Themenüberblick
Politische Lage spitzt sich zu
Die am Bahrain International Circuit stationierten Mediziner waren zuvor bereits für Notfälle in die Krankenhäuser in Manama gerufen worden. In den Hotels der Stadt sollen Teammitglieder und Piloten die Schüsse auf den Straßen gehört haben. Und das in jenem Land, in dem die Formel 1 in eineinhalb Wochen Testfahrten abhalten will und wo am 13. März der erste Grand Prix dieser Saison auf dem Programm steht.
Sicherheit hat höchste Priorität
„Der nächste Schritt ist das GP2-Rennen an diesem Wochenende“, hatte Todt noch am Mittwoch gesagt. Ein Grundprinzip des Internationalen Automobilverbandes (FIA) sei Sicherheit. „Sicherheit der Rennwagen, Sicherheit auf den Straßen, Sicherheit in unserer Organisation“, wurde Todt zitiert. Da diese offenbar nicht garantiert werden konnte, erfolgte nun die Absage der GP2-Rennen.
„Die Formel 1 verfolgt die aktuellen Vorkommnisse und Entwicklungen in Bahrain mit großem Bedauern, großer Aufmerksamkeit und großer Sorge“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Es stehe für Mercedes außer jeder Frage, „dass die Sicherheit unserer Mitarbeiter über allem steht“. Zusammen mit der FIA, dem Formula One Management (FOM) und der Teamvereinigung (FOTA) würden alle Rennställe vor den geplanten Tests und dem Rennen „präzisere Erkundigungen einholen“, kündigte Haug an. „Dazu werden die relevanten Behörden eingeschaltet werden.“

Reuters/Hamad I Mohammed
Auch in Bahrain bevölkern Tausende Demonstranten die Straßen.
Die Lage in dem Königreich, in dem die Formel 1 seit 2004 Station macht, hatte sich in der Nacht auf Donnerstag zugespitzt, als mindestens drei Menschen getötet wurden. Die Polizei ging gewaltsam gegen Tausende Demonstranten vor. Neben den Todesopfern wurden Dutzende verletzt. Die Zahl der Menschen, die bei den seit fünf Tagen anhaltenden Protesten getötet wurden, stieg auf insgesamt fünf.
Ecclestone hat Angst vor Demonstranten
Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone hatte sich schon zuvor besorgt gezeigt, dass der Grand Prix eine passende Gelegenheit für Demonstranten sein könnte. „Die Gefahr ist offensichtlich, oder? Wenn diese Leute weltweite Aufmerksamkeit wollten, wäre das verdammt einfach, nicht wahr? Man sorgt für ein Problem im Startbereich, und das würde weltweit gezeigt werden“, sagte Ecclestone dem „Daily Telegraph“.
Ankündigungen für entsprechende Aktionen gab es indirekt auch schon: „Ganz sicher wird es zu dieser Zeit nicht friedlich sein“, war Nabeel Rajab, Vizepräsident des Bahrain Center for Human Rights, von Arabian Business jüngst zitiert worden.
Die Strecken-Verantwortlichen hatten vor der neuerlichen Zuspitzung versichert, dass man die Lage sehr genau beobachtet und angemessen auf weitere Entwicklungen reagiert. Das Statement bezog sich auch auf die Testfahrten vom 3. bis 6. März. Als problematisch könnte sich auch herausstellen, dass die Unterkünfte von Fahrern und Teams praktisch alle in Manama liegen. Also dort, wo die Demonstranten für eine Reform des autoritären Regimes auf die Straßen gingen.
Rennen in Schanghai bis 2017 gesichert
Von einem anderen Grand-Prix-Schauplatz gab es unterdessen positive Nachrichten: Nach dem finanziellen Entgegenkommen von Ecclestone wird die Formel 1 bis mindestens 2017 in Schanghai gastieren. Laut den Organisatoren in Chinas Wirtschaftsmetropole wurde der Vertrag bis dahin verlängert. Zuletzt galt das diesjährige Rennen am 17. April als gefährdet, weil sich Teile der im Sumpfgebiet errichteten Strecke gesenkt hatten.
Die chinesischen Offiziellen ließen nun auch verlauten, dass die Ticketpreise gesenkt und weitere Probleme, die zu Verlusten und sinkenden Zuschauerzahlen geführt haben, behoben werden sollen. Laut Schanghais stellvertretendem Bürgermeister Zhao Wen wurde mit Ecclestone ein reduziertes Antrittsgeld ausgehandelt. Über die Höhe des Betrages wurden keine Angaben gemacht.
Schanghai hatte erstmals 2004 einen WM-Lauf ausgetragen. Damals kamen 270.000 Zuschauer. 2009 wurde mit 120.000 Besuchern der Tiefststand erreicht. Dank des Comebacks von Michael Schumacher wurden 2010 wieder mehr Tickets verkauft.