„Großer Imageverlust“
Mit teilweise langen Sperren für sechs Funktionäre hat der Fußball-Weltverband (FIFA) auf Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit WM-Bewerbungen reagiert. Die Ethikkommission der FIFA schloss am 18. November zwei Exekutivmitglieder aus, sie dürfen damit nicht am 2. Dezember bei der Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 abstimmen.
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Amos Adamu aus Nigeria wurde am Donnerstag für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen, Reynald Temarii aus Tahiti für ein Jahr. Beide waren bereits suspendiert. Adamu, der schon einen Einspruch angekündigt haben soll, wurde zudem mit 10.000 Schweizer Franken (rund 7.400 Euro) bestraft, Temarii muss 5.000 Franken (3.700 Euro) zahlen. Öffentlich gemacht hatte den Skandal im mächtigen Verband die englische „Sunday Times“, deren Reporter Temarii und Adamu mit versteckter Kamera gefilmt hatten.

APA/EPA/Bartlomiej Zborowski
Joseph Blatter hat derzeit keine Freude mit seinen Funktionären.
Sperre für weitere Exekutivmitglieder
Gesperrt wurden außerdem vier ehemalige FIFA-Exekutivmitglieder, die ebenfalls schon suspendiert waren. Die längste Sperre erhielt mit vier Jahren Ismael Bhamjee aus Botsuana, jeweils drei Jahre wurden Ahongalu Fusimalohi aus Tonga und Amadou Diakite aus Mali ausgeschlossen. Slim Aloulou aus Tunesien darf sich zwei Jahre lang nicht im Fußball betätigen. Auch dieses Quartett muss jeweils 10.000 Franken Strafe zahlen.
Gegen WM-Bewerber wird es keine Sanktionen geben. Die gemeinsame Kandidatur von Spanien und Portugal sowie die Bewerbung Katars wurden von Vorwürfen der Absprache freigesprochen. Der Vorsitzende der Ethikkommission, der Schweizer Claudio Sulser, sprach insgesamt von einem großen Imageverlust für die FIFA. Präsident Joseph Blatter will sich nach Angaben von Generalsekretär Jerome Valcke am Freitag nach einer Sondersitzung des Exekutivkomitees äußern. Bereits nach dem Auffliegen des Falles hatte Blatter Mitte Oktober in einem offenen Brief an die Mitglieder der „FIFA-Regierung“ die Vorwürfe des Stimmenkaufs als „sehr unschöne Situation“ beschrieben.
Wertvolle und begehrte Stimmen
Temarii soll sich Anfang Oktober in einem Gespräch mit Reportern der „Sunday Times“ bereiterklärt haben, seine Stimme bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 für drei Millionen neuseeländische Dollar (rund 1,6 Mio. Euro) zu verkaufen, um eine Fußballnachwuchsakademie in Auckland zu gründen. Die Journalisten hatten sich als Lobbyisten für ein Konsortium von US-Firmen ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in ihre Heimat holen wollten. Temarii beteuerte danach mehrfach seine Unschuld und betonte, er sei „absolut integer“.
„Ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe“, sagte Temarii diesbezüglich. Adamu soll für seine Stimme 500.000 Pfund (rund 570.000 Euro) verlangt und das Geld für vier Kunstrasenplätze in seiner Heimat vorgesehen haben. Adamu habe indes eine Garantie angeboten, dass er in der Abstimmung über 2018 für die USA votieren werde, für 2022 seien sie nur zweite Wahl. Da habe er sein Wort schon einer anderen Partei gegeben, so der Afrikaner. Die USA hatten erst kurz zuvor ihre Bewerbung für 2018 zurückgezogen.
Die Entscheidung über die Gastgeberländer wird am 2. Dezember von den verbleibenden 22 Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees getroffen. Es gibt neun Kandidaten. Um die WM-Endrunden 2018 und 2022 bewerben sich England, Russland, Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal bzw. die USA, Australien, Japan, Südkorea und Katar.
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