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Italiens Dopingjäger sorgt für Wirbel

Nach der Affäre um Tour-de-France-Sieger Alberto Contador hat sich der Anti-Doping-Staatsanwalt des italienischen Olympischen Komitees (CONI), Ettore Torri, über die Erfolgsaussichten im Kampf gegen Doping pessimistisch geäußert. „Alle Profis, die ich vernommen habe, haben es mir bestätigt: Alle Radfahrer nehmen verbotene Substanzen ein“, sagte Torri laut „Gazzetta dello Sport“.

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„Wäre Doping nicht für die Gesundheit der Fahrer gefährlich, sollte es liberalisiert werden. Es ist ungerecht, dass von 100 gedopten Radsportlern nur einer erwischt wird und die Konsequenzen dafür tragen muss“, sagte der 79-Jährige, der seit vier Jahren Doping-Chefankläger beim CONI ist.

Ettore Torri (Anti-Doping-Staatsanwalt des italienischen Olympischen Komitees)

AP/Pier Paolo Cito

Ettore Torri will den aussichtlosen Kampf gegen Doping nicht aufgeben.

Doping nicht bekämpfbar

„Je länger ich in diesem Bereich arbeite, desto mehr überrascht mich die Verbreitung dieses Problems. Ich glaube nicht, dass Doping bekämpft werden kann“, fügte Torri, der im Laufe seiner Karriere unter anderem Ermittlungen gegen den Spanier Alejandro Valverde und zahlreiche italienische Profis geführt hat, hinzu.

Torri betonte, dass exzellente Ärzte am Werk seien, um Doping zu vertuschen: „Sie können alles Mögliche verschreiben, damit bei den Analysen die verbotenen Substanzen nicht auftauchen.“ Torri äußerte sich auch zu den Vorwürfen gegen Contador: „Er kann behaupten, dass die positiven Analysen auf ein Stück Fleisch zurückzuführen sind, er muss es aber auch beweisen.“

Keine Legalisierung gefordert

Als Torri merkte, welch hohe Wellen seine Aussagen schlugen, ruderte er zurück. Er habe sich nicht für eine Straffreiheit bei Dopingvergehen ausgesprochen, teilte er nach einem Gespräch mit CONI-Präsident Gianni Petrucci in Rom mit.

Der schnell einberufene Krisengipfel konnte die Wogen aber nicht mehr glätten: „Torris Aussagen klingen so, als sage ein Anti-Mafia-Staatsanwalt, alle Sizilianer seien Mafiosi, und wenn es dem Staat nicht schade, solle man das organisierte Verbrechen legalisieren“, empörte sich die „Gazzetta“ am Mittwoch.

Torri dementierte Gerüchte, nach denen er seinen CONI-Posten aufgeben wolle: „Ich gebe auf keinen Fall auf.“ Er räumte jedoch nach Angaben der „Gazzetta“ eine gewisse Überforderung ein.

Radverband und Profis wehren sich

Die italienischen Radprofis reagierten naturgemäß kritisch auf die Aussagen Torris. „Es ist einfach zu allgemein, zu behaupten, dass alle Radfahrer gedopt sind. Warum veröffentlicht Torri keine Namensliste? Ich bin optimistisch. Wir arbeiten gegen Doping, es muss aber zu einer kulturellen Wende kommen, die lange Zeit benötigt“, sagte der Präsident des italienischen Radsportverbandes, Renato di Rocco.

Gianni Bugno, der Chef der Vereinigung der italienischen Radprofis, betonte, Torri habe nur einige Profis vernommen. Er könne nicht pauschale Vorwürfe gegen die Radsportler richten. „Das Dopingproblem existiert, nicht nur im Radsport. Dieser ist jedoch am stärksten belastet und zahlt den höchsten Preis im Kampf gegen Doping“, so Bugno.

Vincenzo Nibali, zuletzt Sieger der Spanien-Rundfahrt, bestritt die Vorwürfe: „Ich spreche nur für mich selbst. Ich habe ein reines Gewissen. Die Legalisierung des Dopings widerspricht dem Prinzip eines sauberen Wettbewerbs.“

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