War das der Hütteldorfer „Kickstart“?
Freude und Erleichterung waren Jan Vennegoor of Hesselink deutlich anzusehen, als er am Donnerstagabend zu seinem bisher wichtigsten Tor für Rapid befragt wurde. Zweimal hatte der Niederländer schon in der Liga getroffen, mit dem 1:0 in Sofia deutete der 31-jährige Stürmer aber die Rückkehr seines Torriechers an. „Da hat Jan die richtige Nase gehabt“, meinte auch Peter Pacult nach dem 2:0-Sieg über ZSKA.
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Über ein Jahr nach dem 3:0 gegen den HSV war es der zweite Sieg in einem Europa-League-Gruppenspiel und der erste auswärts. Nach der Abfuhr in Porto und der ärgerlichen Heimniederlage gegen Besiktas - vom holprigen Ligastart gar nicht zu reden - hatte Rapid diesen Erfolg auch bitter nötig. „Hoffentlich war das unser Kickstart in die Saison“, sagte Vennegoor of Hesselink. „Es war ein Sieg für die Moral und er war verdient. Wir haben hier das Spiel gemacht, und das war sehr wichtig. “
„Fühle mich schon als Teil dieser Mannschaft“
Der sympathische Neo-Rapidler hatte sich sofort an sein durchaus beachtliches Riechorgan gefasst, als er vom Lob seines Trainers hörte. „Ja, wahrscheinlich war es die Nase“, bestätigte Vennegoor of Hesselink lachend. „Aber ich habe heute viele Bälle bekommen, weil wir auch spielerisch überzeugten.“ Nach einem enttäuschenden Jahr bei Hull City und anfänglichen Fitnessproblemen, die Rapid-Konditionstrainer Christian Canestrini beseitigte, wirkte der ehemalige Torjäger von PSV Eindoven und Celtic Glasgow spritziger und vor allem selbstbewusst. „Ich fühle mich schon als Teil dieser Mannschaft, und das beflügelt.“
Nur in einer nebensächlichen Frage waren Vennegoor of Hesselink und Pacult nicht hundertprozentig einer Meinung. „Im Training probieren wir das oft. Soma geht zum kurzen Eck, macht den Raum frei. Jetzt ist es ihm auch einmal im Match gelungen“, schilderte der Rapid-Trainer die Szene beim 1:0 nach Eckball von Veli Kavlak. Für den Torschützen selbst war die Chance eher zufällig entstanden: „Ich bin einfach gut gestanden. Einstudiert war es nicht, aber manchmal braucht man eben auch Glück.“
Heikkinen und Pehlivan als Schlüsselfiguren
Viel wichtiger war ohnehin die starke Leistung seiner zentralen Mittelfeldabteilung mit Yasin Pehlivan und Markus Heikkinen. Der ÖFB-Teamspieler scheint zwischenzeitliche Formschwankungen ebenso überwunden zu haben wie der Finne die Gehirnhautentzündung, die ihn gegen Porto und Besiktas zum Zusehen gezwungen hatte. Die beiden gewannen fast alle Zweikämpfe und holten sich enorm viele Bälle von ZSKA zurück.

GEPA/Josef Bollwein
Pehlivan war kaum zu stoppen.
„Wir haben den Gegner im Spielaufbau gestört und dann auch gut nach vorne gespielt“, sah Pacult hier den Schlüssel zum Sieg. Unzufrieden war er nur mit der Art und Weise, wie seine Elf in der zweiten Spielhälfte aus zahlreichen Konterchancen nichts Zählbares machte. „Da haben wir klar dominiert und hätten noch ein Tor schießen müssen“, waren sich der Coach und Steffen Hofmann einig. Der deutsche Rapid-Kapitän hatte für das 2:0 gesorgt und liegt mit 16 Europacup-Toren bei 39 Einsätzen nur noch zwei Treffer hinter der Clubbestmarke von Hans Krankl.
Rapid schoss ZSKA-Trainer ab
„In den Kontern hat uns noch die letzte Durchschlagskraft gefehlt“, meinte Hofmann selbstkritisch. Zumindest habe man in der Gruppe L nun aber wieder einiges selbst in der Hand, denn der 3:1-Auswärtssieg von Tabellenführer Porto gegen Besiktas Istanbul spielte Rapid in die Karten. „Jetzt liegt es an uns, gegen Sofia auch in Wien zu gewinnen“, dachte der Spielmacher schon an die Partie im Ernst-Happel-Stadion in zwei Wochen.
Bei ZSKA wird dann schon ein neuer Trainer auf der Bank sitzen - der fünfte seit Jahresbeginn. Vereinschef Dimitar Borissow entließ Gjorgi Jovanovski und Sportdirektor Emil Kostadinow unmittelbar im Anschluss an die Niederlage gegen Rapid, nachdem die Fans ihrem Unmut schon während des Spiels lautstark Luft gemacht hatten. Nach Schusspfiff gab es dann noch schwere Ausschreitungen vor dem Stadion, die Polizei nahm zumindest 15 Randalierer fest.
Schneller Stürmer gesucht
Rapid dagegen hat dank des „Naserls“ von Vennegoor of Hesselink wieder etwas Luft, in Wiener Neustadt soll am Sonntag (16.00 Uhr, live in ORF1) nun auch in der Bundesliga ein Befreiungsschlag gelingen. Unabhängig davon deutet einiges drauf hin, dass Pacult und Sportdirektor Alfred Hörtnagl in der Winterübetrittszeit noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen werden. Neben den klassischen Strafraumstürmern Vennegoor of Hesselink, Atdhe Nuhiu und Hamdi Salihi fehlt noch immer ein schneller Mann der Marke „Jimmy“ Hoffer.
Harald Hofstetter, ORF.at
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