Geschwindigkeit als Indikator
Bernhard Kohl hält einen Tour-de-France-Sieg ohne leistungssteigernde Mittel nicht für möglich. Daher komme auch der positive Test des aktuellen Tour-Siegers Alberto Contador für ihn nicht überraschend, sagte der Niederösterreicher, der 2008 des Dopings überführt worden war und danach seine Radsportkarriere beendet hatte, bei einer Konferenz der US-Anti-Doping-Agentur (USADA).
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„Es ist unmöglich, die Tour de France ohne Doping zu gewinnen“, betonte der 28-jährige Kohl in Leesburg im US-Bundesstaat Virginia gegenüber der „New York Times“ (Dienstag-Ausgabe).
„Das kann man an der Geschwindigkeit des Rennens ablesen.“ Egal ob der gedopte US-Amerikaner Floyd Landis, dem sein Titel 2006 aberkannt worden war, oder Kohl, der zwei Jahre später wegen CERA-Dopings Platz drei verloren hatte - die Durchschnittsgeschwindigkeit würde bis zu Contadors Sieg 2010 stets um die 40 km/h betragen. „Das zeigt, dass die Fahrer immer noch dopen“, sagte Kohl.
Tests überführen Dopingsünder nur selten
Laut Kohl würden die Topprofis hauptsächlich auf Eigenbluttransfusionen und noch nicht nachweisbare, neue Typen von EPO zurückgreifen. Auch CERA, das ihm selbst zum Verhängnis geworden war, fällt in diese Kategorie. Dass die gedopten Fahrer nach wie vor der Meinung sind, nicht erwischt zu werden, versteht Kohl: „Ich bin in meiner Karriere 200-mal getestet worden, 100-mal hatte ich Drogen in meinem Körper. Einmal wurde ich erwischt, die anderen 99 Mal nicht.“
Die Nachweisverfahren hinken ständig hinterher. Das Problem sei auch mit neuen Methoden zum Nachweis von Blutdoping nur schwer in den Griff zu bekommen, so Kohl. „Ich weiß nicht einmal, ob das die Fahrer ausreichend abschrecken würde, um damit aufzuhören“, sagte der überführte Dopingsünder, der mittlerweile ein Fahrradgeschäft in Wien betreibt. „Die Fahrer glauben, dass sie mit Doping davonkommen, weil sie es die meiste Zeit tun.“
Contador mit Eigenblut gedopt?
Zum Fall Contador wollte sich Kohl nicht im Detail äußern, weil sein Wissensstand dazu nicht ausreiche. Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass der Spanier am zweiten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt in einer minimalen Konzentration positiv auf Clenbuterol getestet worden war. Der 27-Jährige bestreitet Doping und führt das Testergebnis auf verunreinigtes Rindfleisch zurück, weil das Mittel auch in der Kälbermast verwendet wird.
Laut Medienangaben sollen in weiteren Dopingproben Contadors bei der Tour allerdings auch Kunststoffspuren gefunden worden sein. Diese würden auf Blutdoping hindeuten. Die Werte einer Probe vom 20. Juli - einen Tag vor dem positiven Test auf Clenbuterol - hätten laut „New York Times“ und ARD-Sportschau den zulässigen Grenzwert für Kunststoffrückstände um das Achtfache überschritten. Die Spuren könnten von einem Plastikbeutel mit Eigenblut stammen.
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