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Rache für erschossenen Spartak-Fan

Es war ein unwürdiger Abschied aus der Champions League für den russischen Rekordmeister Spartak Moskau, bei dem auch ÖFB-Legionär Martin Stranzl unter Vertrag steht. Mit Ausschreitungen auf den Rängen sorgten Spartak-Fans in Zilina am vergangenen Mittwoch für eine 22-minütige Unterbrechung.

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Schon zuvor hatte ein Mob von 1.000 Anhängern und Rechtsradikalen in Moskau Zuwanderern aus dem Kaukasus mit „Rache“ für den Tod eines Spartak-Fans gedroht, was sich dann am Wochenende auch in Gewaltexzessen entlud. Die offene Gewalt wirft eine Woche nach Vergabe der WM 2018 an Russland ein schlechtes Licht auf die Fanszene zwischen Kaliningrad und Wladiwostok. Rassismus, Gewalt, NS-Symbole und Waffen sind in russischen Stadien keine Seltenheit.

Tormann Andriy Dykan neben bengalischem Feuer

Reuters/David W. Cerny

Der Fußball rückte in Zilina in den Hintergrund.

Kein Einzelfall

Bei einem Streit um ein Taxi war ein Spartak-Fan zu Wochenbeginn in Moskau erschossen worden, sein Freund schwebt in Lebensgefahr. Der Täter stammt wie bei Zusammenstößen im Juli, als ein Spartak-Anhänger erstochen worden war, aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus. Schon in der Vergangenheit war es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen „Fans“ sowie Gastarbeitern aus dem Kaukasus oder aus Zentralasien gekommen. Immer wieder sind in Stadien Parolen wie „Russland den Russen“ zu hören. Im April 2009 „gratulierten“ Fans auf einem Banner Hitler zum „Geburtstag“.

„Schande von Zilina“, titelte jetzt die russische Zeitung „Sport Express“. Der Skandal sei aber kein Einzelfall, warnte die Leiterin des Moskauer Zentrums für Menschenrechte, Galina Koschewnikowa. Die Spartak-Fanszene besitze zwar einen breiten ultrarechten Flügel, aber auch die Anhänger anderer russischer Vereine seien von gewaltbereiten Jugendlichen „unterwandert“.

Hoffnung auf neue Fangeneration

Koschewnikowa sieht ein „moralisches Vakuum“, in dem sich viele Menschen in Russland rund 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion als Verlierer fühlten. Für Hooligans und Skinheads sei der Fußball eine ideale Bühne, um Frust abzulassen. „Bis zur WM 2018 wächst in Russland eine andere Fangeneration heran“, prognostizierte dagegen Alexander Sprygin, Leiter des Verbands der Fußballfans.

Experten sehen aber eine immer engere Kooperation der Fußballszene mit nationalistischen Gruppen wie etwa Slawische Kraft oder der fremdenfeindlichen Bewegung gegen illegale Einwanderung (DPNI). Sie beklagen vor allem eine unzureichende Betreuung vonseiten der Vereine. „In Deutschland oder England hat jeder Club einen Fanbeauftragten, das muss auch der russische Verband endlich zur Bedingung machen“, forderte Russlands niederländischer Teamchef Dirk Nicolaas „Dick“ Advocaat.

„Müssen noch einiges lernen“

Nach den Ausschreitungen in Zilina sieht Fußballlegende Nikita Simonjan das Image Russlands auf lange Zeit beschädigt. „Zu Recht werden jetzt Stimmen laut, dass man die WM 2018 doch besser nach England vergeben hätte“, sagte der 84-jährige frühere Spartak-Spieler. In weniger als acht Jahren würden Millionen ausländischer Fans nach Russland kommen, schreibt der „Sport Express“: „Bis dahin müssen wir noch einiges lernen über Toleranz und Multikulti.“ Das sei keine Aufgabe nur für den Sport, „sondern für die ganze Gesellschaft“.

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