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„Abgerechnet wird am Schluss“

„Großartig, was du auf der linken Seite leistest. Kämpferisch, läuferisch und taktisch“, lobte sogar Trainer Thomas Tuchel. Ziel seiner Worte war ÖFB-Legionär Christian Fuchs, der mit Mainz nach sechs Runden ohne Punkteverlust die deutsche Bundesliga anführt und nun auch von sich behaupten kann, Bayern München in der Allianz-Arena geschlagen zu haben. Im ORF.at-Interview nahm er dazu Stellung.

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ORF.at: Herr Fuchs, der Samstag war wohl ein spezieller Tag in Ihrer Karriere. Wie war das Gefühl, gegen die Bayern in München zu gewinnen?

Christian Fuchs: Das hat uns extrem stolz gemacht. Gegen die Bayern zu gewinnen ist eines, aber auch noch zwei Tore zu schießen, das ist der Wahnsinn. Allein wegen der Stimmung war München für uns eine Reise wert. Es machte großen Spaß. Wohl hätte mit unserem Sieg auch niemand gerechnet. Aber wir haben an uns geglaubt und unsere Chance genützt.

ORF.at: Der Druck war groß. Haben Sie selbst im Vorfeld an einen Sieg gegen den deutschen Rekordmeister geglaubt?

Fuchs: Wir schauen von Spiel zu Spiel. Aufgrund der Tabellensituation war der Druck schon enorm, das stimmt. Aber wir wollen jedes Spiel gewinnen. Ob in München oder sonst wo. Im Moment gelingt uns das. Den Druck haben wir uns selbst auferlegt. Bislang haben wir auch kein Problem damit. Doch wir müssen am Boden bleiben. So eine Serie kann schnell reißen. Aber wir werden aus dem aktuellen Lauf das Beste machen und weiterhin unser Bestes geben.

ORF.at: Nach sechs Runden liegt Mainz ohne Punkteverlust an der Tabellenspitze. Was sagen Sie dazu?

Fuchs: Das hätte sich natürlich niemand von uns erträumt. Das ist auch für mich ein ganz besonderer Abschnitt in meiner Karriere. Aber wir dürfen wie gesagt nicht abheben, wir wissen, dass es am Ende wieder ganz anders aussehen kann. Abgerechnet wird am Schluss. Wir wissen die Situation schon ganz richtig und realistisch einzuordnen.

ORF.at: Um auf München zurückzukommen, wie lautete das Erfolgsrezept?

Fuchs: Dass wir so spielten, wie Mainz spielt. Dass wir uns einfach nichts pfeifen. Trainer Tuchel hat uns bis jetzt auf jedes Spiel und auf jeden Gegner perfekt eingestellt. München war da keine Ausnahme. Das Konzept ist super aufgegangen, die Abwehr hat wie auch die gesamte Mannschaft super Qualität bewiesen und ihr ganzes Potenzial im entscheidenden Moment abrufen können. Bei uns passt auch das Menschliche, auf und neben dem Spielfeld.

ORF.at: Wie realistisch ist nun der Meistertitel?

Fuchs: Jede Mannschaft hat noch Chancen darauf. Doch das „Wunder Kaiserslautern“ zu wiederholen, auch wenn wir schon die zweite Saison in der Bundesliga sind, davon spricht bei Mainz niemand. Im Gegenteil: Das Wort „Meisterprämie“ existiert in unserem Wortschatz nicht. Wir denken von Spiel zu Spiel und freuen uns über jeden einzelnen Erfolg.

ORF.at: Sie sind sich auch Ihrer Vorbildwirkung gegenüber Ihren Fans bewusst. Wie gehen Sie mit dem gesteigerten Interesse an ihrer Person um?

Fuchs: Am wichtigsten ist, trotz der großen Erfolge und großen Emotionen am Boden zu bleiben. Ich bin keiner, der im Erfolg große Sprüche klopft oder abhebt. Das überlasse ich anderen. Ich kenne meine Stärken, besinne darauf und versuche sie in jedem Spiel, Woche für Woche, zu bringen. Das gelingt mir derzeit ganz gut.

ORF.at: Andreas Ivanschitz fristet derzeit meistens auf der Ersatzbank. Welche Rolle spielt er im Mainzer Erfolgsgefüge?

Fuchs: Andreas genießt das gleiche Standing wie jeder von uns. Unser Trainer stellt eben von Spiel zu Spiel auf und stimmt die Mannschaft auf den kommenden Gegner ab. Andi weiß das, er hat kein Problem damit und ausreichend Qualität, um jederzeit zu spielen und dann seine beste Leistung zu bringen. Das hat er schon oft bewiesen. Er ist weiterhin hoch motiviert, auch wenn er derzeit nicht zur Stammformation gehört. Es spricht für uns, dass wir einen ausgeglichenen Kader haben. Und der Andi hat sich mit uns auch in München auch auf der Bank gefreut. Er ist auch abseits des Spielfeldes ein ganz wichtiger Teil unseres Teams.

ORF.at: Was sagen Sie zur Österreicher-Flut in der deutschen Bundesliga?

Fuchs: Die Deutschen haben eben nicht erst aufgrund der aktuellen Leistungen gesehen, dass wir Österreicher gut Fußballspielen können. Wir haben uns einen guten Ruf erarbeitet. Dass in dieser Saison allerdings so viele Ösis hier spielen, ist genial und freut natürlich auch mich total. Das motiviert noch mehr. Das ist für uns alle und hoffentlich auch für das Nationalteam von Vorteil.

ORF.at: Sie selbst sind mit 24 Jahren noch jung, welche Ziele haben Sie sich als Fußballer gesetzt?

Fuchs: Ich fühle mich in Mainz gerade superwohl und will mit diesem Klub einfach so erfolgreich wie möglich sein. Mit dem Nationalteam wiederum gibt es ein ganz großes Ziel, nämlich die Qualifikation für die Euro 2012.

Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at

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