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Wo Nordische die Massen elektrisieren

Was England und das Wembley-Stadion für den Fußball bedeuten, das sind Norwegen und der Holmenkollen für den nordischen Skisport. So sehen es jedenfalls die Gastgeber der nordischen Ski-WM, die am Mittwoch an der berühmtesten Sprungschanze der Welt in Oslo eröffnet wird.

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Mehr als 300.000 Zuschauer wollen bis zum 6. März für die Volksfeststimmung sorgen, die das „Mutterland“ des Langlaufs bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer weltweit populär gemacht hat. Die äußeren Bedingungen rund um Oslo stimmen: Es ist kalt, aber nicht zu kalt, an Schnee herrscht kein Mangel. In Norwegen fiel diesen Winter so viel Schnee, dass mancherorts Holzhäuser zugeschneit und von Baggern freigeschaufelt wurden.

Frostige Zeltplätze sind heiß begehrt

Mit Handkraft graben Tausende WM-begeisterte Norweger seit dem Wochenende die richtige Grundfläche für ihre Zelte, in denen sie die WM nonstop an den Loipen rund um den Holmenkollen erleben wollen. Ein kleiner Ofen in der Mitte und die richtige Kleidung, vor allem aber glühende Begeisterung sollen für die nötige Wärme sorgen. 16.000 Zeltbewohner erwartet WM-Pressesprecherin Nina Horn Hynne: „Wir bekamen seit Sommer Vorbestellungen für Zeltplätze.“

Vergessen scheint zum Auftakt des „Wintermärchens“ die alles andere als märchenhafte Vorgeschichte der WM: Wie das Londoner Wembley-Stadion war der Holmenkollen eine einmalig charmante, aber auch völlig veraltete Anlage. Ohne den 2008 begonnenen Abriss und kompletten Neubau von Schanze und Skistadion hätte die FIS den Skandinaviern die WM nicht zugesprochen. Was folgte, nennt Norwegens Industrieminister Trond Giske „einen der größten Bauskandale aller Zeiten“. Die Kosten explodierten immer neu und verdreifachten sich am Ende von ursprünglich veranschlagten 600 Millionen Kronen (77 Mio. Euro).

Auch der König fiebert mit

Aber das wird für die Norweger in den kommenden zwei Wochen Schnee von gestern sein. Hier sind Skilangläufe im Fernsehen echte Straßenfeger, und von Kommentatoren wird erwartet, dass sie sich beim Zieleinlauf die Kehle aus dem Hals schreien - vor allem, wenn heimische Skilegenden wie der achtfache Olympiasieger Björn Dählie in letzter Sekunde die Skispitze noch vor die eines überraschend starken Konkurrenten schieben. Dann ist Norwegen fast so aus dem Häuschen wie Brasilien nach einem Fußball-WM-Sieg.

Live am Holmenkollen mitfiebern will auch König Harald V. (74), dessen Vater König Olav V. (1901 bis 1991) noch selbst die Schanze heruntergesprungen war. Dabei bewegte er sich in Größenordnungen aus der Gründerzeit: Den ersten Schanzenrekord stellte am 31. Jänner 1892 Arne Ustvedt mit 21,5 Metern auf. Heute schaffen die Springer um die 120 Meter, schwärmen aber genau wie ihre Vorfahren vom ganz speziellen Charme der Anlage: Wartet man oben auf der Schanze auf das Signal zum Sprung, hat man eine fantastische Aussicht auf den Oslo-Fjord.

Großschanze auf dem Holmekollen

GEPA/Thomas Bachun

Die Holmenkollen-Großschanze

Würdiger Schauplatz für WM

Als „Mekka des nordischen Skisports“ wird Oslo und vor allem der Holmenkollen immer wieder bezeichnet. Nirgendwo ist die Begeisterung für diesen Sport so groß, das zeigt sich auch bei einer U-Bahnfahrt auf den Hausberg der Osloer. Langlaufski sind hier keine Seltenheit, und gerade das macht Oslo vielleicht einzigartig: Das Stadtgebiet erstreckt sich auf rund 450 Quadratkilometer und ist einerseits vom Fjord und der Hafenidylle, andererseits von Wäldern, Natur und 2.600 Kilometer Skipisten umgrenzt.

Darum wird die Stadt auch als das „weltgrößte Dorf“ bezeichnet. Ein „Dorf“, das aber multikulturell und modern ist. Nicht nur die neue Holmenkollen-Großschanze mit einem Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern zeugt davon. Das Neue Opernhaus wurde 2008 eröffnet und zum „europäischen Bauwerk des Jahres“ gewählt. Oslo soll laut einer Umfrage Tokio als teuerste Stadt der Welt abgelöst haben. Weltbekannt ist Oslo aber auch für die jährliche Vergabe des Friedensnobelpreises im Rathaus. Der Schwede Alfred Nobel hatte sich hinsichtlich dieses Preises ausdrücklich für Norwegen ausgesprochen, die anderen vier werden in Stockholm vergeben.

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