„Vom Potenzial her noch viel möglich“
Thomas Muster war erkennbar gerührt. Der 43-jährige Steirer wurde am Nationalfeiertag in der Wiener Stadthalle gefeiert. Die kaum überraschende Niederlage gegen den 23-jährigen Andreas Haider-Maurer in der ersten Runde der BA-TennisTrophy tat dieser Begeisterung keinen Abbruch. Muster, der auf allen Tennisbühnen der Welt große Erfolge feierte, kommt auch 2010 noch gut an.
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Der erste Teil seines ganz persönlichen Experiments darf als durchaus gelungen bezeichnet werden. Natürlich fehlt es ihm an Geschwindigkeit sowie an der Genauigkeit und Länge der Bälle. Auch im ATP-Ranking wird der frühere Weltranglistenerste keine Bäume mehr ausreißen. „Aber die Leute sind auch gar nicht gekommen, um einen Turniersieg von mir zu fordern, sondern haben einfach respektiert, was ich gerade mache“, bilanzierte Muster nach seinem Aus in Wien.
Muster gibt sein Bestes
Und die in Scharen herbeigeeilten Fans amüsierten sich blendend. Vor allem im zweiten Satz konnte Muster sehr gut mithalten und ging bis ins Tiebreak, wo jeder Punkt des Steirers frenetisch bejubelt wurde. Später war Muster trotz der Niederlage erleichtert und zufrieden: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich mein Bestes gegeben habe.“ Er müsse aber wieder lernen, die wichtigen Punkte zu machen und im richtigen Moment eine Spur aggressiver zu sein.
Probleme ortete Muster auch in der fehlenden Ballgeschwindigkeit seiner Schläge, während sich Haider-Maurer vor allem beim Service als stark erwies. „Das sind vielleicht 20 km/h. Es kommt aber auch auf das Percentage an. Was macht man mit dem zweiten Ball? Das muss man spielen, trainieren, erleben“, so Muster, der sein nächstes Turnier beim Challenger in Salzburg Mitte November bestreitet.

ORF.at/Michael Baldauf
Thomas Muster hat mit 43 Jahren noch nicht ausgelernt.
Angriff im nächsten Jahr
Seinen Generalangriff plant Muster, der nach elfjähriger Pause Ende Juni in Braunschweig sein Comeback im Profizirkus gegeben hatte, erst für nächstes Jahr. Darauf vorbereiten wird er sich in Australien. „Bei den Australian Open werde ich in der zweiten Woche das Seniorenturnier spielen und dort trainieren. Im März geht’s dann los mit den ersten Challenger-Turnieren. Es wird eine Mischung aus Hauptbewerben bei Challengern und Turnieren einer Wien-Kategorie - Qualifikation oder Hauptbewerb.“ Das hänge auch von der körperlichen Konstellation ab.
Über seine konkreten Ziele wollte er sich nicht äußern. „Ich habe ein Ziel, sonst würde ich nicht trainieren. Das ist klar. Aber warum soll ich mich unnötig selbst unter Druck setzen? Ich habe Erwartungen an mich. Und wenn ich bedenke, wie es vor fünf Monaten war und wie es jetzt ist, dann geht es sehr gut in die richtige Richtung. Man wird sehen, was rauskommt, aber der Spaß steht im Vordergrund. So sehr ich 1999 Tennis gehasst habe, so sehr liebe ich es jetzt wieder.“
Ungebrochener Kampfgeist
Vom Potenzial her sei noch viel möglich. Denn das spezifische Training beginnt erst. Bis dato arbeitete Muster nur an der Basis, um gewisse Trainingsumfänge und deren Belastung überhaupt auszuhalten, um die Muskulatur zu stabilisieren. „Ich kann besser spielen, muss mir das aber erst erarbeiten. Jeder Profi, der heute sechs, sieben Wochen ausfällt, hat ein Problem. Wenn jemand wie ich elf Jahre nicht spielt, wird das Problem nicht geringer. Der Wille ist da“, sagte Muster. Erfolge soll es noch geben.
Grünes Licht und volle Unterstützung bei seinen ehrgeizigem Vorhaben wurde Muster übrigens von der Familie signalisiert. „Für meine Frau bin in ich in einer spätpubertären Phase oder in einer Midlife-Crisis, ihr ist es egal, ich habe zwei Jahre frei bekommen. Aber mit 45 muss ich wieder zu Hause sein. Und so werde ich das auch machen“, versprach der 44-fache ATP-Turniersieger, der sich bereits auf seiner Rückkehr in die Stadthalle 2011 freut: „Denn dann bin ich vielleicht so weit, vom ersten Punkt an toll spielen zu können.“
Michael Fruhmann, ORF.at
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