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Funktionäre über Urteil enttäuscht

„Der Schaden für den Ruf der FIFA ist sehr groß“, erklärte Claudio Sulser, der Schweizer Chef der sechsköpfigen Ethikkommission, nach der Sperre der Exekutivmitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti. Adamu wurde für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen, Temarii für ein Jahr.

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Das Duo soll nach britischen Medienberichten verdeckt recherchierenden Reportern signalisiert haben, seine Stimmen bei der WM-Vergabe zu verkaufen. Die beiden hätten die Artikel drei und 14 des FIFA-Ethikcodes verletzt, so Sulser. Unter anderem hätten sie „Angebote nicht klar und deutlich abgewiesen“, so Sulser.

Adamu: „Lehne Entscheidung völlig ab“

„Ich bin unschuldig in allen Anklagepunkten, die die Ethikkommission gegen mich vorgebracht hat, und ich lehne die getroffene Entscheidung völlig ab“, teilte der „zutiefst enttäuschte“ Adamu in einer Presseerklärung mit. Temariis Anwältin Geraldine Lesieur betonte, ihr Mandant habe gemischte Gefühle, denn das Wichtigste sei für ihn gewesen, von allen Korruptionsvorwürfen freigesprochen zu werden.

Nach Erhalt der schriftlichen Begründung haben die beiden zehn Tage Zeit, Einspruch zu erheben. Adamu soll das bereits getan haben. Neben den zwei Berufungsinstanzen der FIFA könnten die Betroffenen auch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne oder ordentliche Gerichte bemühen, sagte Sulser.

Kritik an Aufdeckerjournalismus

Das Urteil des Ethikgremiums bedeutet nicht das Karriereende für die beiden hohen Fußballfunktionäre. Es sei kein lebenslanges Berufsverbot ausgesprochen worden, so Sulser, und die beiden könnten nach Ablauf der Suspendierung wieder ein Amt bekleiden. Ohne Folgen blieben kolportierte Mauscheleien zwischen der gemeinsamen Kandidatur Spaniens und Portugals sowie den Bemühungen Katars, denen vorgeworfen wurde, Stimmabsprachen getroffen zu haben.

Wiederholt kritisierte der Chef der Ethikkommission dafür die Medien, vor allem die britische „Sunday Times“, die den Fall ins Rollen gebracht hatte. Er sprach von verfälschten Aussagen und montierten Bildern sowie von sensationslüsternem Verhalten. Auf die Frage, ob das Verhalten der Insel-Medien der britischen Bewerbung schaden könnte, sagte Sulser: „Das kann ich nicht sagen, ich hoffe nicht.“

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