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Zwischen Genie und Wahnsinn

Marko Arnautovic hat am Freitag beim 3:0-Sieg von Österreich gegen Aserbaidschan erstmals seine Torvisitenkarte im ÖFB-Dress abgegeben und in seinem sechsten Länderspiel einen Doppelpack erzielt. Der 21-Jährige stellte mit seiner Gala auch vor heimischem Publikum sein Talent erstmals wirklich unter Beweis und sorgte, wie so oft in den letzten Wochen und Monaten, wieder für Schlagzeilen.

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Der Name Arnautovic kursiert mit erstaunlicher Regelmäßigkeit in den Medien. Wo dieser Mann auftaucht, wird er zum Thema. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Der Wiener ist ein Typ, der polarisiert. Manche halten ihn für genial, manche für überheblich und divenhaft, manche, wie sein Ex-Coach Jose Mourinho, einfach für einen Kindskopf. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Auf jeden Fall ist Arnautovic auf und neben dem Platz ein Grenzgänger, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelt.

Marko Arnautovic lacht

Reuters/Robert Zolles

Arnautovic darf sich über seine ersten Länderspieltore freuen.

Constantini „möchte ihn nicht bändigen“

Mit seiner Leistung und den beiden Treffern hat Arnautovic aber gezeigt, dass er an einem guten Tag nicht nur eine Bereicherung, sondern ein Matchwinner für das ÖFB-Team sein kann. „Er ist eben nicht wie jeder andere. Ich möchte ihn aber nicht bändigen. Er wird als Toptalent gehandelt, und ich bin überzeugt, dass er seinen Weg machen wird“, erklärte Teamchef Dietmar Constantini.

„Es freut mich für den Marko. Er hat es nicht leicht, auch mit uns Kollegen, denn wir sind auch kritisch. Aber er hat gezeigt, was er kann. Dafür gebührt ihm ein großes Kompliment“, sagte Stefan Maierhofer über seinen Teamkollegen. Christian Fuchs meinte: „Arnautovic hat zwei wichtige Tore gemacht, eine richtig tolle Leistung gebracht und damit auf die Kritik der vergangenen Tage die richtige Antwort gegeben.“

Arnautovic ist zufrieden

Dabei hatte die Partie gegen Aserbaidschan für Arnautovic gar nicht so gut begonnen. Erst als er nach einer Viertelstunde mit Martin Harnik die Seite wechselte und über links kam, lief es besser. „Ich freue mich über meine Tore, aber noch viel mehr für die Mannschaft. Das Wichtigste waren heute die drei Punkte. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden. Das war ein sehr gutes Comeback im A-Team. Wenn wir gewinnen, macht’s immer Spaß“, bilanzierte der Werder-Legionär.

Und den Spaß am Spiel lässt sich Arnautovic in seinen Aktionen auch anmerken. „No look“-Pässe, Pässe hinter dem Standbein oder Pässe mit der Ferse sind seine Interpretation von Fußball, die allerdings bei Misslingen auch schnell zum Bumerang in der Fangunst werden können. „Diese Aktionen gehören eben zu ihm. Das ist natürlich etwas für das Auge, das die Fans und auch ich gerne sehen. Übertreiben sollte man es aber nicht, denn solche Aktionen können genauso ins Auge gehen“, erklärte Constantini und ergänzte: „Er hat aber auch diszipliniert gespielt und die Taktik befolgt.“

Ein Lob von Vogts

Auch von Aserbaidschan-Coach Berti Vogts gab es Lob für Arnautovic: „Wenn jemand zwei Tore macht, dann muss er ein guter Fußballer sein. Ich weiß, warum Bremen ihn verpflichtet hat. Ich habe Arnautovic gegen Bayern München gesehen. Da kann ich nur sagen: ‚A la bonne heure‘. Er ist ein Riesentalent. Warum er hier Probleme hat, kann ich aber nicht wirklich verstehen. Solchen Spielern muss man auch ihren eigenen Willen lassen.“

Mit wichtigen Toren macht sich Arnautovic, der laut U21-Teamchef Andreas Herzog Österreichs „bester Spieler der letzten 30 Jahre“ ist und sogar Legenden wie Herbert Prohaska und Hans Krankl „in den Schatten“ stellt, einen Namen. Um wirklich in einer Kategorie mit den beiden ÖFB-Legenden genannt zu werden, braucht es allerdings noch zwei Sachen: Konstanz in der Leistung auf dem Platz und zumindest ein Anflug von Reife neben dem Platz, damit Österreich auch in Zukunft über das Genie jubeln kann und nicht über den Wahnsinn den Kopf schütteln muss.

Christian Wagner, ORF.at

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