Herber Rückschlag im EM-Rennen
Das österreichische Nationalteam hat im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien schwer enttäuscht und 0:2 verloren. Zwei Tore von Axel Witsel (6., 50.) besiegelten an einem „schwarzen“ Freitag im Wiener Ernst-Happel-Stadion das Schicksal der ÖFB-Auswahl, die im Rennen um die EM-Endrunde 2012 einen herben Rückschlag hinnehmen musste.
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Vor dem schweren Auswärtsspiel gegen die Türkei am Dienstag halten die Österreicher bei sieben Punkten aus vier Partien und liegen nun nach Zählern gleichauf mit den Belgiern. Nach den Pflichtsiegen über Kasachstan und Aserbaidschan und dem 4:4 in Brüssel war die über weite Strecken blamable Vorstellung der Mannschaft von Dietmar Constantini aber ein mehr als deutlicher Rückschritt. Mit wenigen Ausnahmen konnte die Leistung des ÖFB-Teams gegen auch nicht gerade groß aufspielende Belgier als Totalausfall bewertet werden. (Highlights des Spiels in insider.ORF.at)
Janko beginnt statt Maierhofer
Nur die Anfangsformation der Österreicher hatte eine spannende Frage beantwortet. Das teaminterne Duell um den Solopart im Sturm ging an Marc Janko. Der Twente-Torjäger erhielt von Constantini den Vorzug gegenüber Duisburg-Legionär Stefan Maierhofer, ansonsten präsentierte sich die Startelf nach dem jüngsten Ausfall von Franz Schiemer wie erwartet. Bei den Belgiern hingegen saß Offensivjungstar Eden Hazard (OSC Lille) nur auf der Ersatzbank, der angeschlagene Sturmtank Romelu Lukaku auf der Tribüne des brodelnden Happel-Stadions. 45.000 Zuschauer sorgten für Gänsehautatmosphäre.

ORF.at/Dominique Hammer
Kalte Dusche zu Beginn: Macho kommt zu spät, Witsel köpfelt zum 1:0 ein.
Den traditionellen „Radetzky-Marsch“ vor dem Einzug der Mannschaften klatschten die Österreicher gemeinsam mit den rund 1.500 belgischen Fans, bei den Hymnen wurde erfreulicherweise nicht gepfiffen, danach war aber schnell Schluss mit Freundlichkeiten. Fünf Minuten des oft zitierten „Abtastens“ waren gerade zu Ende gegangen, als das rot-weiß-rote „Worst Case“-Szenario Realität wurde. Christian Fuchs köpfelte auf der linken Abwehrseite bedrängt direkt zu Moussa Dembele, dessen anschließende Flanke eigentlich zu hoch und langsam in den Strafraum der Österreicher kam.
Schwerer Patzer führt zum 0:1
Doch ÖFB-Keeper Jürgen Macho schaltete um einen Augenblick zu langsam, verließ den Fünfmeterraum zu zögerlich und verlor schließlich noch das Luftduell mit Witsel. Der Kopf des Angreifers von Standard Lüttich fand im Gegensatz zur Faust von Macho den Weg zum Ball, der wiederum zum 0:1 (6.) aus der Sicht der Österreicher im Netz landete. Witsel war anders als Marvin Ogunjimi (passiv) auch nicht aus Abseitsposition gestartet.
Obwohl die Gastgeber nach der kalten Dusche Wirkung zeigten, hatte ÖFB-Kapitän Janko schon in der elften Minute den Ausgleich auf dem Fuß. Belgiens Abwehrchef Daniel van Buyten hatte klären wollen, aber Zlatko Junuzovic „abgeschossen“. So rannte Janko plötzlich alleine in Richtung Simon Mignolet, fand im belgischen Goalie aber seinen Meister. Im Gegensatz zum eher schwachen Versuch des Stürmers packte Außenverteidiger Ekrem Dag (14.) einen „Hammer“ aus, der 35-Meter-Weitschuss des Besiktas-Legionärs strich nur knapp über das Tor.

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Janko hat die große Chance auf den Ausgleich, scheitert aber an Mignolet.
„Das war gar nichts“
Statt eines möglichen Auftakts zu einer Drangperiode war diese Offensivaktion der Österreicher die letzte für lange Zeit. Die Belgier zogen sich weit zurück und wollten die ÖFB-Elf kommen lassen, doch die kam nicht. Unerklärliche Ballverluste, technische Fehler und viel zu wenig Leidenschaft ließen den anfänglichen Hexenkessel Happel-Stadion abkühlen. Nicht nur Marko Arnautovic, der sich von der kompromisslosen Defensivarbeit der Belgier provozieren ließ und immer wieder jammerte statt spielte, wirkte lustlos. Auch von Martin Harnik war wenig zu sehen.
Im gesamten Mittelfeld fiel nur „Abräumer“ Julian Baumgartlinger positiv auf, mit einem abgefälschten Weitschuss (37./knapp über das Tor) wurde er fast belohnt. Auf der anderen Seite hatte Macho hauptsächlich mit Aufwärmübungen zu tun, die Offensive der Belgier fand nicht statt. „Ohne Herz und Engagement. Das war gar nichts“, brachte Ex-Teamchef Herbert Prohaska das erschreckend schwache Spiel der Österreicher zur Halbzeit auf den Punkt.
Zweite kalte Dusche
Wer sich zu Beginn der zweiten Hälfte Besserung erhofft hatte, wurde spätestens nach fünf Minuten aus allen Träumen gerissen. Laurent Ciman flankte von rechts hoch in den Strafraum, über die im „Tiefschlaf“ befindliche ÖFB-Verteidigung hinweg landete der Ball wieder bei Witsel, der ihn im Stile eines Klassestürmers übernahm und Macho diesmal mit dem Fuß zum 2:0 (50.) bezwang. Nun musste Constantini reagieren, er brachte Maierhofer und Yasin Pehlivan für Janko und den ebenfalls unauffällig gebliebenen David Alaba.
Die lauten Pfiffe beim Abgang dürften Janko mindestens ebenso geschmerzt haben wie seine gebrochene Mittelhand. Auch Ümit Korkmaz wurde von den Fans vehement gefordert und kam schließlich für die letzte Viertelstunde. Tatsächlich brachten die Neuen etwas mehr Schwung in das Spiel der Österreicher, für eine Wende zum Guten war es aber viel zu wenig. Ein knapp verzogener Weitschuss von Pehlivan (67.) bedeutete bis zur Schlussminute die größte Gefahr für das Tor der Gäste. Dann rutschte Harnik (90.) noch in eine Korkmaz-Vorlage, doch Keeper Mignolet war auf dem Posten. Auf den Abpfiff reagierten die restlos enttäuschten Zuschauer mehr erleichtert als wütend.
Harald Hofstetter, ORF.at
EM-Qualifikation, Gruppe A
Freitag:
Österreich - Belgien 0:2 (0:1)
Ernst-Happel-Stadion, 45.000 Zuschauer, SR Besborodow (RUS)
Torfolge:
0:1 Witsel (6.)
0:2 Witsel (50.)
Österreich: Macho - Dag, Dragovic, Pogatetz, Fuchs - Alaba (54./Pehlivan), Baumgartlinger - Harnik, Junuzovic (69./Korkmaz), Arnautovic - Janko (54./Maierhofer)
Belgien: Mignolet - Ciman, Kompany, Van Buyten, Vertonghen - Defour, Simons, Witsel - Dembele, Ogunjimi (80./Mirallas), Chadli
Gelbe Karte: Kompany
Die Besten: Baumgartlinger bzw. Witsel, Defour, Dembele
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