„Das ist alles surreal“
„Es ist noch ein langer Weg, aber ich traue auch dieser Mannschaft viel zu. Sie können Meister werden. Kaiserslautern hat das auch mal geleistet. Warum Mainz nicht?“ So sprach Bayern-Trainer Louis van Gaal am Samstag nach der 1:2-Heimniederlage seiner Mannschaft gegen die Sensationself der deutschen Bundesliga: Mainz.
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Dem Trainer von Christian Fuchs und Andreas Ivanschitz war van Gaal’sche Zugeständnis der Titelreife gar nicht recht: „Wir fühlen uns jetzt nicht größer als wir sind.“ Nach 18 Punkten mahnt der 37-Jährige zur Bodenhaftung, auch wenn sie zunehmend schwerfällt. „Es ist außergewöhnlich, nach fünf Siegen in München den sechsten zu erzielen“, sagte Tuchel im Glücksrausch: „Das ist alles surreal.“
Nur der Abstieg ist kein Thema mehr
Meisterschaft, Champions League, Europa League - auf eine Formulierung neuer Saisonziele mag sich bei den Mainzern partout keiner einlassen. „Warum sollten wir neue Ziele stecken? Was soll das? Wir genießen den Moment“, sagte Christian Heidel. Naja, mit dem Abstieg rechne man nicht mehr, fügte der Manager scherzend hinzu.

AP/dapd/Oliver Lang
Adam Szalai schreit seine Freude über das 2:1-Siegestor in die Allianz-Arena.
Mit einem siebten Sieg am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Hoffenheim würden die Mainzer schon den Startrekord der deutschen Bundesliga von Bayern (Saison 1995/96) und Kaiserslautern (2001/02) egalisieren. Die „Lauterer“ schlossen damals allerdings nach ihrem überragenden Start die Meisterschaft lediglich als Siebente ab.
Sonderlob für Fuchs
Tuchels mutiger „Matchplan“ mit Pressing schon in der Münchner Hälfte ging optimal auf. Dieser Meinung war auch Ex-Mattersburger Fuchs: „Ich glaube, unsere Taktik war ein Schock für die Bayern. Sie konnten ihr selbstsicheres Spiel nicht aufziehen, wir haben von Beginn an aggressiv agiert, als wäre es für uns ein Heimspiel“, so der Österreicher über das Erfolgsrezept seiner Mannschaft.
Der 24-Jährige ist einer der Gründe für den Höhenflug der Mainzer, seit seiner späten Verpflichtung im Sommer ist Fuchs von der linken Abwehrseite des Tabellenführers nicht mehr wegzudenken. „Es ist großartig, was du auf der linken Seite leistest. Kämpferisch, läuferisch und taktisch“, sprach Tuchel dem ÖFB-Teamverteidiger nach seiner neuerlich starken Leistung in München ein Sonderlob aus.
Keine Hauptrolle für Ivanschitz
Für Andreas Ivanschitz läuft es bei Mainz hingegen nicht so optimal. Im Gegensatz zum 2:0-Sieg gegen den 1. FC Köln, wo der ehemalige ÖFB-Teamkapitän am Dienstag zu seinem ersten Saisoneinsatz (von Beginn an) gekommen war, musste er diesmal wieder mit der Ersatzbank vorlieb nehmen.
Der nächste Herausforderer der Mainzer, die von Tuchel nach der Sensation zwei freie Tage bekamen, ist nächsten Samstag vor eigenem Publikum 1899 Hoffenheim (mit Andreas Ibertsberger auf der Bank). „Über den siebenten Sieg mache ich mir keine Gedanken. Aber wenn man so spielt wie wir, ist alles möglich“, so Mainzs Ungar Adam Szalai.
Nerlinger: „Desolate Leistung“
Während Mainz feiert, wird bei den Bayern der Ton allmählich rauer. „Langsam gehen die Alarmglocken an“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Zehn Punkte Rückstand auf Mainz und sieben auf den nächsten Auswärtsgegner Borussia Dortmund seien „heftig“. Noch mehr als die „prekäre“ Tabellensituation erzürnte die Bosse die „desolate Leistung“ (Nerlinger) im Topspiel. „Wir haben mit eines der schlechtesten Spiele gemacht unter diesem Trainer“, gestand Miroslav Klose.
„Wir sollten uns an die eigene Nase fassen - und diese Nase läuft etwas“, meinte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge und ging mit den Spielern hart ins Gericht, rügte die Berufseinstellung: „Leidenschaft, Laufbereitschaft, Aggressivität - das haben wir alles vermissen lassen.“ „Zu viele Spieler waren unter ihrer Normalform“, klagte van Gaal. Die verletzten Arjen Robben und Franck Ribery fehlten an allen Ecken und Enden. „Sie sind elementar wichtige Spieler. Aber die Mannschaft, die auf dem Platz stand, sollte Mainz schlagen können“, erklärte Nerlinger, der Gefahr wittert: „Ich sehe es als gesamtmannschaftliches Problem, wie wir uns präsentieren.“
An Platz eins oder die Titelverteidigung sei vorerst nicht mehr zu denken. „Es nützt jetzt nichts, mit dem Fernrohr nach oben zu schauen“, meinte Nerlinger. Der wie üblich hohe Ballbesitz (64 Prozent) der Bayern verpuffte auch gegen Mainz, fünf Tore in sechs Spielen sind Liga-Minuswert. Die Bayern gastieren nächsten Sonntag beim Mainz-Verfolger Dortmund.
Sechste Runde
| Freitag, 24. September: |
| Köln |
Hoffenheim |
1:1 |
| Samstag, 25. September: |
| Bayern München |
Mainz |
1:2 |
| Stuttgart |
Leverkusen |
1:4 |
| Schalke |
Mönchengladbach |
2:2 |
| Frankfurt |
Nürnberg |
2:0 |
| St. Pauli |
Dortmund |
1:3 |
| Bremen |
Hamburger SV |
3:2 |
| Sonntag, 26. September: |
| Wolfsburg |
Freiburg |
2:1 |
| Kaiserslautern |
Hannover |
0:1 |
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